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Ö: der Akt
D: die Akte

Die schriftlichen Unterlagen in einem behördlichen, gerichtlichen oder geschäftlichen Vorgang bezeichnet man in Österreich mit dem Ausdruck „der Akt“, in Deutschland mit dem Ausdruck „die Akte“. Der Plural „die Akten“ bezeichnet im gesamten deutschen Sprachraum Schriftstücke allgemeiner Art, auch ohne gemeinsamen Bezug auf einen bestimmten Fall.

Das Wort leitet sich ab von lateinisch agere, wobei mit acta, einem Mehrzahlwort, „das Verhandelte“ umschrieben wird. Daher ist auch im heutigen Deutsch das Wort oft in der Mehrzahl zu finden. Die Einzahlformen sind Rückbildungen, wobei in Österreich das männliche Geschlecht gewählt wurde, in Deutschland hingegen das weibliche – wohl deshalb, um von „der Akt“ (= Bild eines nackten Körpers) zu unterscheiden, ein Begriff, der im 18. Jahrhundert in der Malerei erstmals auftaucht. Auch „Akt“ im Sinn von „Bild eines nackten Körpers“ stammt von dem lateinischen Zeitwort agere ab, wobei actus so viel wie „Handlung“ bedeutet. Schon seit dem 17. Jahrhundert wird damit die abgeschlossene Einheit eines Bühnenwerks bezeichnet.

Wenn in einem österreichischen Krimi von „gesamellten Unterlagen zu einem Mordfall“ die Rede ist, dann sollte also die männliche Form stehen: „Der Akt ist im Moment nicht auffindbar.“ Die weibliche Form wäre eine bundesdeutsche Ausdrucksweise.

In letzter Zeit wird deutlich, dass viele Journalisten dann zum Ausdruck „dieAkte“ greifen, wenn anschließend ein Personenname folgt. Sie schreiben also „die Akte Kampusch“ oder „die Akte Kattnig“. Offensichtlich haben sie das Gefühl, dass andernfalls eine Zweideutigkeit entstünde und an die Darstellung eines nackten Körpers gedacht werden könnte.

Und was meinen Sie? Sollen wir generell von „der Akt“ auf „die Akte“ umschwenken?