Kammerspiele ( Pfostenlöcher, Planierschicht, Straßenkörper, Abfallgrube)#

Allgemeines#

1955 wurden von P. Karnitsch die Gräben XI bis XIV in annähernder N-S Richtung östlich der 1954 angelegten Suchschnitte auf Parzelle 1991 geöffnet. Die Fundstelle liegt unter dem später errichteten Gebäudes der Linzer Kammerspiele auf teilweise gestörtem Boden.

In den östlichen Schnitten wurde im Graben I ein Tonpferdchen gefunden, das allgemein als mittelalterlich anzusehen ist. Beide Spitzgräben zeigen Verfüllungen in schrägen Schichten, die durch Abrutschen des Erdmaterials entstehen. Für den breiteren Graben I scheint gesichert, dass dieser bis in das Mittelalter (als Entwässerungskanal) offen stand. Die Befunde des zweiten, südlichen Spitzgrabens sind in mehreren Fällen im Profil nicht eindeutig geklärt. Pfostenlöcher fanden sich knapp an der Grabenkante und in einem Abstand von 2,4 m, die als Befund eines Wehrgangs gesehen werden. Über der nordöstlichen Ecke des postulierten Kastells wird ein Mauergeviert von 8, 4 m Seitenlänge als spätantik angesehen. Leider sind nicht alle Profile veröffentlicht.

1955 wurde auch in einer Flächengrabung der Bereich westlich der Kammerspiele untersucht. Der gewachsene Boden und die Schichten fielen nach Süden ab. Eine dreischichtige Schotterlage in N-S Richtung wird als Straßenkörper interpretiert, der durch Funde vom Ende des 1. Jh. bis in das 4. Jh. benutzt worden ist. Beidseitig aufgefundene Pfostenlöcher werden vom Ausgräber als Toranlagen gesehen. Weiter südlich lassen sich keine Befunde und wenig Streufunde feststellen, lediglich der Steinbau, der bereits 1954 angeschnitten worden war, wird wieder aufgefunden; vom Ausgräber als Principia des Erdkastells gesehen, datiert das Fundmaterial in zwei Benutzungsphasen, getrennt durch eine lehmige Planierschicht, vom 1. Jh. bis in die mittlere Kaiserzeit. Nordwestlich des Straßenkörpers wird eine Abfallgrube, 2,3 m lang und 1,4 m breit erfasst, die zahlreiches Fundmaterial vom 1. bis 3. Jh. enthält. Hier ist die fundreichste Stelle der sogenannten "Kastellgrabungen".

Beim Aushub für die Gebäude der Kammerspiele wurde vom Gehsteig im Osten das Nordprofil der Baugrube bis 31,5m und bis über 4 m Tiefe dokumentiert. Die Befunde von zwei Spitzgräben und zwei Pfostenlöcher waren mit einer Lehmplanierschicht überdeckt. P. Karnitsch sieht darin die Ostseite des Holz-Erde-Kastells. Weiter östlich befand sich ein Befund einer 1,45 breiten Kastellmauer in N-S Richtung, die 8m verfolgt werden konnte; ein Graben von 10 m Breite schloss sich an. Die nordöstliche Ecke des postulierten Kastells wurde zerstört. Die Schnitte XVI bis XVII zeigen Reste der neuzeitlichen Mauern (Reitschule?), die sich in die Befunde des "spätantiken" Gebäudes und der Mauer vor dem Theater (vom Ausgräber als "Steinkastellmauer" bezeichnet) eingliedern würde.


Allgemeines (Fortsetzung)#

Grabungsjahr: 1955-1956

Grabungsleitung: Bundesdenkmalamt - BDA, Kulturamt der Stadt Linz

Literatur#

  • Fundberichte aus Österreich 7, 1956-60, 120.
  • Pro Austria Romana 8, 1958, 10-11.
  • P. Karnitsch, Die römischen Kastelle von Lentia (Linz). Textband, 1970 (Linzer Archäologische Forschungen, Sonderheft; IV/1), 17-25.
  • Funde: P. Karnitsch, Die römischen Kastelle von Lentia (Linz). Tafelband, 1972 (Linzer Archäologische Forschungen, Sonderheft; IV/2)., 8ff.

Funde#

Kategorie: Keramikgefäße, Terra Sigillata, Münzen, Teile von Tracht und Bekleidung, Waffen / militärische Ausrüstung, Ziegel

Fundobjekte: Keramik, Amphoren; Arretina, südgallische Terra Sigillata, Barbotine- und Applikensigillata, Sigillata aus Rheinzabern (Abfallgrube); Münzen Marc Anton bis Antoninus Pius; Centenionalis des Constantius II (Straße); Fibel Almgren 15; Rippenperlen aus Glasfluß; Hufeisen; Lanzenspitze, Ziegelstempel NUMB.

Aktueller Verwahrort: Oberösterreichische Landesmuseen - Schlossmuseum


Text und Bearbeitung: Eva Kuttner



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