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Sagen aus dem Raum Sonntagberg Sonntagberg, Niederoesterreich #


Das Brotwunder am Sonntagberg

Kirche auf dem Sonnatagsberg
Kirche auf dem Sonnatagsberg, Niederösterreich. Photographie um 1998.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Beim Eingang in die Kirche am Sonntagberg liegt eine Steinplatte, von einem eisernen Gitter umschlossen. Darauf sieht man in Stein gemeißelt ein Brot, daneben aus Holz geschnitzt einen Hirten mit seinen Schafen. Ehemals pflegten die Landleute hier weißes Brot zu opfern. Ein frommer Schafhirt weidete einst in der Umgebung seine Herde. Da hat sie sich eines Tages verlaufen und er kann sie nicht wieder finden. Emsig streicht er durch Busch und Wald, erklimmt manche Höhe und ruft nach allen Seiten hin; die Herde blieb verloren. Indes war der Tag zur Neige gegangen. Die Sorge um das ihm anvertraute Gut ängstigt ihn, das lange Umherwandern hat ihn ermüdet. Er rafft seine letzte Kraft zusammen und besteigt in gläubigem Vertrauen den Zeichenstein, auf welchem später die Gnadenkirche erbaut wurde. Er stand schon früher im Ruf, daß auf ihm Zeichen, das ist Wunder geschehen. Dort wirft sich der Hirt auf die Knie und fleht, der Herr möge ihn das verlorene wieder finden lassen. Nach dem Gebete schläft er ein und erblickt im Traume den Ort, wo er seine Herde weidet. Die Freude erweckt ihn, er eilt nach dem bezeichneten Orte und - findet die Herde. Da erkennt er die wunderbare Gnade, die ihm der Herr erwiesen und ohne sich durch Speise zu erfrischen, eilt er mit dankbarem Herzen auf den Wunderstein zurück. Und sieh! auf dem Steine, wo er zum Dankgebete kniet, liegt ein schönes weißes Brot; es war ihm zur Erquickung beschieden.



Die Türken am Sonntagberg 1529

Die Kirche auf dem Sonntagberg
Die Kirche auf dem Sonntagberg, Niederösterreich. Photographie. Um 1890.
© IMAGNO/Austrian Archives

Im Jahre 1529 beschützte Gott in wundervoller Weise die Wallfahrtskirche am Sonntagberg vor den Türken. Die Pracht seines Gotteshauses verhieß reiche Beute, zudem waren viele aus der Umgebung auf den Schutz des dreieinigen Gottes vertrauend hieher geflohen. In tödlicher Angst harrten sie ihres Schicksals, als die Rotte auf flüchtigen Rossen den Berg hinanzog. An Verteidigung war nicht zu denken. Im Drang des Augenblicks fehlten dazu die Waffen, fehlte der Mut. Aber siehe, Gott wachte über seinen Berg und ließ das Vertrauen der zu ihm flüchtenden nicht zuschande werden. Als die Türken beinahe am Gipfel des Berges angelangt sind, stehen ihre Pferde plötzlich still und fallen zitternd in die Knie. Kein Sporn vermag sie vorwärts zu bringen, nur rückwärts können und wollen sie. Die Reiter erfaßt ein Grauen und in wilder Flucht, wie verfolgt von einem unsichtbaren Heere, jagen sie den Berg herab gegen Waidhofen und Ybbsitz hin, wo sie unter den Streichen wackerer Schmiede den Frevel büßen, der an Gottes Heiligtum verübt werden sollte.


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