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Autismus#

von Dario Mayer; BRG Körösi, 6c; Betreuung: Rauscher; 83 Punkte;

Was ist Autismus?#

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Urheber: UN, aus Wikimedia Commons verwendbar gemäß CC-Lizenz

Autismus wird als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung des Gehirnes beschrieben, bei der unterschiedlichste Symptome auftreten. Es ist eine unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns die sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Die Auswirkungen dieser Symptome sind sehr verschieden.

Die Merkmale des Autismus sind häufig Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion, Schwierigkeiten bei Emotionserkennung, Defizite bei der Handlungsplanung, Detailorientierung, Kontexterfassung und bei zeitlicher Strukturierung und Schwierigkeiten Sinn und Bedeutung zu erfassen. Auch Sprachentwicklungsstörungen sind zu erkennen.

Das Verhalten, die Interessen und Aktivitäten sind eher eingeschränkt und gleichförmig wiederkehrend.

Autismus ist auch eine Störung der Wahrnehmungsverarbeitung. Autistische Menschen haben Probleme im Wahrnehmungsbereich, sie können sehen, hören, tasten, riechen, schmecken wie alle anderen Menschen auch, sie können diese Wahrnehmungen aber kaum zu einem Gesamtbild verarbeiten. In der modernen Psychologie nennt man die Fähigkeit, einzelne Wahrnehmungselemente in einen Gesamtzusammenhang einzubeziehen zentrale Kohärenz. Dies ist bei Menschen mit Autismus-Störungen mäßig bis stark beeinträchtigt. Dafür haben Autisten meistens überdurchschnittliche, außergewöhnliche Fähigkeiten in den Bereichen Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz. So stellt die Firma SAP Menschen mit Autismus wegen ihrer besonderen Fähigkeiten als Softwaretester und Programmierer an. SAP teilte am 21. Mai 2013 mit, dass bis 2020 weltweit rund ein Prozent der 65.000 MitarbeiterInnen von SAP Menschen mit Autistismus sein werden.

Folgende diagnostischen Kriterien spiegeln den Autismus in seiner „klassischen Form“ wider:

  • eine Unfähigkeit, Beziehungen aufzubauen
  • Verzögerung in der Entwicklung der Sprache
  • nicht-kommunikativer Gebrauch der gesprochenen Sprache
  • verzögerte Echolalie
  • Vertausch von Pronomen
  • ständig wiederholtes und stereotypes Spiel
  • Widerstand gegenüber Veränderungen
  • gutes Tatsachengedächtnis
  • normale körperliche Entwicklung

Die genauen Ursachen für das Krankheitsbild Autismus konnten bis heute noch nicht gefunden werden. Probleme während der Schwangerschaft (z.B. durch Infektionen wie Röteln), aber auch Geburtskomplikationen könnten zu einem autistischen Syndrom führen. Auch Infektionen in frühester Kindheit, die das zentrale Nervensystem betreffen, stellen eine weitere Möglichkeit dar. Bei etwa 10% der bisher untersuchten Autismusfälle konnte auch eine genetische Störung wie z.B. eine X-Chromosomen-Anomalie nachgewiesen werden.

Welche Arten von Autismus gibt es?#

Frühkindlicher Autismus:#

Frühkindlicher Autismus oder auch Kanner Syndrom genannt wird in den ersten 3 Lebensjahren des Kindes diagnostiziert. Er wurde erstmals von Leo Kanner, einem Kinderpsychiater aus Boston, im Jahre 1943 beschrieben. Es kann eine Störung der Kommunikation, der Interaktion mit anderen Mitmenschen und des Verhaltens festgestellt werden. Von 10 000 Neugeborenen sind zwischen 4-10 Kinder von einer autistischen Störung betroffen.

Der frühkindliche Autismus beeinträchtigt das Leben der betroffenen Kinder erheblich und erschwert die Möglichkeiten ein selbstständiges Leben zu führen, da es ihnen, wegen ihren Kommunikationsschwierigkeiten, schwer fällt sich in ein soziales Umfeld zu integrieren.

Da der Autismus als Krankheitsbild mehrere Ausprägungen hat, ist jeder Fall individuell und einzigartig. Oft wird eine mildere Form der autistischen Störung erst sehr spät diagnostiziert und viele Kinder erleben im Umgang mit Gleichaltrigen ihre Andersartigkeit als sehr negativ, da der Mangel an sozialen Fähigkeiten ein typisches Charakteristikum dieser Störung ist. Dafür schneiden dieser in visuellen-räumlichen Fertigkeiten oder bei Gedächtnisaufgaben gut ab. In der Regel sind die motorischen Fertigkeiten gut ausgeprägt.

Asperger Syndrom:#

Es ist nach dem österreichischen Kinderarzt und Heilpädagogen Hans Asperger benannt. Eine seiner bekanntesten Patientinnen, die sich als Kind auf der Asperger Station befunden haben soll, war die spätere Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Hans Asperger soll fast immer anwesend gewesen sein und den Kindern vorgelesen haben.

Die Kernmerkmale des Asperger-Syndroms werden nach dem IDC-10 der Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme und der DSM-IV des Diagnostischen und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen beinahe gleich beschrieben.

"Diese Kinder ziehen sich nicht nur in sich selbst zurück, sondern zeichnen sich auch durch frühes Sprechen, gute Grammatik, eingeschränktes repetitives Spiel, wenig Beziehung zu Gleichaltrigen und einem Bedürfnis nach Routine und Gleichförmigkeit, aus"

Ihre Stärken liegen in den Bereichen Wahrnehmung, Selbstbeobachtung, Aufmerksamkeit oder bei bestimmten Gedächtnisleistung. Autisten mit Asperger-Syndrom lernen die gesprochene Sprache oft sehr schnell und ihre Ausdrucksweise kann die eines Erwachsenen sein. Manches Mal können die Menschen mit diesen Störungen ihre Lautstärke und ihre Sprechgeschwindigkeit nicht anpassen und reden dadurch unflüssig. Die Ursachen werden durch neuropsychologische Ausfälle erklärt. Hierbei handelt es sich um Ausfälle in der Feinmotorik, Grobmotorik, in der visuellen Raumwahrnehmung und im visuellen Gedächtnis.

Hochfunktionaler Autismus (High-Functioning-Autismus):#

Über diesen Begriff „High-Functioning-Autismus“ (HFA) gibt es keinen klaren Konsens. Oft werden damit Menschen mit der Diagnose eines „frühkindlichen Autismus“ bezeichnet, aber häufig wird der Begriff auch als Oberbegriff für alle Autisten (Frühkindliche und Asperger-Autisten) verwendet, die mindestens durchschnittlich begabt sind.

Recherche zum Thema Autismus#



  • Quelle 3: Comer, Ronald J.: Klinische Psychologie. 2 deutsche Aufl; Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin 2001.

  • Quelle 4: Bölte ,Sven: Autismus, Spektrum, Ursachen, Diagnostik, Interventionen, Perspektiven. 1. Auflage, Huber, Frankfurt/Main 2009. S. 38f.