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Die Grenzen des Territoriums von Iuvavum#

Über den genauen Verlauf der Grenze gibt es unterschiedliche Auffassungen, die sich wegen des weitgehenden Fehlens einer schriftlichen Überlieferung vor allem auf epigraphische und archäologische Zeugnisse berufen.

Die Grenze zur Provinz Raetia bildete dem römischen Historiker Tacitus (um 55 – nach 115 n. Chr.) zufolge der Inn. Aufgrund der Inschriften, die auf Landbesitzer aus Iuvavum hinweisen und aufgrund der Beziehungen der archäologischen Funde zwischen Pons Aeni (Pfaffenhofen) und Pocking zu jenen aus Noricum wurde angenommen, daß das Territorium von Iuvavum auch einige Abschnitte am Westufer des Inns umfaßte. Die Siedlungskonzentrationen im sonst sehr dünn besiedelten Gebiet westlich des Inns stellen Fortsetzungen der norischen Besiedlung dar. Vielleicht war die von Pons Aeni entlang des linken Innufers nach Norden verlaufende Straße die Grenze. Südlich von Pons Aeni bildete vielleicht die Wasserscheide zwischen den Flüssen Ziller und Salzach die Grenze.

Im Süden verlief die Grenze zum Territorium von Aguntum vermutlich entlang des Kammes der Hohen Tauern. Im Südosten folgte die Grenze zum Territorium von Teurnia der heutigen Grenze zwischen dem Pongau und Lungau entlang der Radstädter Tauern.

Über die Ostgrenze des Territoriums von Iuvavum gibt es unterschiedliche Ansichten, weil die Gebiete durch die Landschaftsformen nicht auf eindeutige Weise getrennt sind. Geza Alföldi schlug aufgrund der Interpretation von Inschriften aus Pocking am linken Innufer südwestlich von Schärding einen etwa geraden Grenzverlauf zwischen den Territorien von Iuvavum und Olivavis von Schärding im Norden bis Bad Ischl im Süden vor. Die Grenze verlief seiner Ansicht nach zwischen den Tälern der Pram und des Antiesenbaches, überquerte den Hausruck und folgte dem Gebirge zwischen dem Atter- und Traunsee bis Bad Ischl, wo er die Nordwestecke des von ihm angenommenen patrimonium vermutete.

Die Grenze zwischen Iuvavum und dem patimonium verlief nach Alföldi dann weiter nach Süden, schließlich westlich der Enns und stieß erst westlich des Radstädter Tauernpasses auf das Territorium von Teurnia.

Annemarie Bernecker nahm aufgrund ihrer Interpretation der „Geographie“ des aus Alexandria stammenden Astronomen und Geographen Ptolemaeus (2. Jh. n. Chr.) an, daß die Grenze zwischen Raetia und Noricum entlang des 34. Meridians von der Innmündung bei Passau bis zur oberen Enns verlief. Das würde bedeuten daß das Gebiet von Iuvavum zur Provinz Raetia gehört. Der Verlauf dieser Grenze entspricht etwa der Ostgrenze des Territoriums von Iuvavum nach Alföldi.

Gilbert Trathnigg, der sich auch auf die neuzeitlichen Verkehrs- und Wirtschaftsverbindungen berief, ging von einem Verlauf der Grenze weiter im Westen aus. Ihm zufolge verlief die Grenze von der Einmündung der Salzach westlich von Braunau nach Südosten, bis sie bei Munderfing den Kamm des Kobernaußerwaldes erreichte, dann nach Osten bis Redlham zwischen Vöcklabruck und Schwanenstadt. Dort bog sie nach Süden und folgte ab dem Bereich zwischen Wolfgangsee und Bad Ischl dem Verlauf der heutigen Landesgrenze zwischen Salzburg und Oberösterreich bis zum Krippenstein, setzte sich nach Süden fort bis Hieflau, wo die Enns die Grenze zum Territorium von Teurnia bildete. Die Grenze zwischen den Territorium von Iuvavum und Teurnia folgte dann der heutigen Landesgrenze zwischen Salzburg und der Steiermark und dann Grenze zwischen Pongau und Lungau und weiter nach Westen der Südgrenze des Bundeslandes Salzburg.

Peter Danner


Literatur:

  • Ulbert 1971, 101-123; Heger 1973, 22-23; Alföldi 1974, 58-59. 97-101; Trathnigg 1984/85, 22. 45-46; Bernecker 1989, 30. 375-376; Fischer 2002, 20-21.




Mit freundliche Genehmigung der Universität Salzburg, Fachbereich für Geographie und Geologie (CHC), Dr. Christian Uhlir.
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