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Saaldorf-Surheim#

Die römische Straße von IUVAVUM/Salzburg nach Töging überquerte zwischen Saaldorf und Surheim die Sur, einen kleinen Fluss, der östlich von Traunstein bei Surberg entspringt und nördlich von Surheim bei Triebenbach in die Salzach mündet. Der Name „Sur“ stammt wohl noch aus keltischer Zeit. Im nahe gelegenen Leustetten wurde im Spätsommer 1971 von der Prähistorischen Staatsammlung München unter der Leitung von Hans-Jörg Kellner ein 76 Quadratmeter großes, aus Stein erbautes Gebäude archäologisch untersucht und dokumentiert. Die Raumaufteilung und der Fund eines aus mehreren noch in der ursprünglichen Lage befindlichen Kalksteinplatten gebauten Wasserbeckens legten die einzig mögliche Interpretation des Gebäudes nahe, nämlich dass es sich bei dem Gebäude um das Badegebäude einer villa rustica handelte, deren Typus im nordwest-norischen Raum durchaus verbreitet war. Nach Ausweis der Funde bestand die villa rustica von Leustetten bis in die zweite Hälfte des 3.Jhs.n.Chr. Sie wurde später intentionell abgetragen, das Baumaterial wahrscheinlich in die umliegende Gegend verschleift. Eventuell stammen auch die Steine aus Saaldorf und Surheim ursprünglich von Leustetten oder von Gräberfeldern entlang der Straße von Freilassing nach Laufen.

Andrea Krammer

Karte

Quellen#

  • H.-J. Kellner, Römisches Bad von Leustetten, BVbl 63, 1998, S. 281-292
  • A. Obermayr, Römersteine zwischen Inn und Salzach (Freilassing 1974), S. 81-83



Steindenkmäler#

Bekrönung eines Grabmals in Form einer Ciste
Bekrönung eines Grabmals in Form einer Ciste

Bekrönung eines Grabmals in Form einer Ciste#

Auf einem rechteckigen Sockel steht ein zylindrischer Korb, dessen Flechtwerk mit Rosetten geschmückt und von senkrechten und diagonal sich kreuzenden Stäben verstärkt wird. Mit Deckeln verschlossene Körbe dieser Form wurden Cista mystica genannt und waren Behälter für heilige Gegenstände im Mysterienkult der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Auch bei Prozessionen für andere Gottheiten (z.B. Dionysos, Isis, Kybele) wurden Cisten mitgetragen. Als Bekrönung von Grabstelen kommt die cista mystica als zentrales Motiv zwischen liegenden Löwen vor. Monumentale Cisten mit Sockel bildeten den oberen Abschluss eines Grabbaus bzw. pfeilerförmigen Grabmals. Wahrscheinlich waren es nicht nur Eingeweihte in einen Mysterienkult, die für ihr Grabmal das Motiv der cista mystica wählten. Der heilige Korb war wohl ganz allgemein ein Zeichen der Hoffnung auf Erlösung und Weiterleben nach dem Tode.

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Eckblock von einem Grabbau
Eckblock von einem Grabbau

Eckblock von einem Grabbau#

Auf der rechten Seite des Blockes steht ein Mann in langärmeliger Tunica und einem Mantel, der auf der rechten Schulter mit einer Fibel zusammengehalten wird. Der Stoff des Umhangs ist auf die linke Schulter hinaufgeschoben, so dass beide Arme frei bleiben. In der linken Hand hält der Mann vermutlich eine zusammengeklappte Schreibtafel mit Griff. Er wird eher als Diener denn als Porträt des Grabinhabers zu deuten sein. Schwieriger ist die Bestimmung der Figur auf der links anschließenden Seite des Blockes. Bei dem unbekleideten Mann handelt es sich jedenfalls um eine mythische Gestalt, die aber wegen der unspezifischen Attribute in ihren Händen kaum zu benennen ist. Die rechte Hand hält einen geraden Stab oder ein Schwert, das gebogene stabartige Objekt in der Linken bleibt unklar. Die Undeutlichkeit der Details ist auch dem mangelnden Können des Bildhauers zuzuschreiben, der vor allem mit der Anatomie der Aktfigur Probleme hatte.

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Grabinschrift des Iulius Quietus
Grabinschrift des Iulius Quietus

Grabinschrift des Iulius Quietus#

Die Inschrift stammt von einem Grabbau, den Iulius Quietus zu seinen Lebzeiten für sich selbst, seine Frau Veratia Serotina und den Sohn Veratius Primionis, gestorben mit 30 Jahren, und weitere Nachkommen errichten ließ. Anlass dafür war offenbar der Tod des Veratius Primionis, der den Familiennamen seiner Mutter trägt und daher vermutlich ein Stiefsohn des Iulius Quietus war. Die Schlussformel H M H N S (hoc monumentum heredem non sequetur) betont, dass die Grabstätte nicht auf den Erben des Iulius Quietus übergehen soll.

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Grabmals eines Duumvir#

Die Anfänge der Inschriftzeilen sind wegen der Zurichtung des Grabsteins als Bauquader verloren, daher kennen wir den Namen des Bestatteten nicht - vielleicht hieß er mit Familiennamen Antonius -, die 4. Zeile verrät aber, dass er zum Gemeinderat von Iuvavum gehört hat, vermutlich sogar Bürgermeister (II vir) gewesen ist. Dafür spricht auch die repräsentative Form der Inschrift mit kannelierten Eckpilastern. Auf der Nebenseite ist der für diese Stelle gern gewählte Delphin zu sehen, der Begleiter auf der Reise ins Jenseits.

Sockel und Bekrönung des Grabmals fehlen, dafür haben sich Spuren der Bemalung erhalten.

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Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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