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Ö: Christkind
D: Weihnachtsmann

Wer bringt den Kindern zu Weihnachten die Geschenke? In Österreich und in den katholischen Gebieten Deutschlands das „Christkind“ („Christkindl“, „Christkindchen“), im protestantischen Norden der „Weihnachtsmann“. Unter „Christkindl“ versteht man in Österreich und Süddeutschland nicht nur den „Spender der Weihnachtsgeschenke“, sondern auch das „Weihnachtsgeschenk“ selbst. „Das ist ein schönes Christkindl“ heißt: „Das ist ein schönes Weihnachtsgeschenk!“ Im übertragenen Sinn ist in Österreich ein „Christkindl“ ein „naiver, unbedarfter Mensch“.

Auch wenn in der Werbung der Weihnachtsmann dominiert, der Glaube an das Christkind als Geschenkebringer ist dadurch nicht ins Wanken geraten. Der Weihnachtsmann ist auf die Rolle eines Zettelverteilers in den Kaufhäusern reduziert. In Werbespots wird er sogar manchmal auf die Schaufel genommen. Hier ein Beispiel aus einer Werbung für Kaffee von Julius Meinl (Dezember 2004): Sagt ein Kind zum Weihnachtsmann: „Darf ich mir was wünschen?“ – „Na klar!“ – „Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass das Christkind die Geschenke bringt und nicht du!“ – „Ich glaub, ich brauch jetzt einen Kaffee ...“
Dass der Weihnachtsmann im vertrauten Rot-Weiß auf einen Werbegag von Coca-Cola zurückgeht, ist übrigens ein Gerücht – obwohl sich die Limonadenfirma gern damit brüstet. Der heilige Nikolaus wurde schon in vergangenen Jahrhunderten in Europa als Geschenkebringer verehrt, allerdings immer als hoch gewachsene, ernste Bischofsfigur, mit Gewändern in ganz unterschiedlichen Farben. Als holländischer „Sinter Klaas“ ist er nach Amerika gelangt, und dort hat ihn 1821 der Dichter Clement C. Moore in seinem Gedicht „A Visit from St. Nicholas“ erstmals als kleine, fröhliche Gestalt in Elfengröße beschrieben. Erst in den zwanziger Jahren ist der heute übliche Weihnachtsmann in seiner rot-weißen Kleidung in Erscheinung getreten. Am 27. November 1927 schrieb die New York Times: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Haube und der weiße Bart.“ Die erste Coca-Cola-Anzeige mit dem rot-weißen Weihnachtsmann, entworfen von dem Grafiker Haddon Sundblom, ist erst 1931 erschienen.

Manche sind froh darüber, dass der Weihnachtsmann in den Kaufhäusern und in der Werbung dominiert, während das Christkind von solchen Vermarktungsauswüchsen verschont bleibt. Andere halten den Weihnachtsmann für einen Affront, weil er nicht unserem Verständnis von Weihnachtsbräuchen entspricht. Darüber ließe sich viel diskutieren …