Ungarn (6), Band 23, Seite 487 - Austria-Forum : Web Books : Kronprinzenwerk

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Ungarn (6), Band 23

Die Österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild, Ungarn - Band 6#

Band 23#

Kronprinzenwerk
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
1902
467 Der sächsischen Volksdichtung gehört schließlich jene epigrammatisch zugespitzte Spruchpoesie an, die sich in der Gestalt von Lebensregeln, Sprichwörtern, Haus- und anderen Inschriften gibt und durchaus die Weltanffassung des Volkes wiederspiegelt, das unverwischbare Gepräge seiner gesunden Vernunft trägt. Das Groß Rokler tLomitat. Nördlich nnd nordöstlich vom Hermannstädter Comitat, zwischen dem Altfluß und Großen Kokelfluße, liegt das Groß-Kokler Comitat lNagy-Küküllömegye), das bei der Comitatsorganisation im Jahre 1876 aus den Gebieten der ehemaligen sächsischen Stühle Reps, Schäßbnrg, Groß-Schenk und Mediasch, nebst einigen Theilen des alten Ober- Albeuser Comitats gebildet wurde. Die erwähnten sächsische« Stühle bildeten jedes ein zusammenhängendes Gebiet, während die einzelnen Theile des Ober-Albenser Comitats zerstreut lagen. Ursprünglich gab es nur ein Albenser Comitat, allein dieses wurde im Jahre 1750 getheilt; die größere, ein zusammenhängendes Gebiet bildende Hälfte erhielt den Namen Unter-Alba (Also-Fehermegye), während die kleinere, die aus 18 größeren und kleineren Einzelstücken bestand und sich von der östlichen Ecke des Comitats Unter- Alba bis tief in das Sziklerland hinein erstreckte, Ober-Alba (Felsö-Fehörmegye) hieß. Das neue Comitat hatte Anfangs nicht einmal einen Verwaltungssitz. Später wnrde eine adelige Curie zu Martinsdorf (Szäß-Martonfalva) zum Comitatshaus umgestaltet. Dieses Martinsdorf war also bis 1848 der Hauptort des Ober-Albenser Comitats. Viele hervorragende Männer des öffentlichen Lebens von Alt-Siebenbürgen stammten aus edlen Familien des Ober-Albenser Comitats: Malmkrog (Almakerek) war einer der Stammsitze der Apaffy und da ist anch das schöne Mausoleum Georg Apaffys zn sehen. In Kreisch (Keresd) bei Schäßbnrg steht die alte Stammburg der Familie Bethleu von Bethlen; von Bell (Bolya) stammt die Familie Bolyai, der die beiden größten ungarischen Mathematiker, Wolfgang und Johann Bölyai, entstammen. In Voldorf (Dombos) sind die Familien Apäthy und Hamary, in Muckendorf (Moha) die Fogarafsy, Somogyi und andere Familien zu Hause. Käbisch (Kövesd) aber, das Stamm- nest der Familien Könczey und Horväth, ist förmlich als Typus der Herrensitze jenes Kleinadels zu betrachten, der im Ungarischen wegen seines geringen Besitzes der Adel „der sieben Zwetschkenbäume" heißt. Im Laufe der Zeit sind die meisten dieser Adels- familien in diesen Dörfern ansgestorbeu oder ausgewandert nnd ihr Grundbesitz meist in die Hände ihrer einstigen Hörigeu gelangt.
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