Prutting#

Die Gemeinde Prutting, Ldkr. Rosenheim, liegt östlich des Inns auf gleicher Höhe der gegenüberliegenden römischen Siedlung PONS AENI/Pfaffenhofen am Inn. Der heutige Ort wurde im Jahre 924 als „Pruttinga“ schriftlich erwähnt. Die verkehrsgeographisch seit jeher wichtige Lage zeichnet sich auch dadurch aus, dass im Pruttinger Gemeindeteil Dobl Abschnittsbefestigungen sowohl aus der neolithischen wie auch aus frühmittelalterlicher Zeit gefunden wurden. Bis in das 2. Jh. n. Chr. hinein gibt bisher nur ein Innübergang an diesem verkehrsgeographisch wichtigen Ort Zeugnis für römerzeitliche Besiedlung. An dieser Brücke kreuzten sich die Straßen in ost-westlicher Richtung von IUVAVUM/Salzburg nach /AUGUSTA VINDELICUM/Augsburg und in nord-südlicher Richtung von BOIODURUM/Passau nach BRIGANTIUM/Bregenz. Von der Lage an einer Brücke leitet sich auch der römische Ortsname PONS AENI (= Brücke über den Inn) ab. Über die genauen Anfänge dieser Siedlung ist noch nichts bekannt. Im Pruttinger Gemeindeteil Moosen wurde 1995 mit Hilfe von Luftbildern ein römisches Militärlager entdeckt, welches als kurzfristig genutzte Grenzsicherungsbefestigung oberhalb des Innüberganges von Mühltal während der Wirren nach dem Tod Neros (68-69 n.Chr.) interpretiert wurde. Der vicus auf dem Kastenfeld am westlichen Ufer des Inns wurde wohl erst in der zweiten Hälfte des 2.Jhs. n. Chr. gegründet. Gegen Ende des 2.Jhs. n. Chr. gründeten Töpfer aus Westerndorf in Pfaffenhofen einen Zweigbetrieb, mit dem wahrscheinlich der Aufschwung der Siedlung auf dem Kastenfeld zusammenhängt. Es wurden Terra Sigillata, Glanztonware und einfache Haushaltskeramik hergestellt. Die Terra Sigillata-Gefäße wurden bis weit in die östlichen Provinzen hinein verhandelt.

Im Pruttinger Gemeindeteil Mühltal wurden in den Jahren 1978-1980 Gebäudereste archäologisch untersucht, die zu einem römischen Tempel gehörten, der dem orientalischen Gott Mithras geweiht war. Diese Kultstätte wurde von der Mithras-Gemeinde von PONS AENI offenbar ohne größere Umbauten bis in das 5. Jh. n. Chr. hinein genutzt und dann intentionell zerstört. Der strategisch wichtige Innübergang, die Grenzlage zur Nachbarprovinz Raetien, eine epigraphisch gesicherte Zollstation und eine mögliche Benefiziarierstation am Ort machten ab dem letzten Drittel des 2.Jhs. n. Chr. Schutz und Kontrolle durch römisches Militär notwendig. Obwohl die Siedlung von PONS AENI/Pfaffenhofen in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. mehrmals germanischen Überfälle ausgeliefert war, lässt sich ein Fortbestehen des vicus bis in das 4.Jh. n. Chr. nachweisen.

Andrea Krammer

Karte


Quellen:

  • J. Grabsch, Das Mithraeum von Pons Aeni, BVbl. 50, 1985, 355-462.
  • A. Obermayr, Römersteine zwischen Inn und Salzach (Freilassing 1974), 24-32; Fischer 2002, 96-99.
  • F. Steffan/H.-P. Uenze, Vor- und Frügeschichte in Stadt und Landkreis Rosenheim II. Kataloge der Archäologischen Staatssammlung München 29 (München 2003), 202-205, bes. Kat.Nr. 368f. u. 229-231.
  • M. Weber, Militärische Ausrüstungsgegenstände, Pferdegeschirrbestandteile und Fibeln aus dem römischen Vicus Pons Aeni/Pfaffenhofen, Bayer. Vorgeschbl. 72, 2007, 151-233.



Steindenkmäler#

Altar für die Siegesgöttin
Altar für die Siegesgöttin

Altar für die Siegesgöttin#

Den monumentalen Altar bekrönt ein Aufsatz mit Reliefs: auf drei Seiten liegen je zwei Raubkatzen, die Köpfe sehen zu den Ecken hin, die Schwänze sind ineinander geschlungen. Auf der Vorderseite markiert ein Blatt die Mitte. Die vier Kanten des Altarschaftes sind durch kannelierte Pilaster betont, auf denen ein profiliertes Gesims liegt. Die Nebenseiten tragen Waffenreliefs. Links sieht man übereinander liegende Schilde und Speer- und Pfeilspitzen. Darunter steht ein Helm mit Helmbusch und Nackenschutz, hinter diesem Köcher und Bogen. Auf der rechten Seite ist vor gekreuzten Pfeilen und über einem Bogen ein Muskelpanzer mit metallenen Laschen am unteren Rand und einem Schurz aus langen Lederstreifen dargestellt; der angegebene Halsstumpf zeigt, dass hier ein Siegeszeichen, ein sogen. Tropaion, gemeint ist, das aus an einem Pfahl aufgehängten erbeuteten Waffen bestand. Es wurde auf dem Schlachtfeld dort aufgestellt, wo sich der Feind zur Flucht umgewandt hatte.

Die Reliefs passen gut zur Inschrift des Altars, sie sind aber sicher früher entstanden, denn es wurde eine ältere Inschrift getilgt um die jetzige anzubringen:

Geweiht der erhabenen Victoria für das Heil Unserer Herren (die Verdoppelung der Buchstaben DD NN deutet den Plural - dominorum nostrorum - an) Maximinus und Constantinus und Licinius, für immer Kaiser. Der Stifter ist Aurelius Senecio, ein Dux, wie im 4. Jahrhundert die Generäle von Grenzprovinzen bezeichnet wurden; vervollständigt wurde dieser Titel durch die (hier nicht erhaltenen) Abkürzungen VP für vir perfectissimus. Aurelius Senecio hat wegen eines Gelübdes befohlen, den Tempel für das göttliche Wesen (numen) der Siegesgöttin neu zu erbauen. Das wurde durch die Hartnäckigkeit (per instantiam) des Valerius Sambarra unterstützt, des Kommandanten (pp=praepositus) der Dalmatischen Reiter. Deren weiterer Name - Aquesiani - ist sonst unbekannt, sie werden als comitatenses, d.i. eine schnelle Eingreiftruppe, bezeichnet, gehörten also nicht zur ständigen Besatzung in der Provinz.

Nach der Formel L L M (libens laetus merito = gern, freudig, nach Verdienst) wird der Anlass des Gelübdes angegeben: wegen des vollbrachten Sieges an den Kalenden des Juli, als Andronicus und Probus Konsuln waren. Welcher Feind da am 27. Juni 310 besiegt wurde, wissen wir nicht. Es gab damals jedenfalls genug unternehmungslustige Germanenhäuptlinge. Verfasst wurde die Inschrift zwischen 311 und 313. Das geht aus den drei Namen der Kaiser hervor: Der nicht erwähnte vierte Kaiser, Galerius, starb im Mai 311 und der auf dem Altar genannte Maximinus im Jahr 313.

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Votivaltar/Altar für Mithras#

Das Fragment wurde in einem Mithrasheiligtum ausgegraben, also wird der Altar dem orientalischen Lichtgott Mithras geweiht gewesen sein. Von der Inschrift erhalten sind nur der Rest der Weiheformel - vermutlich pro se et suis omnibus votum solvit (für sich und alle Seinen hat das Gelübe eingelöst) - sowie das Datum der Aufstellung des Altars: Idibus Octobribus Albino et Mummio consulibus, d.i. am 15. Oktober 258 unter den Konsuln Albinus und Mummius. Der Stifter war jedenfalls ein eingeweihtes Mitglied des Mithraskultes, an dem nur Männer nach mysteriösen Initiationsriten teilnehmen konnten.

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Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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