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Ö: Bub(e)

D: Junge, Kerl

„Junge“ gilt in Österreich bei regionalbewussten Sprechern als Kennwort des deutschen Deutsch. Sie legen Wert darauf, dass stattdessen das heimische „Bube“ verwendet wird. Jürgen Eichhoff hat für den Wortatlas der deutschen Umgangssprachen die Grenze zwischen dem „Buben“-Gebiet und dem „Jungen“-Gebiet erhoben: Nördlich von Frankfurt am Main sagt man umgangssprachlich „Junge“, südlich davon „Bube“. Im Westen Deutschlands reicht das „Buben“-Gebiet etwas weiter in den Norden hinein. Außerdem wird in Norddeutschland das Wort „Kerl“ nicht nur im Sinn von „patenter Kerl“ oder im Sinn von „grobschlächtiger Mensch“ verwendet, es kann auch „männliches Kind“ oder „Freund, Liebhaber“ bedeuten.

„Bub(e)“ ist seit dem 13. Jahrhundert belegt, und zwar im gesamten westgermanischen Sprachraum, später auch in anderen Sprachen. Es hatte drei Bedeutungen: (a) männliches Kind; (b) Trossbube, Diener, Knecht; (c) Schelm, Spitzbube. Deshalb schreibt auch der Österreicher Johann Siegmund Popowitsch Mitte des 18. Jahrhundert: „Man sagt im Österreichischen: ,Ein schöner Bub, ein stiller (frommer) Bub.‘ Die Sachsen sprechen in diesem Verstande ‚ein Junge‘; und ,Bub‘ ist bei ihnen gemeiniglich so viel wie ein ,Bösewicht‘.“ Das Wort „Junge“ (Mehrzahl: „die Jungen“, umgangssprachlich in Deutschland oft „die Jungs“, „die Jungens“) gibt es erst seit dem 16. Jahrhundert in dieser Bedeutung. Es handelt sich um eine Substantivierung des Eigenschaftswortes „jung“. Im österreichisch-bayerischen Raum wird das Wort als fremd empfunden. Am ältesten ist „Knabe“ – dieses Wort existiert seit dem 12. Jahrhundert. Damit verwandt ist „Knappe“ in der Bedeutung „Edelknabe“ und „Bergknappe“. Das Wort „Knabe“ klingt heute gehoben, oft wird es ironisch verwendet: „Na, wie geht’s dir, alter Knabe?“ Als die Koedukation noch nicht Erziehungsprinzip war, unterschied man in Österreich zwischen „Knabenschulen“ und „Mädchenschulen“.

Der Linzer Sprachforscher Jakob Ebner weist darauf hin, dass die Bedeutungsinhalte von „Bub“ und „Junge“ nicht völlig deckungsgleich sind. Bub ist nur bis zu einem Alter von 14/15 Jahren verwendbar, Junge bis zu einem höheren Alter, bis etwa 17 Jahre. Eine männliche Person im Alter von 14/15 bis 17 Jahre nennt man in Österreich „Bursch(e)“. Wenn dieses Wort für Erwachsene verwendet wird, liegt eine ironisierende Absicht vor: „Zwei so klasse Burschen wie wir ...“ (= zwei so mutige, lebenslustige etc. Kerle wie wir ...). Es werden also den bezeichneten Personen Eigenschaften von Burschen zugeschrieben.

In vielen Wendungen wird das Wort „Bube“ abwertend gebraucht, was wohl mit der früheren Bedeutung (c) zu tun hat. Ein „Bubenstreich“ ist ein übler Scherz, ein „Bubenstück“ eine schurkische Tat, außerdem sind Ausdrücke wie „die bösen Buben“, „dummer Bub“ oder „blöder Bub“ zu hören.

In Österreich versteht man unter „Buberlpartie“ eine Gruppe junger Männer, die im Umfeld eines Politikers Karriere machen wollen. Ursprünglich war das Wort auf die engsten Mitarbeiter von FPÖ-Parteiobmann Jörg Haider gemünzt, und zwar auf Peter Westenthaler, Walter Meischberger und Gernot Rumpold. Das Wort „Partie“ hat in Österreich drei Bedeutungen. Gemeint sind (a) Arbeiter, die für eine bestimmte Arbeit angeheuert worden sind, (b) eine Gruppe von Menschen innerhalb einer Gesinnungsgemeinschaft oder (d) eine Gang in der Unterwelt.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir für ein männliches Kind den Ausdruck „Bub“ verwenden sollten – wohl gemerkt: „Bub“ und nicht „Bube“. Sind Sie auch dieser Meinung? Oder müssen wir uns damit Abfinden, dass das Wort „Junge“ von Deutschland aus in unseren Sprachgebrauch eindringt?