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Wirtschaftsuniversität Wien #

Der historische Standort der WU Wien
Der historische Standort der WU Wien: Das Gebäude der früheren Exportakademie (1916-1919), der späteren Hochschule für Welthandel (1919-1975) sowie der späteren Wirtschaftsuniversität Wien (1975-1982)
Foto: Geiserich77. Aus: Wikicommons unter CC

Vorläuferin der WU WIen waren eine von einem Verein gegründete, nur kurze Zeit bestehende "Handels-Hochschule" (1873-77) und die "Exportakademie des k. k. österreichischen Handels-Museums" (gegründet 1898); letztere erhielt 1917 ein neues Gebäude (Wien 19) und wurde 1919 zur staatlichen "Hochschule für Welthandel" erhoben. Sie durfte ab 1930 akademische Grade verleihen: nach 6 Semestern Diplomkaufmann, nach 8 Semestern Doktor der Handelswissenschaft, 1966 durch Magister bzw. Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaft ersetzt (Auslaufen der alten Grade 1975 bzw. 1980).

1975 erfolgte die Umbenennung in Wirtschaftsuniversität Wien, mit der Gliederung in die Fachgruppen Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Rechtswissenschaft, Geistes- und Formalwissenschaften. Die Fachgruppe Geistes- und Formalwissenschaften wurde 1983 auch auf die Sozialwissenschaften ausgedehnt. Ab 1982 befand sich die Wirtschaftsuniversität Wien im Universitätszentrum Althanstraße (Wien 9).

Der Standort der Wirtschaftsuniversität Wien (1982 bis Anfang September 2013)
Der Standort der Wirtschaftsuniversität Wien (von 1982 bis Anfang September 2013)
Foto: Werckmeister. Aus: Wikicommons unter CC
Seit 1997 arbeitet die Wirtschaftsuniversität Wien auf der Grundlage des neuen Universitätsorganisationsgesetzes (UOG 1993), das ihr insbesondere in personellen Fragen (auch Berufung von Professoren) Autonomie gewährt. Auch die Gründung eines eigenen Forschungszentrums und die Umstellung auf ein neues Studienrecht stehen damit in Zusammenhang. Durch das Universitätsgesetz 2002 wurde die Wirtschaftsuniversität Wien wie alle anderen österreichischen Universitäten zu einer selbständigen Körperschaft öffentlichen Rechts.

Literatur#

  • A. Brusatti, 70 Jahre Hochschule für Welthandel in Wien, 1968
  • A. Mosser, Die Wirtschaftsuniversität Wien, 1998

Der neue Campus#

Lageplan Campus WU Wien\© BOAnet.at
Lageplan Campus WU Wien, © BOAnet.at
Umfeldplan Campus WU Wien\© BOAnet.at
Umfeldplan Campus WU Wien, © BOAnet.at
Plan des Campus
Der Campus - Quelle: WU/pd

Nach vier Jahren Bauzeit wurde am 3. Oktober 2013 der neue WU Campus eröffnet.

Auf einem Gelände zwischen Messe und Prater entstand ein moderner Campus mit ca. 90.000 Quadratmetern Nutzfläche, der von internationalen Stararchitekt/inn/en geplant wurde. Zusammen ergeben die insgesamt 5 Gebäudekomplexe eine bebaute Fläche von rund 35.000 Quadratmetern. Die restlichen 55.000 Quadratmeter sind als öffentlich zugänglicher Freiraum konzipiert.

25.000 Studierende und 1500 Mitarbeiter/innen können am Campus WU arbeiten, studieren, forschen und lehren. Neben den klassischen universitären Bereichen wie Lehr- und Lernflächen, Bibliotheken sowie Büroräumen, finden sich am Campus diverse öffentlich nutzbare Einrichtungen: Gastronomie, Bäckerei, Supermarkt, Buchhandlungen, Kindergarten und Sportzentrum. Darüber hinaus finden sich Veranstaltungsbereiche, die vor allem in der vorlesungsfreien Zeit für Events gemietet werden können.


WU Executive Academy
WU Executive Academy - Foto: P. Diem
Library & Learning Center
Library & Learning Center - Foto: P. Diem
Erbaut nach Plänen von Zaha Hadid Architects, Hamburg von Bauunternehmung Granit Graz
Departmentgebäude
Departmentgebäude - Foto: P. Diem
Führung
Führung - Foto: P. Diem
Departments und Verwaltung
Departments und Verwaltung - Foto: P. Diem
Departments & externe Dienstleister
Departments & externe Dienstleister - Foto: P. Diem
Departments & Verwaltung
Departments & Verwaltung - Foto: P. Diem
Rektorat
Rektorat - Foto: P. Diem
Departments & Verwaltung
Departments & Verwaltung - Foto: P. Diem
Library & Learning Center
Library & Learning Center der WU Wien - Foto: P. Diem
Erbaut nach Plänen von Zaha Hadid Architects, Hamburg von Bauunternehmung Granit Graz
Hauptachse nach Osten
Hauptachse nach Osten - Foto: P. Diem
Parkhaus Messe
Parkhaus Messe - Foto: P. Diem
Hauptachse von Westen
Hauptachse von Westen - Foto: P. Diem
Hörsaalzentrum
Hörsaalzentrum - Foto: P. Diem
Departments
Departments - Foto: P. Diem
Hochschülerschaft
Studentenvertretung - Foto: P. Diem
Zaha Hadids Landmark
Zaha Hadids Landmark - Foto: P. Diem
Hörsaalzentrum
Hörsaalzentrum - Foto: P. Diem
Eigenwillige Holzverkleidung(Crab Studios London)
Holzbretter von Crab - Foto: P. Diem
Eingang Ost
Eingang Ost - Foto: P. Diem
Mahnmal WU
Mahnmal für 120 Studenten und Mitarbeiter der WU, die in der NS-Zeit von der "Welthandel" vertrieben wurden- Foto: P. Diem

Das Selbstverständnis - BUSarchitektur über den WU Campus #

Die Kreation von Orten, die einen Dialog mit der Schöpfung anstreben, versucht die unbewusste Wahrnehmung der Menschen anzuregen, die unsere Räume erleben.

Heutzutage Architektur zu machen ist ein nomisches Spiel. Die Spielregeln sind paradox, die Spieler wechseln ständig ihre Meinung und jeder Prozess entwickelt sich selbstreferentiell. Die demokratischen Grundrechte eines Lebensraumes sind das Recht auf Licht, das Recht auf Ausblick und das Recht auf Wasser. Demzufolge ist die Rolle des zeitgenössischen Architekten in einer neuen Stabilisierung von Ökologie und Urbanismus zu finden. Unsere Aufgabe als Denker und Macher ist es, wieder eine aktive Rolle in der Optimierung der Umweltqualität zu erlangen, wissend um die Komplexität dieses Prozesses und suchend nach dauerhaften Veränderungen.

Die intellektuelle Neugierde als Weg, um Anwendungen der Spieltheorie in der Architektur zu entdecken, die nicht so eindeutig sind, ist unsere Art, eine aktive Rolle in der alltäglichen Produktion zu übernehmen. Das Spiel ist ein Gesellschaftsspiel, da es zur Sozialisierung des Einzelnen in einer virtuellen Gesellschaft führt und demzufolge auch der Entwicklung einer realen Gesellschaft dient. Denn die einzige Art, wie der Campus eine Zukunft haben kann, ist die Aktivierung des urbanen Potenzials des Lebensraums Bildungslandschaft.

Die Außensicht - fachspezifische Meinungen#

BUSarchitektur konzipierten ihren Masterplan des WU Campus so abwechslungsreich wie eine klassische europäische Altstadt: es gibt eine große Abfolge von Wegen, Plätzen, Winkeln und Aufenthaltszonen zwischen den Bauten mit unterschiedlichen Qualitäten.
Isabella Marboe, Journalistin

Der Masterplan für den Campus der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) von BUSarchitektur ist in seinem Wesenszug sowohl komplex als auch evolutionär. Er verkörpert eine multivalente Beziehung von Maßstäben, konzeptuellen Prinzipien, architektonischen Terrains und operativen Methoden. Der Masterplan funktioniert einerseits als großmaßstäbliches architektonisches Konzept für den gesamten Campus und beinhaltet andererseits mehrfache Strategien, die als Katalysatoren und Kontrollinstanzen den generativen Entwicklungsprozess und die Evolution fördern. Der Masterplan agiert als interaktives Instrument und abstrakte Maschine, ein lebendiger Körper, der, schlussendlich, das Subjekt seiner eigenen materiellen Evolution ist.
Ila Berman / Mona El Khafif, Universitätsprofessorinnen der Architektur

Im Campus WU ist das Wesentliche der scheinbar leere Raum, der die Regeln der Organisation und die Beziehungen aller Geschehnisse in den Gebäuden festlegt.
Zaida Muxi Martinez, Architekturforscherin

Spinadel ist nicht so sehr an der Form interessiert, sondern daran, was die urbane Form fähig sein wird, hervorzubringen. Sie ist mehr am outcome, an dem was auftritt, interessiert, als an der Kontrolle eines rein formellen Projekts. So ist ihre Arbeit nicht mit dem technischen Projekt beendet. Sie hat darum die Aufgabe der Kommunikation übernommen und hierfür Instrumente gestaltet, um die Eigenschaften des neuen Campus unter den zukünftigen Nutzern und Nachbarn im Allgemeinen zu verbreiten. Sie hat den Zaun der Baustelle in eine Informationswand umgewandelt und im Prater einen InfoPoint aufstellen lassen (mittlerweile wieder abgebaut), wo die Studierenden und Professoren oder Neugierige im Voraus den werdenden Campus betrachten konnten. Im alten Campus wurden sowohl spielerische wie auch informative Anlagen aufgestellt, die das Interesse erweckten und einer wachsenden Erwartung Platz machten. All diese Themen waren eine Antwort auf einen Realismus, der das Gebaute nicht idealisiert, sondern das Streben nach einem in der Stadt integrierten und Aktivitäten integrierenden Campus darstellt. Von ihrem Kommunikationsbüro BOA aus, hat sie elektronische Dokumente, virtuelle Modelle und Fotografien vorbereitet, die den Fortschritt des Baus und die Teilnehmer am Projekt zeigten.
Fernando Diez, Architekturtheoretiker

Es wird auch besonderer Wert auf die Erfahrung der Sinne gelegt. BUSarchitektur hat auch deshalb BOA gegründet, dessen Mission die Steigerung der Verbreitung und des Aktionismus von BUSarchitektur durch Kommunikationsinitiativen und visuelle Anreize ist. Demzufolge stellen das Werk und die Arbeit von BUSarchitektur ein bedeutendes Beispiel zeitgenössischer Architektur dar, die auf Diagramme, Erfahrungen und Aktionismus zurückgreift.

Von einer humanistischen, theosophischen und sensualistischen Vision aus, ging man auf eine ökologische und holistische Stellungnahme über, die den Schwerpunkt auf die Gesundheit offener und geschlossener Räume, auf Anforderungen und Kriterien des Bio-Baus legt. Die holistische Denkweise bedeutet, die rationale und analytische Denkweise tiefschürfend und Schritt für Schritt zu überwinden, um eine inklusive Denkweise zu erreichen, bei der alle Aspekte in Betracht gezogen werden, auch diejenigen, die unwichtig oder unsichtbar zu sein scheinen, wie Wahrnehmung, Gesundheit oder Freiheit.
Josep Maria Montaner, Architekturkritiker

Laura P. Spinadel hat der Stadt Wien durch ihr Wirken großen Nutzen und Freude gebracht. Der Masterplan für den WU-Campus ist kein akademisches Stück Papier, er lebt. Durch dieses gleichermaßen ordnende wie flexible Konzept ist es gelungen eine vormalige Stadtwüste in einem äußerst heterogenen Umfeld in ein verbindendes Element zu verwandeln. Jedes einzelne Gebäude steht nicht nur als Ikone für sich selbst, sondern gibt auch den jeweils anderen etwas. Das gilt auch für den durch Spinadel realisierten Bauteil, der von den Studierenden liebevoll „Rosthaus“ genannt und als außerordentlich funktional erlebt wird. Als verbindend wird der neue Stadtteil auch von den Anwohnern begriffen. Der Campus bietet mit seinen vielfältigen Gelegenheiten Ziele, die die Bevölkerung gerne aufsucht. Dass die Leute darüber überhaupt Bescheid wissen, ist üblicherweise bei solchen weitgehend elitär antizipierten Objekten nicht selbstverständlich. Es ist Spinadel zu verdanken, dass nicht nur neues Leben in die Gegend gebracht wurde, sie konnte mit ihren offenen workshops auch die Alteingesessenen überzeugen. Der WU-Campus ist eine Bereicherung für Wien und ein touristischer Magnet.

Brigitte Jilka, Stadtplanungsamt

Weiterführendes#

Quellen#