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Die "Grundmann-Werke" und der Weg Herzogenburgs zur modernen Industriestadt #

Der Schlosser Carl Grundmann war 1838 aus Danzig, also aus dem damaligen Königreich Preußen auf der seinerzeit für die Ablegung der Gesellenprüfung verpflichtenden Wanderschaft nach Wien gekommen und ergriff den Beruf des Lokomotivführers, der damals den Schlossern vorbehalten war.

Lokomotive  Koloss
Die Lokomotive "Koloss" der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn 1844
© Dr. Glaubauf

1848 brachte er mit seiner Lok Kaiser Ferdinand und seinen Nachfolger Franz Josef in einer gefährlichen Fahrt sicher von Wien nach Olmütz und rettete die beiden damit aus den Gefahren der Wiener Revolutionswirren. Auch Kaiser Maximilian brachte er sicher nach Olmütz, als dieser 1864 seine Herrschaft in Mexico antrat.

Die Firmengründung in Wien#

Obwohl Grundmann somit der Lokführer, also der "Privatchauffeur" dreier Kaiser war, beschäftigte er sich intensiv mit der maschinellen Fabrikation von Schlössern, die damals noch durchgehend manuell hergestellt wurden.

Daher erzeugte er vorerst gemeinsam mit einem weiteren Lokführer im Gartenhäuschen einer Wohnung im Zweiten Wiener Bezirk ab 1862 erstmalig Schlösser mit Hilfe von Maschinen in seiner eigenen Firma, die er mit Hilfe der kaiserlichen Belohnungen im selben Jahr gegründet hatte.

Er vereinfachte dabei die Konstruktion der Schlösser weitgehend, um sie maschinell herstellen zu können, wofür er eine Reihe von Patenten erhielt. Schließlich stellten seine Erfindungen einen gewaltigen Innovationsschub dar, der die gesamte damalige Schließtechnik revolutionierte, da bisher in Österreich-Ungarn niemand Schlösser industriell hergestellt hatte.

Die Söhne Grundmanns Julius, Gustav und Heinrich arbeiteten auch schon in der Firma mit, der vierte Sohn Wilhelm absolvierte in Deutschland noch ein einjähriges Praktikum.

Die kleine Firma expandierte rasch, 1873 waren schon über eine Million Schlösser verkauft, und das Unternehmen auch auf der Wiener Weltausstellung vertreten. Allerdings war in Wien trotz Übersiedelung nach Hernals der Platzmangel ein gravierendes Problem, das eine weitere Expansion nicht zuließ.

Herzogenburg als neuer Firmenstandort:
Die Grundmann-Werke als größter Schließwaren-Hersteller der Donaumonarchie#

Grundmann entschloss sich daher 1874 zu einer Übersiedelung nach Herzogenburg und 1879 auch zur Errichtung einer eigenen Fabrik an der Traisen, als sich die in Ossarn von der Firma Vollrath angemieteten Produktionsstätten neuerlich als zu klein erwiesen. Er hatte nämlich als ehemaliger Lokführer dreier Kaiser den lukrativen Großauftrag erhalten, die Scharnierbänder für die Munitionskisten der gesamten Artillerie der k.u.k. Armee herzustellen.

Die ehemaligen Grundmann - Werke werden seit 1972 durch die Schweizer - Konzerne Georg Fischer und KABA so erfolgreich weitergeführt, dass in Herzogenburg eine dritte Autobahnabfahrt eigens für den Zulieferverkehr erforderlich wurde. Neben der Schließtechnik werden vor allem Aluminium - Motore für den Export produziert.