Wien und Niederösterreich (1), Band 1, Seite 328 - Austria-Forum : Web Books : Kronprinzenwerk

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Wien und Niederösterreich (1), Band 1

Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Wien und Niederösterreich 1. Abteilung#

Band 1#

Kronprinzenwerk
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
1894
312 erscheinen industriell schon minder ausgeprägt, doch wäre in der Josefstadt die Fabrication von Bronzewaaren zu nennen, auf dem Alsergrund die Wagenfabrication, und auch die Buchdruckereien drängen sich hier zusammen. Jm Ic. Bezirk, Favoriten, ist wieder der Maschinenbau sehr bedeutend. Von den Vororten ist Gaudenzdorf durch seine Weißgärberei längs der Wien ausgezeichnet, Sechshaus durch seine Stoffweberei, Ottakring, Neu- Lerchenseld und Hernals durch Drechslerei, Simmering durch chemische Jndustrie, Waggonbau,. Maschinen- und Metallwaarensabrication. Selbstverständlich beherbergen die Stadtbezirke und Vororte noch viele andere Jndustriezweige, die aber in diesem Zusammen- hange als minder bezeichnend nicht erwähnt werden mußten. Wie kommt es nun, daß von den vielen Fabriken eigentlich wenig zu merken ist? Man sieht wohl einem Bezirke leicht seine Jndustrie an, besonders wenn man die breiten, aus der Stadt hinausführenden Hauptstraßen mit ihren überall gleichen Läden und Schaufenstern verläßt und die Neben- und Seitengassen aufsucht, aber man würde kaum vermuthen, daß die Zahl der groß- industriellen Arbeitsstätten manches Bezirkes in die Hundert geht. Und doch ist dem so, nur daß die weitaus größere Mehrheit der Fabrikgebäude in Wien und den Vororten nicht immer in der äußeren Erscheinung jene bezeichnenden Merkmale an sich trägt, die man landläufig mit dem Begriffe Fabrik verbindet. Weder die Lage im Allgemeinen, noch die Bauart oder hochaufragende Schornsteine lassen auf den ersten Blick von außen erkennen, daß das Gebäude zum Betriebe einer industriellen Unternehmung dient; es präsentirt sich vielmehr als normales Wohngebäude, durch nichts von den angrenzenden Häusern verschieden. Jn der Regel wird auch die Gassenseite des Gebäudes zu Wohnungen verwendet, während die eigentliche Fabrik im Hofe untergebracht ist und sich leicht dem Blick entzieht. Entfernt man sich mehr vom Centrum der Stadt, so findet man die Fabrikgebäude schon weit öfter unverhüllt dastehen, bis an der Peripherie der Stadt und in manchen Vororten, wo der Grund und Boden wohlfeiler ist, die freie Lage wenigstens der größten Fabriken die Regel bildet. Jn diesen versteckt oder offen gelegenen Citadellen der Großindustrie hat die Anwendung mechanischer Triebkräfte und Arbeitsmaschinen einen hohen Grad erreicht, wenngleich in vielen Zweigen die Manusactur noch vorherrscht. Jm Jahre 1880 standen in Wien und Umgebung im Dienste der Großindustrie 493 Kraftmaschinen mit 6.283 Pferdekräften, darunter 409 Dampfmotoren mit 5.870 Pserdekrästen; die Menge und Mannigfaltigkeit der sinnreichsten Arbeitsmaschinen, die von ihnen oder auch durch Menschenhand bewegt wurden, läßt sich kaum mehr übersehen. Der Werth der Gesammtproduction in Wien und den Vororten belief sich auf die erhebliche Summe von 175 Millionen Gulden, während vergleichsweise die entsprechende Productionsziffer siir ganz Galizien nur 47 Millionen, siir Steiermark, Kärnten und Krain

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