Ungarn (6), Band 23, Seite 295 - Austria-Forum : Web Books : Kronprinzenwerk

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Ungarn (6), Band 23

Die Österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Ungarn - Band 6#

Band 23#

Kronprinzenwerk
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
1902
275 und dieser auf zwei Pfosten, die sich au den beiden äußeren Ecken des Herdes erheben. Der hiedurch bedeckte Theil des Herdes heißt oder pestalja (Feuer- oder Ofengrund). Auch das Rohr des Heizofens leitet den Rauch in diesen geschlossenen Raum, von wo er hinten durch den weithalsigen, aus Brettern oder Kachel» gefügten Schlot, der von der Rückseite des Ofendaches emporsteigt, auf den Bodenraum (kiM gelangt. Auf unser Ersuchen zeigt uns die Frau bereitwillig auch das „kleine Haus" (kiesi-kä?), die Alltags-Wohnstnbe der Familie. Sie ist ebenso rein und ordentlich, wie das große Haus, jedoch schlichter eingerichtet. Im Bette sieht man blos das nothwendigste Bettzeug, mit einer gehörigen, warmen Kotzendecke (cserZe) bedeckt. Tisch und Stühle sind nicht bemalt. Im kleinen Haus befindet sich auch der große Schüsselschrank (lälas), das heißt die Credenz. Der untere Theil desselben ist ein Kasten mit Legbrettern nnd Doppelthüre, zur Aufbewahrung von Speisen. Auf den Legbrettern des Aufsatzes, denen vorne eine wagrechte Latte als Brüstung dient, sieht man aufrecht gestellte Schüsseln und Teller. Hoch oben, ziemlich dicht unter dem Plafond, zieht sich längs der Wand der lange Kleiderrechen (k?n66s2sZ). Auf seinem Simsbrett stehen alte buntgeblümte oder sonstwie verzierte irdene Schüsseln und Teller aufgereiht, während an den Pflöcken des Rechens ebensolche Reihen von „Pokalkrügen" am Henkel hängen. Diese weißglasirten, mit farbigen Blumen, wohl auch mit Thierfiguren ornamentirten Krüge dienen blos zum Zimmerschmuck und sind auch höchstens als Blnmenvasen auf den Tisch zu stellen. Es gibt darunter sehr viele alte, noch vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts; darum haben sie einen gewissen Werth als Erzeugnisse der volksthümlichen Keramik. In dieser Wohnstube ist auch der Kachelofen einfacher. Sein Herd ist niedriger und etwa auch der eiserne Heizofen durch einen Sparherd ans Ziegeln ersetzt, neben dem noch eine Ecke so weit frei bleibt, daß sich in ihr die Essigtonne unterbringen lässt, denn der Holzapfel- essig braucht diese gute Wärme, um gar zu werden. In die Innenseite der Thüre sind Nägel eingeschlagen, an denen ein paar Handtücher hängen. Die Speisekammer hat als ganze Einrichtung ein paar Legbretter. Auf diesen liegt das Brot, steht das Pflaumenmus, das Schmalz u. a. m. Von den Deckbalken hängen au Nägeln Speckseiten und Schinken herab. An der Wand etliche leinene Beutel: einer mit Mehl zum Backen von Brotfladen (laska), ein anderer mit gedörrten Pflaumen n. s. f. In der Kammer verwahrt man auch die Äxte, die Wagenkette, den langen Strick, die Pflugschar, Schaufeln und Hauen, die Radscheiben des zerlegten Frachtwagens, die Wurfschaufel, die zerlegte und an den Stiel zurückgebogene und so zusammengebundene Sense. Wo kein eigener Getreidespeicher gebant wird, stellt man auch die aus Buchenholz- brettern gefügte Kiste mit Getreide und Mehl in die Kammer. Oder der 1.K*
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