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Spätantike Befestigungsbauten Tulln#

Römerturm 'Salzturm'
Römerturm "Salzturm"
© FRE-Projekt, Eva Kuttner 2007
Römerturm, ein spätantiker U-Turm
Römerturm, ein spätantiker U-Turm
© FRE-Projekt, Eva Kuttner 2007
Inschrifttafel am Römerturm
Inschrifttafel am Römerturm
© FRE-Projekt, Eva Kuttner 2007
Römerturm, Blick gegen Nordosten
Römerturm, Blick gegen Nordosten
© FRE-Projekt, Boundary Productions 2006

Lage#

Gemeinde: Tulln

Katastralgemeinde: Tulln

Kg-Nr: 20189

Denkmäler#

Spätantike Verstärkungen des Steinkastells wurden in den Fächertürmen an SW- und SO-Ecke ergraben, die um die Mitte des 4. Jh. errichtet wurden. Der Fächerturm in der Hauptschule zeigt eine mittelalterliche Wiederverwendung. Baumaßnahmen nach einer Brandkatastrophe wurden unter dem Grenzgeneral Ursicinus durchgeführt; so wurde die Toreinfahrt der porta principalis vermauert. Der "Salzturm" besteht bis zur Traufe aus antiken Mauern, die trotz Ausbesserungen gut erhalten sind. Dieser U-Turm diente zur Verstärkung als Zwischenturm an der westlichen Kastellmauer. In der Bonvicinistrasse ist ein baugleicher Zwischenturm der südlichen Kastellmauer bekannt (Südturm). Die Hafenanlage, die eine Donauflotte aufnahm, wird im Westen des Kastells vermutet.

Diese Fundstelle steht unter Denkmalschutz.

Kategorie: Kastell
südwestl. Fächerturm, U-Turm an der Westseite (Salzturm); spätantiker Graben

Stationierte Truppen:

Das spätantike Ämterverzeichnis Notitia Dignitatum nennt "lanciarii Comagenis" (Occ. 5, 110, 260), "lancearii Comagenses" (Occ. 7, 59), Reitertruppen "equites promoti Comagenis" (Occ. 34,36) und einen Flottenpräfekten "praefectus classis Arlapensis et Maginensis".

Zeitstellung#

Datierung: 350 AD - 488 AD
Fächertürme um die Mitte des 4. Jh.; Hufeisentürme

Phase: Spätantike


Forschungsgeschichte#

1964 konnten Mauerreste in der Bonvicini-Straße von H. Stiglitz als ein hufeisenförmiger Zwischenturm interpretiert werden. Bei der Restaurierung des "Salzturmes" 1984 an der westlichen Kastellmauer wurde antike Bausubstanz bis zur Traufe festgestellt und in dem Denkmal ein römischer U-Turm erkannt. Weiters wurde an mehreren Stellen ein Fortbestehen der Kastellmauer bis in die Spätantike und eine Neuanlage eines Grabensystems in den Ausgrabungen Ländgasse und Sporthauptschule festgestellt.

2008: Wassergasse 4 (Holzgebäude, verstürzte Wand, Portikus, Kanal, spätantiker Lagergraben)

2007: Wassergasse 4 (zwei Gräben, Planierungsschichten, Bruchsteinmauer)

2000: Donaulände 44 (Kasernenbauten, spätantiker Graben)

1997: ehem. Landeskrankenhaus (früher Graben, Horizonte Kastellinneres)

1994-1995: Ländgasse (Grabensystem, Straße, W-Kastellmauer)

1993-1994: Kerschbaumergasse (Kasernenbauten)

1991: Sporthauptschule (S-Mauer, Grabensysteme)

1989: Hauptschule II (SO-Ecke, Fächerturm)

1987-1988: Donaulände 44, Stiegengasse 7 (Grube, Kasernen, Graben)

1984: Salzturm (spätantiker Hufeisenturm)

1980: NÖ. Landeskrankenhaus (Lehmziegelmauer, Toranlage der Porta principalis dextra, O-Kastellmauer)

1964: Bonvicini-Straße (Hufeisenturm S-Mauer)

Literatur#

  • W. Pietsch, Eine Typologie der Lager- und Kastelltürme am norischen und pannonische Limes, Wien 1993 (unpublizierte Diplomarbeit der Universität Wien), 235 und 242.
  • G. Fleischmann, Das römische Tulln (Comagena), Wien 2003 (Dissertation Universität Wien 2003, 209ff.
  • W. Pietsch, Spätantike Festungstürme in Mautern, in: V. Gassner, St. Groh, S. Jilek, A. Kaltenberger, W. Pietsch, R. Sauer, H. Stiglitz und H. Zabehlicky, Das Kastell Mautern-Favianis, Der Römische Limes in Österreich 39, 2000, 361-380.


Text und Bearbeitung: Eva Kuttner



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