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Sagen aus dem Stodergebiet#


Das Stodertal einst ein See!

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Vorderstoder
Foto: Österreich Werbung / Weinhaeupl W.

Uranfangs war das Stodertal ein großer See, dessen ehemalige Ufer man noch kennt. Die Steyr floß über den Sattel beim Lugisen ab. Einmal wird Stoder wieder ein See werden, dann geht die Welt unter.

Eine allzu simple Namenserklärung

Nach einem großen, blutigen Krieg mußten die Welschen, die lange die Herren im Land gewesen waren, heimflüchten. Viele Städter aber kamen mit ihrer Habe ins heutige Stodertal und gründeten eine Siedlung. Sie wurden die Städter, Stödter oder Stöderer genannt.

Die Stodertaler wehren die Türken ab

Als die Türken wiederholt in Steiermark einfielen, errichteten die Bewohner des Stodertales unter anderem auch am Joch östlich vom Hochstein eine gewaltige Schanze aus Felsen und Baumstämmen. Daher trägt das Hochjoch heute noch den Namen "'s Türkenhag".

Eine kuriose Hochzeit zur Türkenzeit in Stoder

Als die Türken Österreich bedrängten, mußten fast alle Mannspersonen einrücken, sodaß Stoder nur von Weibern bewohnt war. Der junge Schmalzer, ein Wirtssohn, mußte am Vortag seiner Hochzeit fort. Die Braut nahm ihr Halstuch, wie es damals die Bräute trugen, zerriß es in zwei Teile und gab ihrem Liebsten die Hälfte. Sie versprachen sich gegenseitige Treue. Schmalzer zog in den Krieg und kam nicht zurück. Endlich nach 30 Jahren entschloss sich die Braut zu einer anderen Heirat. Am Vortage der Hochzeit aber kam ein Reiter mit prächtigen Gewändern und Waffen angetan und sies sich durch das Halstuch als Schmalzer aus. Nun wurde freilich aus der anderen Hochzeit nichts. Das Brauttuch und vielerlei Andenken an den Türkenkrieg wurden aber noch lange im Hause aufbewahrt.

Wie man die lutherischen Bauern wieder katholisch machen wollte

Um die lutherischen Bauern im Stodertal zum katholischen Glauben zu zwingen, wurde die Einfuhr des Salzes in das Tal streng verboten, alle Straßen wurden abgesperrt. Die Stoderer ließen sich aber das Salz durch Schwärzer aus Aussee bringen. Das war ein mit Lebensgefahr verbundenes Geschäft. Das Salz wurde deshalb ungemein teuer.

Das Bergmandl als Almhalter im Stoder

In den Hutererböden im Stoder trieb eine Schwaigerin die Schafe täglich am Morgen zu einem Baumstock in der Nähe der Alm. Dort saß ein Bergmandl, übernahm die Herde, hütete sie den Tag über und brachte sie erst abends zurück zum Baumstock. Die Sennerin wartete schon mit einer Schüssel voll Milch, die das Mandl begierig auslöffelte. Im Herbst wollte der Bauer das Mandl belohnen und ließ vom Schneider ein feines graues Gewand mit rotem Aufschlag machen, weil das Mandl gar so zerrissen und abgeschabt daherkam. Die Schwaigerin legte das Gewand zu jenem Baumstock und lauschte, was das Mandl tun werde. Es stutzte, als es das Geschenk sah, dann begann es zu tanzen und hüpfen und sang:

Ich bin ein Edelmann,
Ich nicht mehr die Schafe hüten kann!

Damit verschwand es und ließ sich nicht mehr sehen.

Venediger auf der Goldsuche im Österreichischen und ein Zauberbüchl

Hinterstoder
Hinterstoder - Schiederweiher - Totes Gebirge
Foto: Österreich Werbung / Jezierzanski

Ein Wälscher kam alle Jahre ins Stodertal Gold suchen. Er wurde immer in einer Mühle freundlich aufgenommen. Aus Dankbarkeit gab er dem Müller ein Büchel und zeigte ihm einen Fels, auf dem solle er aus dem Buche beten und dann dreimal klopfen, dann werde sich der Stein öffnen. Der Müller ging mit seiner Tochter zum Stein und klopfte dreimal. Der Stein öffnete sich und ein steinerner Steg zeigte sich. Der Müller schickte die Tochter hinab. Sie sah unten ein tiefes Wasser, darauf schwammen drei Mandl mit weißen Köpfen und roten Mänteln. Jeder hielt eine Goldkugel über dem Wasser. Das Mädchen floh zurück und der Stein schloss sich. Der Müller hätte selbst hinab gehen sollen. Das Mädchen bewahrte das Büchel sorgsam auf, bis es ihr der Beichtvater wegnahm.

Ein Gespenst, der Poppenmichl geht bei Hinterstoder noch um

Die Poppenkapelle liegt an der Straße von Dirnbach nach Hinterstoder. Drei Wege scheiden sich hier, der eine führt nach Hinterstoder, der andere in die Dambergau, der dritte bergauf nach Vorderstoder. Vor Zeiten hatten hier die Hexen ihren "Zsammverlaß" . Einst lebte in der Gegend ein armer, einfältiger, aber frommer Mensch, der Poppenmichl. An Sonntagen läutete er nachmittags oder abends bei der Kapelle, bis die Kinder zusammenliefen, und hielt auf seine Weise Messe, wobei die Kinder mit ihm vielfach Spott trieben. Der Poppenmichl ist längst gestorben, als Geist betet und singt er aber auch heute noch im Abenddunkel vor der Kapelle. Darum wagen sich die Kinder, wenn es dämmert, nicht mehr vorüber und auch Erwachsene gehen dann nicht gerne vorbei.

Die Entstehung der Kirche Maria am Stein

Dort, wo jetzt die Kirche von Vorderstoder steht, fand einmal ein Wanderer auf einem Steinhaufen ein wunderschönes Marienbild und brachte es in das Kloster Spital. Kurze Zeit darauf fand man aber das Bild wieder auf demselben Platz und trug es in feierlicher Prozession nach Spital. Weil das Bild aber abermals auf seinen alten Platz zurückkehrte, erkannte man den Fingerzeig Gottes und erbaute an dem Platz eine Kirche, in der nun das wundertätige Bild angebracht wurde. Als Wallfahrtsort erhielt die Kirche den Namen "Maria am Stein".

Maria selber öffnet die Kirchentür

In Vorderstoder bestand schon lange, ehe es eine eigene Pfarre wurde, eine Kirche, in der zu Zeiten Stiftsgeistliche aus Spital Messe lasen. Besonders gerne kam trotz des beschwerlichen Weges der fromme Heinrich Otto Gaßner, der im Ruf der Heiligkeit stand. Einmal hatte er die Schlüssel, die in Spital aufbewahrt wurden, vergessen. Das Volk wartete schon vor der verschlossenen Tür. Weil er nun nicht hinein konnte, kniete er vor dem Eingang nieder und betete andächtig. Da ging die Tür geheimnisvoll auf. Die Muttergottes selber hatte sie ihrem getreuen Diener geöffnet.

Der Teufel zieht wieder einmal den Kürzeren

Vor Alters waren die Leute in Hinterstoder dem Teufel zu fromm. Vergeblich versuchte er sie zu verführen. Aus Zorn wollte er den Kleinen Priel und den Steyersberg übereinander wälzen, um dadurch die Steyr zum See zu stauen und das Stodertal zu ertränken. Er bekam aber nur kleine Felsstücke los, die zur Steyr hinabflogen. Wie ein Bach floß dabei dem Teufel der schwarze Schweiß herab, sodaß der Schwarzbach entstand, der Abfluß aus der Kreidelucke. Vor Wut stampfte der Teufel auf den Felsen und fuhr mitten durch den Berg in die Hölle. Das Loch, das er dabei ausriß, ist die Kreidelucke. Auch der Teufelstritt ist noch kenntlich.

Eine Sennerin wäre bald ein Opfer des Teufels geworden

Zu einer ausgelassenen Sennerin im Stodergebiet kam oft ein unbekannter, hübscher Jäger. Nie zog er seine schwarzen Handschuhe aus und rückte auch nie mit der Sprache heraus, warum er es nicht tat. Als sie ihm aber das Mädchen einmal unversehens herabriß, kamen die Teufelskrallen zum Vorschein. Auf den Rat eines Geistlichen legte die Dirne rings um die Hütte einen geweihten Kranz von Kulkraut, Ehrenpreis und Mithridat . Das nächstemal kam der Teufel, um die Schwaigerin zu holen. Wie er aber den Kranz bemerkte, konnte er ihr nichts tun und fuhr davon. Von der Zeit an wurde das Mädchen eingezogen. Nie mehr sagte sie wie früher: "Heute muß einer kommen und wenn es der Teufel wäre!" Diese Worte hatten dem Teufel Macht über sie gegeben. Von einer Sennerin auf dem Zwillingskogel geht dieselbe Sage.

Vor dem Kreuz scheut der Teufel zurück

Hinterstoder Warscheneck
Hinterstoder - Warscheneck-Gruppe
Foto: Österreich Werbung / Diejun

Dem Teufel war es nicht zuwider, sich selbst als Knecht bei den Bauern zu verdingen, in der Hoffnung dort vielleicht einen guten Fang zu tun. So geschah es auch im Stodertal. So mußte er auf der Weide auch Kleehüfel trage, Trockengestelle, die aus entrindeten Fichtenwipfeln mit halbgestutzten Zweigen bestanden. Die Aststummel waren von Natur aus kreuzweise gestellt, was den Satan ungemein störte, weil es ihn an die Kreuztragung Christi erinnerte, die er hier selber nachvollziehen sollte. Er machte sich deshalb auch aus dem Staub und verschwand aus der Gegend.

Der Wilderer prellt als Teufelsbündner den Satan

In der Pfarre Innerstoder, tief im Walde versteckt, wohnte ein äußerst verwegener Wilderer. Sein Name war gemeiniglich Hias. Er hatte eine kleine Hütte und einen Gehilfen. Außer seinem Kugelstutzen und seinem Hirschfänger nannte er nicht viel sein Eigen. Dafür hatte er desto mehr List und Kühnheit.

Als er einst seinem gewohnten Handwerk nachging und sich in einem dichten Dickichte lagern wollte, erschien ihm der Teufel in Gestalt des schwarzen Jägers. Er beredete ihn, sich mit Leib und Seele ihm zu verschreiben. Dafür wolle er ihm versprechen, daß er kein Ziel mehr verfehle. Dem Hias gefiel das letztere außerordentlich. Er willigte ein, doch stellte er die Bedingung, der Teufel könne ihn nur von zwölf Uhr bis ein Uhr nachts in zwanzig Jahren, aber nur am Jahrestage holen. Der Teufel, dem dies recht war, verlangte von Hias die Unterschrift mit dem eigenen Blut und verschwand wieder, als der Wildschütz diese Bedingung erfüllte.

Der Hias war jetzt Herr im Walde. Kein Schütze kam ihm gleich. Der Jäger konnte ihm nichts anhaben, denn dafür hatte Hias gesorgt. Er konnte sich nämlich augenblicklich in einen Baumstrunk verwandeln, da er sich vom Teufel auch dies ausbedungen hatte. So trieb er es volle zwanzig Jahre so arg, daß ihn alle Jäger von nah und fern fürchteten.

Endlich war die Zeit um und der Tag der Höllenfahrt da. Da kam der Hias auf einen Gedanken, den er auch ausführte. Um elf Uhr nachts ging er mit seinem Knecht in den Wald an den vor zwanzig Jahren bezeichneten Ort, nahm ein Stück Kreide und Weihwasser mit. Schnell verwandelte er sich in einen Baumstock. Der Knecht mußte auf den Baumstock mit der Kreide drei Kreuze machen und denselben mit Weihwasser begießen. Als die Mitternachtsstunde schlug, erschien freudig der Teufel, den schon nach der Seele des Hias lüstete. Bis 1 Uhr wütete er vor dem gesegneten Baumstock und mußte endlich wieder allein abziehen, voll Zorn über seine Enttäuschung.


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