Wals-Siezenheim#

Die Straße von Iuvavum nach Westen (Augusta Vindelicum/Augsburg) verlief ab Maxglan entlang der heutigen Kleßheimer Allee, wo sie in ihrem letzten Abschnitt diesseits der Saalach das Gemeindegebiet von Wals-Siezenheim durchquerte.

Mehrere römische Gräber in Wals-Siezenheim, darunter ein Körpergrab der 2. Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. im Schloßpark von Kleßheim, lassen auf Siedlungen schließen. Die bedeutendste Ansiedlung ist der römische Gutshof von Loig, der zu den größten Anlagen nördlich der Alpen zählt. Das Hauptgebäude war in der letzten Bauphase 250 m lang. Der Gutshof, dessen erste Phase noch in die 1. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. datiert wird, umfaßte darüber hinaus einen großen Kornspeicher, Lagerräume, Stallungen, Werkstätten, ein Badegebäude und einen kleinen Tempelbezirk.

Peter Danner

Karte

Quellen#

  • Die römische Villa Loig bei Salzburg. Ergebnisse der Grabungen 1979-81 sowie Forschungen zu den Mosaikfunden von 1815. Mit Beiträgen von E.-M. Feldinger, N. Heger, K. Herold, W. Jobst, F. Moosleitner und G. E. Thüry, Salzburger Museum Carolino Augusteum. Jahresschrift 27/28, 1981/82, 1-108.
  • Moosleitner, F., Die Römer im Flachgau, in: Archäologie beiderseits der Salzach. Bodenfunde aus dem Flachgau und Rupertiwinkel, Salzburg 1996, 75-92.



Steindenkmäler#

Reliefblock von einem Grabbau
Reliefblock von einem Grabbau

Reliefblock von einem Grabbau#

Die mit gekreuzten Beinen stehende männliche Gestalt ist orientalisch gekleidet. Typisch dafür sind die Kopfbedeckung mit nach vorn fallender Spitze, die sogen. phrygische Mütze, und das langärmelige Kleid, unter dem lange Hosen getragen werden. Diese Tracht kennzeichnet auf Grabreliefs Attis, den Geliebten der kleinasiatischen Göttin Kybele. Seine Pose mit gekreuzten Füßen und auf die Hand gestütztem Kopf drückt die Trauer über seinen Fehltritt aus: da er das der Kybele gegebene Keuschheitsgelübde gebrochen hatte, schlug sie ihn mit Wahnsinn, so dass er sich selbst entmannte. In seinem Kult wurde er als Vegetationsgott gefeiert, der jährlich stirbt und wiederaufersteht. So wurde seine Gestalt auf Grabsteinen zum Sinnbild menschlicher Hoffnungen. In der Sepulkralkunst tritt die Attisfigur gewöhnlich paarweise auf, meist zu beiden Seiten der Inschrift; daran ist zu sehen, dass nicht die mythische Person dargestellt ist, sondern das Symbol für ein aus dem Sterben erwachsendes neues Leben.

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Relieffragment mit Pferd
Relieffragment mit Pferd

Relieffragment mit Pferd#

Die spärlichen, rundum abgebrochenen Reliefreste lassen Hinterbeine und einen Teil des Rumpfes eines nach rechts hin gehenden Pferdes erkennen. Unter dem Tier ist durch einen Strauch angedeutet, dass die Szene in der freien Natur spielt. Vermutlich war ein Reiter auf der Jagd dargestellt, Das Relief muss beachtliche Ausmaße gehabt haben und von einem monumentalen Grabmal stammen, auf dem ein vornehmer Bürger von Iuvavum bei standesgemäßen Aktivitäten gezeigt wurde.

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Grabaltar des Pacilius Privatus und seiner Familie
Grabaltar des Pacilius Privatus und seiner Familie

Grabaltar des Pacilius Privatus und seiner Familie#

Der altarförmige Grabstein hat ein vertieftes Schriftfeld mit profiliertem Rahmen, unten einen profilierten Sockel, oben ein vorspringendes Gesims. Der obere Abschluss ist verbrochen, man erkennt noch zwei Viertelkreisfelder an den Ecken mit den Buchstaben D und M (Dis Manibus = den Totengöttern). In der Inschrift sagen Pacilius Privatus, seine Ehefrau Ursa, Tochter des Ursulus, und beider Tochter Ianuaria, dass sie den Grabstein zu ihren Lebzeiten anfertigen ließen. Auf dem Sockel ist eine ascia, eine gebogene Axt mit kurzem Stiel, eingeritzt. Dieses Zeichen, das im Umkreis von Salzburg auch auf Aschenkistendeckeln vorkommt, bedeutet, dass die Grabstätte unfertig zugelassen wurde und ihre spätere Veränderung ohne Erlaubnis der für Begräbnisriten zuständigen Priester möglich war.

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Fragment eines Altars
Fragment eines Altars

Fragment eines Altars#

Unten ist die obere Hälfte eines gerahmten leeren Feldes erhalten. Da keine Inschriftspuren sichtbar sind sind, dürfte es die Seitenfläche eines Altars sein. Nach oben zu folgt ein breiter, grob abgemeißelter Streifen. Hier wurde offenbar ein störend vorkragendes Gesims beseitigt. Den oberen Abschluss bildet ein Aufsatz mit einem schmalen Bildfeld. Das nur zur Hälfte sichtbare bärtige Gesicht gehört zu einem Eckakroter, die andere Gesichtshälfte befand sich auf der rechts anschließenden Vorderseite des Altars. Der andere Eckakroter scheint ohne Relief gewesen zu sein.

Zwischen den Akroteren erkennt man eine stark gebogene Axt (ascia) mit breiter Tülle, durch die der Stiel gesteckt ist. Dieses Relief ist nicht mit den flüchtigen Umrisszeichnungen der ascia gleich zu setzen, die aussagten, dass an einem Grab noch gearbeitet wurde. Falls es sich bei dem Fragment um den Rest eines Grabmals handelt, bezieht sich die Darstellung des Werkzeugs eher auf den Beruf des Bestatteten.

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Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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