Böhmen (2), Band 15, Seite 285 - Austria-Forum : Web Books : Kronprinzenwerk

Dies ist die Text-Repräsentation dieses Buches. Für die Vollversion des Web Books Viewers benötigen Sie das Flash-Plugin für ihren Browser. Für Geräte ohne Flash-Unterstützung (z.B. Ipad) ist eine eigene Version in Arbeit.
Böhmen (2), Band 15

Die Österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Böhmen - Band 2#

Band 15#

Kronprinzenwerk
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
1896
263 was der Kunstsinn und Fleiß früherer Jahrhunderte geschaffen. Öde Triiminerstätten, kahle, rauchgeschwärzte Mauern und niedergebrvchene Wölbungen der verlassenen Wohnuugeu bezeichneten jetzt die Mehrzahl der Orte, au welchen Herz und Auge durch künstlerisch vollendete Gebilde erfreut worden waren. Daß bei einer solchen Vernichtung der Kunst- werke, bei einer so ausgesprochenen Stellungnahme gegen die Werke der bildenden Kunst sich unmöglich das Kunstverständniß heben, geschweige denn eine Kunstthätigkeit entwickeln konnte, ist ebenso selbstverständlich wie die Thatsache, daß ein Unkraut niemals als natürliche Frucht die Traube des Weinstocks oder die süße Feige zeitigen wird. Denn ganz abgesehen von dem Waffenlärm und den Kriegsunruhen, die dem Kunst- leben nie günstig sind, absorbirten auch zahlreiche andere damals im Vordergrund des allgemeinen Interesses stehende Fragen das Sinnen und Trachten der Bevölkerung in solchem Grade, daß für die Kunst nichts übrig blieb. Böhmens Kunstleben wurde durch die Hnsitenkriege aufs tiefste geschädigt. Es bedurfte mehrerer Jahrzehnte, ehe mit der Rückkehr ruhiger und mehr geordneter Verhältnisse auch die Kuustbestrebungen sich erholten und wieder in bestimmten Richtungen sammelten, denen seit den Tagen Wladislaws II. abermals dankbare größere Aufgaben gestellt wurden.DieZwischenzeit war selbstverständlich im Vergleich zu den früheren Verhältnissen zwar eine Periode schweren Darniederliegens der Kunst, aber keines vollständigen Stillstandes derselben, da ja die im Lande lebenden Meister, sobald sie nicht mehr an der Austragung der Tagesfragen persönlich sich betheiligen mußten, beim Wiederaufbau der eingeäscherten Städte und Kirchen, sowie der zerstörten Burgeu, beim Beschaffen der nöthigen Ausstattungsstücke unzweifelhaft hinreichend Beschäftigung fanden. Freilich kam bei diesen hauptsächlich das Nothwendige berück- sichtigenden Unternehmungen, bei solchen Wiederherstellungen und Instandsetzungen beschädigter Anlagen ein wirkliches Kunstbestreben nur selten zum Worte. Wo aber diese Restaurationsthätigkeit und Beistellung des Nöthigen einsetzte, mußten die dazu berufenen Arbeiter uoch die Überreste ihrer in besseren Zeiten erworbenen Ausbildung verwerthen, da die Unruhen keine neue Künstlergeneration, keine neueu Kunstanschauuugeu gezeitigt hatten. So stand man eine Zeitlang ans dem Boden der vor dem Hnsitenstnrm herrschenden Knnstübnng, in welcher auch Nachwirkungen der Parler'schen Richtung vorhielten, aber die einheimischen Meister an Einfluß gewannen. Erst die von letzteren herangebildete Generation, die nicht wie jene des XIV. oder des beginnenden XV. Jahrhunderts sich durch die Theiluahme an verschiedenen wirklich großartigen Baubetrieben künstlerisch vervollkommte, verfiel in eine mehr provinzielle Manier, die zwar nicht überall, aber in manchen beachtenswerthen Dingen originell wurde. Zur weitereu Bethätigung erhielt letztere ein größeres Feld, seit nnter Wladislaw II. wieder eiu kunstsreuudliches Zeitalter aubrach, freilich nicht mehr von den großen Gedanken der karolinischen Epoche getragen.
operated by Logo TU Graz

Tagcloud #

Werbung
Technische Universität Graz
Eine führende Universität Europas

Christian Brandstätter
Der bedeutende Kunstverlag

ScienceBlog.at
Naturwissenschaftliche und mathematische Informationen für Alle

Technisches Museum Wien
100 Jahre jung!