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Die Spätantike#

Mit dem Beginn der Herrschaft des Kaisers Diokletian im Jahre 284 wurden die bestehenden Provinzen in kleinere Einheiten aufgeteilt, diese zu 12 größeren Verwaltungseinheiten, den sogenannten Diözesen, zusammengefaßt und eine strikte Trennung von militärischer und ziviler Gewalt eingeführt. Der Oberbefehlshaber, der seinen Sitz in Carnuntum hatte, war unter dem Titel dux Pannoniae primae et Norici ripensis für militärische Belange zuständig. Die schon von Gallienus eingeführte Trennung der Truppen in Heeresteile zur Grenzverteidigung, die Limitanei, sowie ein mobiles, schlagkräftiges Einsatzheer, die Comitatenses, wurde beibehalten. Die massiven Reformmaßnahmen betrafen auch die Heeres- und Verwaltungsstrukturen der Donauprovinzen. In der im Alpenvorland eingerichteten Grenzprovinz Noricum ripense wird neben der 2. Italischen Legion in Enns eine neue Legion, die Legio I Noricorum installiert, welche den ostnorischen Limesabschnitt bis an die Grenze zur Provinz Pannonia prima kontrollieren sollte. Teile dieser Legion mit einer Mannschaftsstärke von 1000 Mann bildeten die Besatzung des umgebauten Kastells von Mautern.

Auch eine ganze Reihe weiterer norischer und pannonischer Kastellanlagen wurden in konstantinischer Zeit an die neuen fortifikationstechnischen Gegebenheiten angepasst (Traismauer, Tulln, Zwentendorf, Zeiselmauer, Klosterneuburg). Die Lagermauern wurden massiv verstärkt, die Eck- und die Zwischentürme zu weit vor die Mauern vorkragenden Fächer- bzw. U-förmigen Türmen umgebaut, die eine bessere Bestreichung des unmittelbaren Kastellvorfeldes und damit verbesserte Verteidigungsmöglichkeiten erlauben, die angesichts der real drohenden Gefahr bitter nötig wurden.

Als die Barbareneinfälle nach der Mitte des 4. Jahrhunderts massiv zunahmen, erscheint Kaiser Valentinian 375 persönlich in Carnuntum und leitet den Feldzug gegen die Quaden, wobei der Historiker Ammianus Marcellinus den Ort als verlassen und schmutzig bezeichnet. Für die Zeit Valentinians ist durch eine Reihe von Bauinschriften zu Kastellen und Wachttürmen, sgn. burgi, am raetischen, norischen und pannonischen Limes der letzte umfassende Um- und Ausbau der militärischen Stützpunkte belegt. Bei vielen Kastellanlagen, zum Beispiel in Mautern oder Budapest, ist die Tendenz erkennbar, die Befestigungsanlagen soweit zum Donauufer vorzuziehen, dass ein gesicherter Zugang zum Fluß gegeben war. In diesen Krisenzeiten, in denen die Benützung der Straßen offenbar zum Risikofaktor werden konnte, war vielleicht die Verbindung der Grenzbefestigungen untereinander über den Fluss die sicherere Alternative. Gleichzeitig bildete die Donau aber auch ein verbindendes Element zu den Germanen jenseits des Flusses, die im Laufe des 4. Jahrhunderts nicht nur zu einem wichtigen politischen, sondern wohl auch zu einem wirtschaftlichen Faktor wurden.

Text: Sonja Jilek


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