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Die mittlere Kaiserzeit#

Im Zuge der Grenzpolitik unter Kaiser Commodus und seinem Nachfolger Septimius Severus (193–211), der als Statthalter von Oberpannonien von seinen eigenen Truppen in Carnuntum zum neuen Kaiser ausgerufen wurde, baute das römische Heer die meisten seiner Befestigungsanlagen in Stein aus. Die Erfahrungen während der Markomannenkriege dürften auch der Grund für die Erbauung mächtiger Stadtmauern mit Gräben in Wels, Mauer an der Url, Wien und Carnuntum gewesen sein. Septimius Severus bezeugte dem pannonischen Heer seine Dankbarkeit mit zahlreichen Unterstützungen, die eine Zeitspanne großer wirtschaftlicher und kultureller Blüte eingeleitet. Sein Sohn und Nachfolger Caracalla setzte die Ausbauarbeiten fort indem er die Reparatur und den Ausbau des Straßensystems im norisch-pannonischen Grenzgebiet förderte, wie mehrere Meilensteine beweisen.

Obwohl die verheerenden Auswirkungen der Markomannenkriege gezeigt hatten, dass die Organisation der Grenzbefestigungen bei größeren Angriffen auf die Provinz völlig unzureichend war, veränderte sich die Militärarchitektur dieser Zeit, abgesehen von einem dichteren Netz an Bauten bzw. dem Ausbau in Stein kaum. Vielmehr setzte man im Lauf des 3. Jahrhunderts auf eine bereits unter Septimius Severus begonnene Heeresreform, die Veränderungen und Verbesserungen für die Soldaten mit sich brachte.

Sie durften jetzt eine nach römischem Recht gültige Ehe schließen und im Lagerdorf wohnen, wodurch sich eine selbstbewusste Schicht von Heeresangehörigen und Veteranen bildete, die eine wesentlich engere Beziehung zu ihren Garnisonorten aufbaute und ihre organisatorischen Erfahrungen auch in das zivile Leben der Siedlungen einbrachte. Darin liegt vielleicht auch die Erklärung für die in diesen Jahrzehnten besonders in den Legionslagern von Wien und Carnuntum nachweisbaren Auflassungen von Kasernenbauten im Inneren der Lager.

Obwohl das 3. Jahrhundert unter den Soldatenkaisern, im Gegensatz zu den Provinzen Germanien und Raetien eine friedlichere Periode durchlief, lassen Brandschichten und Hortfunde z.B. in Enns (Lauriacum) darauf schließen, dass es auch am Donaulimes zu Barbareneinfällen gekommen ist, die sich allerdings nicht zu einem Flächenbrand ausdehnten. Die nachfolgenden Verhältnisse am Donaulimes lassen sich bisher schwer fassen, doch scheint es Hinweise auf eine zunehmend instabilere Lage zu geben, wodurch sich die Bevölkerung, z.B. in Enns und Carnuntum, zum Teil aus den offenen Siedlungen zurückgezogen hat, da über einzelnen mittelkaiserzeitlichen Stadtvierteln Tote begraben wurden, was nach römischem Recht innerhalb einer bestehenden der Siedlung nicht gestattet war.

Text: Sonja Jilek


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