Amerang#

Amerang liegt ca. 8 km westlich von Obing und wurde erstmals um 788 urkundlich erwähnt. Bekannt ist der Ort vor allem für sein Schloss, dessen Ursprünge bis in das 11.Jh. zurückreichen. Sehenswert sind dort vor allem der renaissancezeitliche Arkadenhof und die gotische Schlosskapelle. Im gesamten Gemeindegebiet kamen mehrfach Einzelfunde aus den verschiedensten vor- und frühgeschichtlichen Epochen zu Tage, die von spätneolithischen Werkzeugen über urnenfelderzeitliche Opferfunde bis zu spätrömisch/frühmittelalterlichen Einzelfunden reichen. Auch römerzeitliche Streufunde (Münzen, vereinzelte Scherben etc.) sowie der Grabstein aus dem Gemeindeteil Wald, der allgemein in das 2. Jh. n. Chr. datiert wird, zeugen von einer Besiedlung des Ameranger Gemeindegebietes in römischer Zeit, die wohl mit der ländlichen Besiedlung durch Gutshöfe im näheren Umfeld von BEDAIUM/Seebruck im Zusammenhang stehen dürfte.

Der Ortsteil Evenhausen#

Evenhausen, Gemeindeteil von Amerang, liegt auf einem Moränenzug, an dessen südlichem Fuß die Flur „Achner Feld“ liegt. Im Frühjahr 1989 konnte auf der Höhe des Moränenrückens über dem „Achner Feld“ ein urnenfelderzeitlicher Brandopferplatz lokalisiert werden. Am Fuße des Moränenrückens sprechen Einzelfunde der verschiedensten Materialgattungen (Beschläge aus Bronze, Blei, geschmolzenes Glas, Keramikfragmente) für eine römerzeitliche Besiedlung. Evenhausen liegt direkt an dem mittelalterlichen Fernweg von Bad Reichenhall über Seebruck und Wasserburg nach München, der aufgrund der Fundlage wohl auch eine römerzeitliche Vorgängerstrasse gehabt haben dürfte. Auch die Ache bzw. Murn, die unterhalb des Evenhausener Siedlungsareales vorbeifließt und bei Vogtareuth in den Inn mündet, könnte zur Römerzeit einen wichtigen Verkehrsweg dargestellt haben. Da im Fundmaterial vom „Achner Feld“ unter anderem auch Fehlbrände und Brennhilfen von und für römerzeitliche Keramik gefunden wurden und um Evenhausen zahlreiche Tonvorkommen noch bis in das letzte Jahrhundert hinein genutzt wurden, ist davon auszugehen, dass in der römerzeitlichen Siedlung von Evenhausen auch ein Töpfereibetrieb angesiedelt war, der wahrscheinlich mit der Großtöpferei von PONS AENI/Pfaffenhofen in Verbindung stand. Der heutige Ort Evenhausen hat seinen Ursprung im Frühmittelalter.

Andrea Krammer

Karte

Quellen#

  • F. Steffan, Zwei römische Grabsteine aus der Gegend von Wasserburg am Inn. BayVgBl 38, 1973, 120-123, S. 122
  • F. Steffan, Siedlungskundliche Probleme im nördlichen Chiemgau, BVbl 58, 1993, 325-331;
  • SF. Steffan/H.-P. Uenze, Vor- und Frügeschichte in Stadt und Landkreis Rosenheim II. Kataloge der Archäologischen Staatssammlung München 29 (München 2003), S. 94-98 mit Kat.Nr. 3-19
  • J. Rosenegger, Unsere Heimat zwischen Inn und Salzach (Raubling 2002), 93f.



Steindenkmäler#

Fragment einer Grabinschrift
Fragment einer Grabinschrift

Fragment einer Grabinschrift#

Der bescheidene Grabstein ist leider nur fragmentarisch erhalten. Die ersten lesbaren Buchstaben gehören zum Namen des Bestatteten, in der 2. Zeile steht, dass er mit 50 (?) Jahren gestorben ist. Ein Romanus (?) hat auf Grund des Testaments seines Bruders den Stein machen lassen, der vermutlich an einem Grabhügel oder der Einfriedung einer Familiengrabstätte angebracht war.

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Bruchstück einer Grabinschrift
Bruchstück einer Grabinschrift

Bruchstück einer Grabinschrift#

Oberhalb des Rahmens, der die restliche Inschrift umgab, ist noch das D der Formel DM (Dis Manibus = den Totengöttern) erhalten, die Buchstaben der ersten beiden Zeilen lassen sich nicht sinnvoll ergänzen.

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Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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