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Befestigte Siedlung Mauer an der Url#

Blick auf das Grabungsareal Nestler gegen Süden
Blick auf das Grabungsareal Nestler gegen Süden
© FRE-Projekt, Eva Kuttner 2007
Blick auf das Grabungsareal Nestler gegen Südwesten
Blick auf das Grabungsareal Nestler gegen Südwesten
© FRE-Projekt, Eva Kuttner 2007

Lage#

Ortschaft: Mauer bei Amstetten

Gemeinde: Amstetten

Katastralgemeinde: Mauer

Kg-Nr: 3023

Denkmäler#

Die Größe der befestigten Siedlung, die vermutlich den Grundriss eines Parallelogramms hatte, lässt sich nicht exakt ermitteln, da der nordwestliche Bereich durch den Fluss Url abgetragen worden ist. Bekannt sind die nach innen springenden Toranlagen im Westen und Osten und die vier in regelmäßigen Abständen gebauten Türme der Südmauer, die 220 m misst und an den Ecken abgerundet ist. Geht man von der Form eines Parallelogramms aus, so betrug der Flächeninhalt ca. 2,5 ha. Mehrer Grundfesten von Gebäuden wurden im Inneren bei der Ausgrabung der Limeskommission 1906-1910 freigelegt.

Zustand: teilweise überbaut, landwirtschaftlich genutzt

Kategorie: Zivile Siedlung

Südliche Umfassungsmauer mit vier Türmen; östliche und westliche Toranlagen; mehrere Gebäude im Inneren, die nicht eindeutig zu interpretieren sind und vermutlich unterschiedlichen Bauphasen angehören.

Stationierte Truppen: Legio I Noricorum, Dux Ursicinus

Ungeklärt. In der Notitia Dignitatum werden für LOCUS FELICIS equites sagittarii erwähnt. Ziegelstempel der Legio I Noricorum und des Dux Ursicinus deuten auf eine rege Bautätigkeit in der Spätantike.

Zeitstellung#

Datierung: 90 AD - 488 AD

Vorgängerbauten; die von Nestler ausgegrabenen Befunde sind der Spätantike zuzuordnen; die Münzen zeigen eine Massierung im 4. Jh.


Zeitstellung (Fortsetzung)#

Phase: Römische Kaiserzeit

Forschungsgeschichte#

Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts war das mächtige Mauerwerk der Umfassungsmauer sichtbar, wie sie J. Schaukegl, Pater im Stift Seitenstetten, beschrieben hat; er ließ einen Grundriss des Lagers "AD MVROS" in einem Kupferstich drucken. Der Linzer Altertumsforscher J. Gaisberger erwähnt in seinem Bericht, dass die noch um 1825 aufgehenden Mauern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen wurden. Die Graben- und Wallanlagen wurden eingeebnet. Das fundträchtige Areal wurde landwirtschaftlich genutzt, in geringer Tiefe ließen sich Fundamente feststellen.

Erst im Zuge der Straßenforschungen der Limeskommission wurde 1906 - 1910 im Lagerinneren eine Ausgrabung von M. Nestler durchgeführt, die zur Freilegung von Gebäuderesten (Mauern, Fundamente, Estrich, Hypokausten, Praefurnium) führte. Der Verlauf der Befestigungsmauer im südlichen Bereich wurde festgestellt.

Aufsehen erregte der 1937 vor der Südmauer getätigte Hortfund, der neben Metallgerät Kultgegenstände eines Dolichenus Heiligtums enthielt und in das 3.Jahrhundert zu datieren ist.

1971 stellte H. Stiglitz im Bereich des Inneren kleine Spitzgräben fest, die zu einer älteren Anlage gehören könnten.

1971: Hauptstraße (Spitzgräben)

1960: Straßenbefund

1937: Hortfund Dolichenusheiligtum

1910: Grabung Limeskommission

1909: Grabung Limeskommission

1908: Grabung Limeskommission

Literatur#

  • J. Gaisberger Archäologische Nachlese Bd. 1, Berichte über das Museum Francisco-Carolinum 24, 1864, 65.
  • M. Nistler, Die Grabungen in Mauer-Öhling, Der römische Limes in Österreich 10, 1909, 117ff.
  • R. Noll, Das Inventar des Dolichenusheiligtums von Mauer an der Url (Noricum). Textteil, Der Römische Limes in Österreich 30, 1980, 9ff.
  • K. Genser, Der österreichische Donaulimes in der Römerzeit. Ein Forschungsbericht, Der römische Limes in Österreich 33, 1986,199ff.
  • R. Noll in: M. Kandler und H. Vetters (Hrsg.), Der römische Limes in Österreich. Ein Führer, Wien 1989, 117ff.


Text und Bearbeitung: Eva Kuttner



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