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Parkhotel Graz - 435 Jahre Grazer Hoteltradition#

Die Anfänge#

Die Geschichte des Parkhotels Leonhardstrasse 8, Graz reicht 435 Jahren zurück und beginnt mit einem kleinen Gasthaus an einer der Einfahrstraßen nach Graz. "Der Vorläufer des heutigen Parkhotels wird bereits am Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt. Im 18. Jahrhundert ist von einem „Frauenbildlwirt“ (genannt nach einem Bildstock) die Rede."[1]

Goldene Birn - Parkhotel
Hotel Goldene Birn
Inserat Hotel Goldene Birn, 1878

Hotel „zur goldenen Birn“#

Einfahrt in die Goldenen Birn
Einfahrt in die Goldenen Birn von der Maiffredygasse her, vor 1867

"1798 wird dem bürgerlichen Gastwirt geb. Johann Heibaum und seiner Frau ein Schirmbrief über den Betrieb dieses Gasthofes ausgestellt, das nunmehr den Namen „Goldene Birne“ führte. 1823 wird bemerkt, dass Hiebaum eine angesehen „Einkehr für ungarische Fuhrleute“ (die „Goldene Birne“ lag an der Straße nach Ungarn) „und zugleich ein Gasthaus für honette Personen führte“ aber auch als Landbotengasthaus bekannt war. Das Gebäude hatte nur ein Stockwerk, aber große Stallungen. Hiebaums Erben ließen die Gült freiwillig versteigern. Sie kam an Carl Stelzer, der eine neue Schmiede-Esse für die Pferde der ungarischen Fuhrleute errichtete."[2]

Ära Withalm#

"1865 ging die Realität an Andreas und Anna Withalm (aus der bekannten Grazer Baumeisterfamilie) über. Withalm, der den Betrieb von Pächtern führen ließ, begann mit dem Um- und Neubau der „Goldenen Birn“ zum ersten modernen Hotel-Neubau in Graz. In den folgenden Jahren herrschte reger Baubetrieb. Am 30. Dezember 1871 eröffneten die neuen Pächter Franz und Amalie Mondschein das neue Hotel „Goldene Birne“ mit einem Speiselokal im 1. Stock; im Sommer 1873 kamen Josef und Theresia Hütter als neue Pächter. Unter ihnen wurden insbesondere die Gasträume im Erdgeschoß zur Maiffredygasse hin vergrößert. 1902 folgte ihnen Franz Zimmerer, dessen große Ausbauprojekte 1907 scheiterten. Die neue Konzession erhielt Dr. Robert Withalm, doch gingen die Geschäfte immer schlechter und es kam schließlich zur Zwangsversteigerung."[3]

Hotel zur goldenen Birn
Hotel zur goldenen Birn, heute Das Parkhotel Graz, Aufnahme ca. 1900

Familie Florian#

Im Sommer 1933 übernahmen August und Maria Florian als neue Besitzer den Betrieb. August Florian war Bäcker und wollte ursprünglich das Hotel nicht umbauen. Doch dann kam man auf die Idee, die hausgemachten Mehlspeisen in einem eigenen Kaffeehaus zu verkaufen. Daraus wurde aber mehr, bis man schließlich das Hotel von Grund auf restaurierte. Es bekam die erste Zentralheizung der Steiermark und hieß ab 1934 „Parkhotel“. Dem Namen verdankt das Hotel seiner schönen Lage angrenzend an drei Parks: Dem Meran-Park, dem Grazer Stadpark und dem Lessing-Park.

Parkhotel - die einstige Bürgerstube (1950)
Die Bürgerstube 1950 ist die heutige Ritterstube, die Tür gibt es nicht mehr, sie wurde durch Fenster ersetzt.
Parkhotel - Ritterstube
Die Ritterstube heute
Parkhotel im Jahr 1938
Parkhotel - Aussenaufnahmen aus dem Jahr 1938

In den Kriegsjahren 1944/45 wurde das „Parkhotel“ stark beschädigt und musste zehn Jahre nach dem Umbau unter der Führung von Kom.-Rat Herbert Florian mit Gattin Liesl wieder renovieren werden. Ende der 70er-Jahre übernahmen Peter und Sissy Florian die Hotel-Agenden. Seit 20 Jahren ist das Parkhotel als einziges Hotel in der Steiermark Mitglied der „Hotels & Restaurants International“ Gruppe und wurde auf Grund der Exklusivität und des überdurchschnittlichen Standards offiziell mit der Klassifizierung "Superior" ausgezeichnet.

Das Hotel kann auf eine illustre Gästeliste verweisen: Staatsoberhäupter aus aller Herren Länder, die österreichischen Bundespräsidenten, Nobelpreisträger, Film-, Fernseh- und Musikstars, Opernstars. Persönlichkeiten wie u.a. Leopold Figl, Julius Raab, Rudolf Kirchschläger, Helmut Kohl, Agnes Baltsa, Karl-Heinz Böhm, Hermann Nitsch und Maximilian Schell haben die Annehmlichkeiten des Hotels und die Nähe zum Stadzentrum geschätzt.

Auszug aus dem Gästebuch des Parkhotels#

Das Parkhotel Graz heute: www.parkhotel-graz.at

Das Hotel liegt zentral umgeben von Schauspielhaus, Oper, allen Universitäten, der Burg und dem Dom. Trotz dieser zentralen Lage ist das Hotel am Meranpark angenehm ruhig und der romantische Biedermeier-Gastgarten im Innenhof ladet den Gast zum Verweilen ein. Das Hotel ruht auf zwei Säulen: dem Geschäftstouristen und dem Urlauber, wobei das Parkhotel einen hohen Anteil von über 40 Prozent Städtetouristen aufweisen kann. Die Lage des Hotels, die ausgezeichnete Küche mit ihren internationalen und regionalen Spezialitäten, das großzügige Wellnessbereich mit Hallenbad, Sauna und Fitneßräume, samt die eleganten und vollklimatisierten Zimmer, bieten internationalen Komfort mit modernster Technik.

Auf Grund der Exklusivität und des überdurchschnittlichen Standards wurde das „Parkhotel Graz“ offiziell mit der Klassifizierung "Superior" ausgezeichnet.

Parkhotel Graz
Parkhotel Graz
Parkhotel Graz

Peter Florian#

Peter und Sissy Florian
Peter und Sissy Florian

Dr. Peter Florian wurde 1949 in Graz geboren. Von 1968 bis 1970 besuchte er die Hotelfachschule in Wien und absolvierte zahlreiche Praktika in u.a. Lausanne, Zürs, St. Tropez, Bermudas, England, Korsika und den Vereiningten Staaten. 1971 wurde er Gesellschafter des Parkhotels. 1976 schloß er sein Jus-Studium in Graz ab und heiratete Sissy Lerchbaumer. Das das Ehepaar führt das Hotel "Romantikhotel Seefischer" am Millstätter See und das "Parkhotel Graz".

Peter Florians Engagement gilt aber nicht nur den eigenen Häusern, sondern auch dem touristischen Nachwuchs. Er ist seit 20 Jahren Kurator der Hotelfachschule Gleichenberg. Peter Florian ist auch in zahlreichen anderen Funktionen tätig, u.a. ist er Gründungsmitglied der „hogast“, der Einkaufsgesellschaft für das Hotel- und Gastgewerbe, Vorstand der ÖHV (Österreichische Hoteliersvereinigung), Mitglied der Kategorisierungskommission der Luxushotels in Österreich, Finanzreferent des Tourismusverbandes Graz, Präsident der „Romantik Hotels Österreich“. Er ist außerdem in verschiedenen Funktionen in der Wirtschaftskammer Steiermark und Österreich und im Verwaltungsrat „Romantik Hotels international“ tätig.

Die Geschichte des Hauses auf einen Blick#

  • 1574: Erste Erwähnung eines Gasthauses an der Ecke Maijfredygasse-Leonhardstraße
  • 1649: Erste Erwähnung des Gasthauses „Goldene Birn“
  • 1867: Umbau zum heutigen Gebäudekomplex
  • 1933: Erwerb der „Goldenen Birn“ durch Familie Florian
  • 1934: Umbenennung in „Parkhotel“
  • 1989: Mitglied bei den Romantik Hotels (bis 2015)

Eine Hotelgeschichte#

Jedes Hotel hat viele schöne, traurige, lustige, peinliche und unterhaltende Geschichten zu erzählen. Eine aus der letzteren Kategorie, die man im Parkhotel nicht vergessen wird, rankt sich um den seinerzeitigen Kanzler Deutschlands, Helmut Kohl.

Dieser war Ende der 80er Jahre einmal in Graz auf Besuch, als Wahlkampfunterstützung des damaligen Landeshauptmanns Krainer. Auf seinem Programm stand ein Besuch der Grazer Messe, gefolgt von einem Essen mit dem Landeshauptmann und mehreren Bundesministern im Salon Elisabeth des Parkhotels.

Im Hotel ist alles vorbereitet. Dr. Peter Florian steht beim Empfang, um die hohe Delegation begrüßen zu können. Zu seiner Verwunderung fährt nur ein einziger schwarzer Wagen vor, ohne jede Entourage. Aus diesem steigt Kohl aus und kommt in das Hotel. Florian geht auf ihn zu.

Kohl: „Sind sie der Wirt“.

Florian: „Ja, grüß Gott..."

Kohl winkt ab: „Machen wir’s kurz, ich möchte gerne was Anständiges essen.“

Helmut Kohl
Helmut Kohl im Parkhotel

Florian führt Kohl in den Salon Elisabeth.

Kohl: „Nicht hier, irgendwo einfacher. Und was Steirisches. Was gibt’s denn da?“

Florian: „Wie wär’s mit steirischem Wurzelfleisch und Käferbohnen“.

Kohl nickt, während Florian ihn in die sonst leere Ritterstube führt. Wie die beiden durch das Lokal gehen wird es ganz still… und bleibt so, während Kohl sein Wurzelfleisch genießt.

Als eine große Pressedelegation eintrifft knurrt Kohl: „Die können warten, jetzt ess’ ich in Ruhe fertig“. Dann also Pressegespräche.

Plötzlich Polizeihorn und Blaulicht vor dem Hotel. Polizisten und Geheimpolizei stürmen herein: „Ist der Kanzler da?“ Große Erleichterung, dass alles in Ordnung ist, Kohl nicht entführt wurde, oder Ähnliches: Er war einem großen Überwachungsteam bei der Messe einfach geschickt entkommen! Von nun an gibt es im Hotel mehr Bewacher als Hotelangestellte und Gäste zusammen.

Kohl ist gut aufgelegt, weil er seinen „Bewachern“ (wieder einmal) ein Schnippchen geschlagen hat. Und nach der großzügigen Portion Wurzelfleisch ist er ausgesprochen freundlich zur Presse. Er begrüßt wenig später die österreichischen Kollegen und setzt sich mit ihnen in den Salon Elisabeth, wo ein fünfgängiges Menü serviert wird.

Ob es stimmt, dass Kohl gemurmelt haben soll: „Als Nachspeise ganz anständig“ und seine Kollegen aus Österreich nicht verstanden, was er meinte, ist heute nicht mehr beweisbar.

Literatur#

  • Jubiläumsbrochüre Parkhotel
  • Gastlichkeit in Graz, Wissenschaftliche Leitung: Herwig Ebner, Redaktion: Gerhard M. Dienes, Leykam Verlag, 1985.

[1] Gastlichkeit in Graz, Wissenschaftliche Leitung: Herwig Ebner, Redaktion: Gerhard M. Dienes, Leykam Verlag, 1985, Seite 248
[2] Gastlichkeit in Graz, Wissenschaftliche Leitung: Herwig Ebner, Redaktion: Gerhard M. Dienes, Leykam Verlag, 1985, Seite 250
[3] Gastlichkeit in Graz, Wissenschaftliche Leitung: Herwig Ebner, Redaktion: Gerhard M. Dienes, Leykam Verlag, 1985, Seite 250