Mondsee#

Mondsee lag aneiner Nebenstraße, die in Richtung Westen nach Thalgau und in Richtung Osten nach St. Georgen im Attergau führte und schließlich in die Reichsstraße Iuvavum (Salzburg) – Ovilavis (Wels) mündete. Im Bereich des ehemaligen Klosters befand sich ein am Ende des 1. Jhs. n. Chr. errichteter römischer Gutshof, dessen Hauptgebäude mit einer Säulenhalle und vorspringenden Flügeln ausgestattet war. Weitere Baureste sind einem Badegebäude und verschiedenen Wirtschaftsgebäuden zuzuordnen. In der Stiftskirche von Mondsee sind mehrere römische Grabsteine eingemauert, deren genauer Fundort nicht bekannt ist. Einer gehört einem ehemaligen Bürgermeister (duovir) von Iuvavum. Bei späteren Grabungen kam in der Petruskapelle ein weiterer Grabstein zutage.

Peter Danner

Karte

Quellen#

  • Winkler, G., Die Römer in Oberösterreich, Linz 1975.
  • Traxler, St., Römische Guts- und Bauernhöfe in Oberösterreich, Passauer Universitätsschriften zur Archäologie 9, Rahden/Westf. 2004



Steindenkmäler#

Grabmal des Serenus
Grabmal des Serenus

Grabmal des Serenus#

Aus einer von 2 Bögen gerahmten Nische oberhalb der Schrifttafel schaut uns ein Ehepaar an. Sie trägt die norische Tracht : Haube, 2 große Fibeln, die das Obergewand zusammenhalten, Halsreif mit Anhänger in Form einer Mondsichel (Lunula), Umhang über beiden Schultern. Das linke Handgelenk schmückt ein Armband, die Rechte hält eine Frucht. Er hat einen Vollbart und trägt den auf der rechten Schulter mit einer Scheibenfibel geschlossenen Soldatenmantel (sagum). Der rechte Zeigefinger weist auf die Rolle in der linken Hand.

Die Inschrift nennt die Namen der beiden, Praesentina und Serenus, Sohn des Clario. Letzterer hat den Grabstein für seine beste Gattin, gestorben mit 53 Jahren, und seinen Vater, gestorben mit 62 Jahren, sowie sich selbst machen lassen. Die erste Zeile wird auch Serenus Cl(audii) Arionis, d.h. Serenus, Sklave des Claudius Ario, gelesen. Dann bliebe der erwähnte Vater aber namenlos; auch die Darstellung der Ehefrau als Norikerin passt nicht zu einer Sklavenfamilie.

--> Mehr Informationen


Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis
Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis

Grabinschrift des Lucius Cotinius Martialis#

Zu seinen Lebzeiten hat Lucius Cotinius Martialis, Sohn des Lucius, Gemeinderat (decurio) von Iuvavum und für die Rechtsprechung zuständiger Beamter (duumvir iure dicundo), das Grabmal für sich und seine Ehefrau Peccia Latina errichten lassen.

Auffällig ist der Familienname des Mannes. Die keltischen Cotini, die im Nordosten außerhalb des römischen Reiches lebten, werden 171 n. Chr. als Verbündete der Römer im Markomannenkrieg erwähnt und später in der Provinz Pannonien angesiedelt. Wenn die Familie des Beamten aus Iuvavum tatsächlich nach ihrer ursprünglichen Herkunft benannt ist, muss es eine aristokratische Familie aus dem Stamm der Cotini gewesen sein, die sich in die Oberschicht einer römischen Stadt integriert hat.

--> Mehr Informationen


Grabstele des Novellus Optatus
Grabstele des Novellus Optatus

Grabstele des Novellus Optatus#

Das sehr schlecht erhaltene Relief oberhalb der Inschrift zeigte wahrscheinlich 3 Porträtbüsten. Die Inschrift nennt mindesten 4 Personen: zuerst das Ehepaar Novellius Optatus und Iulia Secundina, er mit 60, sie mit 40 Jahren gestorben. Sie waren die Eltern des Errichters der Grabstele, dessen Name am Ende der Inschrift weggebrochen ist. Nun folgt Onkel (avunculus) Secundinus, Sohn des Secundus, gestorben mit 60 Jahren. Seinem Namen nach war er ein Bruder der Iulia Secundina. Ob der zuletzt genannte Secundus beider Vater war, bleibt wegen der fehlenden weiteren Zeilen ungewiss. Die Inschrift ist nicht besonders sorgfältig ausgeführt, auch die Grammatik wird leichthin gehandhabt. So steht Novellius Optatus fälschlich im Genetiv, die übrigen Personen im Dativ, der ausdrückt, dass der Grabstein für sie gemacht worden ist.

--> Mehr Informationen


Bruchstück einer Grabinschrift
Bruchstück einer Grabinschrift

Bruchstück einer Grabinschrift#

Lesbar sind teilweise noch die Namen von 3 Männern (...us Ursulus und C...onius Celsinus) sowie am Ende des Bruchstücks ein Maximianus. Der Nominativ der Männernamen lässt vermuten, dass sie noch zu Lebzeiten den Stein anfertigen ließen. Die einzige genannte Frau, Veterania, die als lebende Ehefrau bezeichnet wird, steht im Dativ, für sie war anscheinend das Grab vorgesehen.

--> Mehr Informationen


Bruchstück der Grabinschrift des Spectatus
Bruchstück der Grabinschrift des Spectatus

Bruchstück der Grabinschrift des Spectatus#

Spectatus, dessen Familienname nicht erhalten ist, war bei seinem Tod Veteran der 10. Prätorianer-Kohorte, d.h. er hatte in der kaiserlichen Leibgarde gedient. Titia Exorata, vermutlich seine Ehefrau, hat nach einer testamentarischen Verfügung das Grabmal errichten lassen. Das erhaltene Bruchstück ist der Rest einer großen Schrifttafel, die zu einem Grabbau gehört hat.

--> Mehr Informationen


Deckel einer Aschenkiste
Deckel einer Aschenkiste

Deckel einer Aschenkiste#

Die Aschenkiste, zu der der Deckel gehörte, war für die Urnen einer Großfamilie bestimmt. Auf einer Längsseite ist dem dachförmigen Deckel ein rundbogiges Bildfeld vorgesetzt, in dem Brustbilder von 5 Personen erkennbar sind. Die Köpfe sind zerstört, von der Figur ganz rechts ist nur ein kleiner Rest erhalten. Alle halten mit verkümmerten Ärmchen Gegenstände vor der Brust.

Auf der linken Schmalseite ist eine Nische eingetieft mit den Brustbildern eines Ehepaares mit Sohn. Das hier besser erhaltene Relief zeigt, wie wir uns die Porträts auf der Längsseite vorstellen dürfen. Der Steinmetz hat im Stil von Kinderzeichnungen seine Figuren auf ihre wesentlichen Elemente reduziert.

--> Mehr Informationen


Relief von einem Grabbau
Relief von einem Grabbau

Relief von einem Grabbau#

Links ist der Ansatz eines gerahmten Feldes sichtbar, das vermutlich die Grabinschrift enthielt. Rechts schließt ein schmales Bildfeld an, das 2 geflügelte Knaben bei der Weinernte zeigt. Unten ist noch der Hals einer zweihenkeligen Vase erhalten, aus der eine Weinrebe wächst. In deren Windungen schweben die beiden Eroten; der untere stemmt mit der Rechten einen Behälter in die Höhe, der obere trägt einen Henkelkorb. Die Flügelknaben bei der Weinlese verkörpern in der Verbindung der Sphären von Liebesgöttin und Weingott die erhofften Freuden des Jenseits.

--> Mehr Informationen



Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
Gefördert von der Europäischen Union mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung EFRE (INTERREG) | EuRegio Salzburg · Berchtesgadener Land · Traunstein | Salzburg Museum | OÖ Landesmuseen
www.iuvavum.org