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Bayern#

Das Gebiet des heutigen Freistaates Bayern umspannte in römischer Zeit Teile von drei Provinzen. Der größte Anteil mit Schwaben, Ober- und Niederbayern sowie Mittelfranken gehörte der Provinz Raetien (RAETIA) mit der Provinzhauptstadt AUGUSTA VINDELICUM/Augsburg an. Nieder- und Oberbayern südöstlich des Inns zählte zum Gebiet der Provinz NORICUM mit dem Verwaltungszentrum VIRUNUM/Zollfeld im heute österreichischen Kärnten. Im unterfränkischen Maingebiet lag ein kleiner Abschnitt des Limes in der Provinz Obergermanien (GERMANIA SUPERIOR) mit der Provinzhauptstadt MOGONTIACUM/Mainz. Weite Teile Nordbayerns lagen allerdings außerhalb des römischen Reiches und waren von germanischen Stämmen besiedelt, deren Verhältnis zu Rom stets wechselvoll blieb.

Das bayerische Voralpenland, in dem die keltischen Stämme der Raeter, Vindeliker, Alaunen uns Ambisonten siedelten, wurde im Rahmen des Alpenfeldzuges des Tiberius und des Drusus im Jahre 15 v.Chr. erobert. Im Gegensatz zu Raetien waren der wohl friedlichen Eroberung Norikums enge Handelsbeziehungen zwischen dem REGNUM NORICUM - einem keltischen Stammesverband zwischen Inn und dem Ostrand der Alpen - und Rom schon seit dem 2.Jh. v. Chr. vorausgegangen. Neben den besiegten raetischen Stammesverbänden werden von den norischen Stämmen nur die Ambisonten auf dem römischen Siegesdenkmal in La Tourbie bei Monte Carlo erwähnt, so dass davon auszugehen ist, dass sich das restliche REGNUM NORICUM widerstandlos in das römische Reich eingliedern ließ.

Wahrscheinlich erst unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) wurden Raetien und Norikum zur Provinz erhoben. Das militärische wie das zivile römische Leben entwickelte sich in beiden Provinzen seit Beginn des 1.Jhs.n.Chr. und erreichte im 2.Jh. n.Chr. seine Blüte, die aber vielerorts durch Zerstörungen im Zuge der unter Kaiser Marc Aurel (161-180 n.Chr.) geführten Markomannenkriege unterbrochen wurde. Meist fand ein schneller Wiederaufbau statt, und die Siedlungen erfuhren in der Folgezeit erneut einen Aufschwung. Im 3. und 4. Jh.n.Chr. führten wiederholte Einfälle germanischer Stämme – vor allem der Alamannen –zum schrittweisen Niedergang der römischen Herrschaft im bayerischen Raum. Für Raetien ist seit Beginn des 4.Jhs.n.Chr. mit einer bedeutenden germanischen Bevölkerungskomponente böhmischer Herkunft zu rechen, die jeweils mit der einheimischen Bevölkerung verschmolz und spätestens im 5. Jh.n.Chr. vor allem in den Militärlagern die Mehrheit der Bevölkerung stellte. In der ersten Hälfte des 5.Jhs. versuchte der römische Heermeister des Westreiches Aetius mehrfach, Raetien und Norikum gegen eindringende Juthungen zu verteidigen. Das nördliche Alpenvorland hatte auch erheblich unter der Herrschaft der Hunnen bis um die Mitte des 5.Jhs. zu leiden. Die Vita des Hl. Severin, der um 460 n.Chr. nach Noricum kam und dort segensreich wirkte, beschreibt die letzten Jahre der römischen Herrschaft im bayerischen Voralpenland. Durch die jahrzehntelangen feindlichen Einfälle waren das ländliche Leben und somit die Versorgung mit Lebensmitteln weitgehend zusammengebrochen sowie die Provinzbevölkerung extremen Hungersnöten ausgeliefert. Die Menschen sammelten sich an vereinzelten befestigten Orten und versuchten von dort aus ihr Überleben zu sichern, waren jedoch auch in den Fluchtburgen nicht vor germanischen Einfällen sicher. Der westliche Teil der Provinz Raetien wurde bereits um die Mitte des 5.Jhs. von den Alamannen besetzt. Im Jahre 488 n.Chr. befahl der Ostgote Odoaker, der den letzten weströmischen Kaiser abgesetzt hatte, die Räumung Norikums und die Rückführung der Bevölkerung nach Italien. Trotz dieser Aufforderung verblieben vor allem um IUVAVUM/Salzburg römische Siedler im nördlichen Alpenvorland. Diese Restromanen hatten wohl erheblich Anteil an der Bildung des neuen Stammes der Bajuwaren.

Andrea Krammer


Quellen:

  • W. Czysz/K. Dietz/T. Fischer/H.-J. Kellner (Hrsg.), Die Römer in Bayern (Stuttgart 1995).
  • T. Fischer, Noricum (Mainz am Rhein 2002)
  • L. Wamser/C. Flügel/B. Ziegaus (Hrsg.), Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Katalog zur Landesaustellung des Freistaates Bayern in Rosenheim 2000 (Mainz am Rhein 2000)


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Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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