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Ö: mit haben, bei mir haben, da haben

D: dabei haben, bei haben

„Nein, ich habe kein Geld ... “ Diesen Satz hat der Sprachwissenschafter Jürgen Eichhoff bei einer seiner Umfragen zum Wortatlas der deutschen Umgangssprachen vervollständigen lassen. In Österreich war die überwiegende Antwort: „Nein, ich habe kein Geld mit/bei mir/da!“

Es ist bemerkenswert, dass die von regionalbewussten Sprechern in Österreich als fremd empfundene Form „dabei haben“ (in Berlin: „bei haben“) vor allem im benachbarten Bayern, im gesamten süddeutschen Raum und in der Mitte Deutschlands anzutreffen ist. Von diesen Gebieten dringt die Wendung in den Norden vor, aber auch nach Tirol, Salzburg und Oberösterreich, wie „dabei“-Belege im Grenzgebiet zeigen. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich dieser Trend wohl fortgesetzt.

Besonders fremd klingt „dabei haben“ für Österreicher dann, wenn es nicht um kleinere Gegenstände geht, die man einstecken kann, sondern um größere, die man bei sich trägt. So hat Thomas Gottschalk den Sänger Chris de Burgh in Wetten dass ...? gefragt: „Hast du deine Gitarre dabei?“ Hin und wieder hört man in Österreich heute „mit dabei haben“ – eine Kombination der beiden rivalisierenden Formen: „Hast du den Fotoapparat mit dabei?“ Ein ähnliches Phänomen tritt bei „dafür“ und „da ... für“ („Da kann ich nichts dafür!“) auf, im oberösterreichisch-bayerischen Grenzgebiet auch bei „bis drei zählen“ und „auf drei zählen“ („bis auf drei zählen“).

© Robert Sedlaczek