Seeon-Seebruck#

Der Ortsteil Seeon Seeon, etwa 5 km nordöstlich von Seebruck gelegen, ist vor allem für sein Benediktinerkloster bekannt. Seeon wird erstmals 924 urkundlich genannt. Im Jahre 994 wurde von Pfalzgraf Aribo das Kloster gegründet, welches sich bald zu einem bedeutsamen Ort der Kunst und Wissenschaft entwickelte. Berühmt ist auch die gotische Seeoner Madonna. Die Säkularisation bedeutete das Ende des Klosters, welches 1804 verkauft wurde. Seit 1987 befindet es sich im Besitz des Bezirks Oberbayern und beherbergt heute ein weithin beliebtes Bildungszentrum. Die Weihesteine aus dem Kloster stammen aller Wahrscheinlichkeit aus dem nahegelegenen BEDAIUM/Seebruck und wurden im Zuge des Klosterbaues nach Seeon verschleppt.

Der Ortsteil Seebruck#

Am Ausfluss der Alz am nördlichsten Punkt des Chiemsees liegt Seebruck, das in römischer Zeit den Namen BEDAIUM trug. Ausschlaggebend für die Gründung und auch die Bedeutung dieses vicus war der Alzübergang auf der Straße von IUVAVUM/Salzburg nach AUGUSTA VINDELICUM/Augsburg. Seebruck gehört zu den wenigen Plätzen in der römischen Provinz Noricum, an dem eine Siedlungskontinuität von keltischer bis in römische Zeit archäologisch nachweisbar ist. Das Siedlungszentrum in keltischer Zeit ist jedoch im 2 km nordöstlich von Seebruck gelegenen Stöffling zu suchen. In römischer Zeit verlagert sich der Siedlungsschwerpunkt nach BEDAIUM, wo zuerst nur auf der westlichen Seite der Alz eine Straßensiedlung entstand. Erst in flavischer Zeit wurde am östlichen Ufer eine Brückenkopfsiedlung errichtet. Archäologisch konnten bisher nur hölzerne und steinerne Streifenhäuser, eine Darre, ein Gewerbebau und eine Schiffsanlegestelle mit Werftbetrieb nachgewiesen werden. Im Ort wurde noch bis weit in das 2.Jh.n.Chr. hinein die lokale Gottheit Bedaius, nach der wahrscheinlich auch der See und der Ort benannt wurden, verehrt. Zwei in der näheren Umgebung von Seebruck gefundene Weihealtäre für diese lokale Gottheit sprechen dafür, dass es in Bedaium ein Bedaius-Heiligtum gab. Außerdem wird im Ort auch eine römische Straßenstation vermutet. Eine Benefiziarierstation für die Spätzeit ist sogar inschriftlich belegt.

Neben dem Transport von Personen und Waren auf der schiffbaren Alz dürfte auch die Fischerei von großer Bedeutung gewesen sein. Die Siedlung erlebte in flavischer Zeit ihre größte Blüte und bestand bis in das 3. Jh. n. Chr. hinein ununterbrochen fort. Nachdem der vicus in der zweiten Hälfte des 3.Jhs. zerstört wurde, errichtete man an dessen Stelle wohl noch im 3. Jh. n. Chr. ein spätantikes Kleinkastell. Die Mauerreste dieser mächtigen Anlage, in der viele Spolien verbaut wurden, haben sich im Bereich der heutigen Dorfkirche gut erhalten.

Östlich der Alz lag das zur Siedlung gehörige Gräberfeld, das vollständig ergraben und publiziert wurde. Auf diesem Friedhof wurde von der ersten Hälfte des 1. Jhs. bis an das Ende des 3.Jhs.n.Chr. bestattet. Ein weiteres vermutetes Gräberfeld auf der Westseite der Alz konnte noch nicht genau lokalisiert werden. Ebenso sind von dem spätantiken Friedhof nur wenige Gräber bekannt.

Andrea Krammer


Quellen:

  • S. Burmeister, Vicus und spätrömische Befestigung von Seebruck-Bedaium. Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte A 76 (Kallmünz 1998).
  • W. Czysz/E. Keller, Bedaium. Seebruck zur Römerzeit (München 1981).
  • W. Czysz/K. Dietz/T. Fischer/H.-J. Kellner (Hrsg.), Die Römer in Bayern (Stuttgart 1995), S. 515f.
  • P. Fasold, Das römisch-norische Gräberfeld von Seebruck-Bedaium. Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte A 64 (Kallmünz 1993).
  • Fischer, Th., Noricum, Mainz am Rhein 2002, S. 100-102.
  • M. Menke, Seebruck – Das römische Bedaium. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 19, Mainz 1971, 42-54.
  • A. Obermayr, Römersteine zwischen Inn und Salzach (Freilassing 1974), S. 46-50 und 101-105.
  • J. Rosenegger, Unsere Heimat zwischen Inn und Salzach (Raubling 2002), 177f.
  • W. Sage, Kloster Seeon. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 19, Mainz 1971, 54-59.
  • R. Wedenig, Epigraphische Quellen zur Städtischen Administration in Noricum. Aus Forschung und Kunst 31 (Wien 1997), 169.



Steindenkmäler#

Grabmal der Amanda
Grabmal der Amanda

Grabmal der Amanda#

Der pfeilerförmige Stein wird von einem hohen schlanken Pyramidenstumpf mit einem Pinienzapfen darauf bekrönt. Letzterer war als Fruchtbarkeitssymbol gleichzeitig Zeichen für ewiges Leben.

Die Seitenflächen des Schaftes zeigen jeweils einen nach unten schwimmenden Delphin, ein beliebtes Motiv auf Grabsteinen, das auf die Reise ins Jenseits, die man sich offenbar als Meerfahrt dachte, anspielt.

Die Inschrift beginnt mit der Formel DM (Dis Manibus = den Totengöttern), dann folgt der Name der Verstorbenen, Amanda, Freigelassene (liberta) des Quintus Tessius, gestorben (obita) mit 50 Jahren. Aufgestellt hat den Grabstein ihr Ehemann (maritus). Der mit LIT abgekürzte Name nach seinem Vornamen Firmus ist wahrscheinlich der Name seiner Mutter, Litugena. Dieser Name kommt auf einem ähnlichen Grabstein, der zusammen mit dem der Amanda gefunden wurde, vor. Firmus, Sohn der Litugena, hat den Stein aus eigenen Mitteln (ex p = ex proprio) für seine teure Gattin und sich selbst machen lassen.

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Grabmal des Maximinus und der Anilio
Grabmal des Maximinus und der Anilio

Grabmal des Maximinus und der Anilio#

Auf dem Schaft steht vorn die gerahmte Inschrift, die Nebenseiten nehmen - wie oft bei diesem Grabsteintypus - Delphine ein, die Begleiter auf der Meerreise ins Jenseits. Der hohe Pyramidenstumpf-Aufsatz ist z.T. weggebochen. Nach der Formel DM (Dis Manibus = den Totengöttern) werden die zwei Personen genannt, die zu ihren Lebzeiten den Stein für sich und ihre Nachkommen (posteris) machen ließen: Maximinus, Sohn des Constans, und Anilio, Tochter der Litugena. Die Abkürzungen für Sohn bzw. Tochter fehlen, der Genetiv der zweiten Namen zeigt das Verwandtschaftverhältnis. Anilio und Litugena sind einheimische Namen. Vermutlich war letztere auch die Mutter des Firmus, der auf einem Grabstein vom selben Fundort nur die abgekürzte Form Lit angibt.

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Zwischenfriesblock eines Grabmals
Zwischenfriesblock eines Grabmals

Zwischenfriesblock eines Grabmals#

Der flache Block ist an den Seitenkanten mit einem umlaufenden Rankenfries verziert. Er gehörte zu einem mehrgeschossigen Grabmal, wo er zwischen Sockel- und Obergeschoss eingefügz war.

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Grabinschrift der Fuscia Secunda#

Fuscia Secunda, Tochter des Proculus, starb mit 30 Jahren. Die Buchstaben H S E sind die in Grabinschriften häufige Abkürzung für die Feststellung hic situs (oder sita) est, d.h. hier liegt er (oder sie). Den Grabstein haben die Erben (heredes) für die züchtige Mutter machen lassen. Ob die Erben die Kinder der Fuscia waren, ist beim jugendlichen Alter der Frau fraglich.

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Altar für Bedaius und die Alounen
Altar für Bedaius und die Alounen

Altar für Bedaius und die Alounen#

Dem erhabenen Bedaius und den Alounen hat der Bürgermeister (II vir) Caius Catius Secundianus im Jahr, als Kaiser Antoninus und Sacerdos Konsuln waren, den Altar geweiht.

Der Altar stand sicher ursprünglich in Seebruck, der römischen Straßenstation Bedaium, wo der einheimische Gott Bedaius sein Heiligtum hatte. Ihm pflegten die Bürgermeister von Iuvavum jeweils einen Votivaltar zu stiften. Auf einigen dieser Altäre werden neben Bedaius die Alounen oder Alonen genannt, die wohl Göttinnen des norischen Stammes der Alaunen waren. Datiert ist der Altar durch Angabe der Konsuln auf das Jahr 219, in dem der regierende Kaiser Elagabal einer der beiden Konsuln war. Eigentlich müsste sein Name ausgemeißelt sein, weil er nach seiner Ermordung der damnatio memoriae verfallen war; im 3. Jahrhundert werden die Putztrupps mit der Säuberung der Geschichte manchmal nicht mehr nachgekommen sein und haben dabei auch diese Inschrift übersehen.

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Votivaltar für Jupiter und alle Gottheiten#

In der ersten Inschriftzeile stehen nach den Abkürzungen IOM für Iovi Optimo Maximo die Buchstaben D D, die zu Dis Deabus (den Göttern und Göttinnen) ergänzt werden können. Gestiftet haben den Altar Caius Restitutus Restitutianus, Centurio einer Legion, und seine Ehefrau Julia Honorata. Sie haben ihr Gelübde gern, freudig und nach Verdienst erfüllt (votum solverunt libentes laeti merito). Zu welcher Legion der Mann gehört hat, wird nicht angegeben, wahrscheinlich war es die Legio II Italica in Enns.

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Grabinschrift für zwei einheimische Männer#

Genannt werden nur Namen und Alter der beiden Verstorbenen: Rifus, Sohn des Dagodnadus, 20 Jahre, ...illus, Sohn des Con..tlius, 90 Jahre. Die Buchstaben in der letzten Zeile gehören zur Formel H M N S H (hoc monumentum non sequetur heredem), d. h., dass die Grabstelle nicht Teil des Erbes werden soll.

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Relief eines Grabbaus
Relief eines Grabbaus

Relief eines Grabbaus#

Quader mit Palmettenfries, vermutlich von einem Grabbau.

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Statuette des Mercur
Statuette des Mercur

Statuette des Mercur#

Die bis auf den über der linken Schulter hängenden Mantel nackte männliche Figur wird durch ihr Attribut, den im linken Arm gehaltenen Heroldsstab (caduceus) als Gott Mercur gekennzeichnet. Mercur war für Handel und Geldgeschäfte zuständig, daher hält er gewöhnlich in der Rechten einen vollen Geldbeutel. Gleichzeitig war er der Bote und Herold des Jupiter; als solcher trägt er den Heroldsstab mit zwei verknoteten Schlangen an der Spitze und Flügelkappe und -schuhe zum Zeichen seiner Schnelligkeit.

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Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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