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Ö: jemandem etwas zu Fleiß tun/machen

D: etwas mit Fleiß machen

Diese zwei Redewendungen haben unterschiedliche Bedeutung und sie sind offensichtlich nicht im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet. Bei mir entsteht der Eindruck, dass „jemandem etwas zu Fleiß tun/machen“ vor allem in Österreich, vielleicht auch in Bayern verwendet wird, während „etwas mit Fleiß machen“ eher in Deutschland regional in Gebrauch ist. In der wissenschaftlichen Literatur sind diese Wendungen nicht ausreichend und zum Teil widersprüchlich dokumentiert, ich wäre daher allen Leserinnen und Lesern, die hier ihre Meinung posten, sehr dankbar.

Die meines Erachtens eher Österreich zuzuordnende Phrase „jemandem etwas zu Fleiß tun/machen“ (auch die Schreibung "zufleiß" ist möglich) bedeutet soviel wie „jemandem bewusst schaden, jemandem böswillig etwas antun“. Die Wendung wird in Verbindung mit einem Dativ der Person gebraucht, sie scheint vor allem in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich verwendet zu werden. Es wäre interessant herauszufinden, ob sie auch im Süden und im Westen Österreichs bekannt und dort in Gebrauch ist. Die Wendung ist im „Großen Wörterbuch der deutschen Sprache“ des „Duden“ nicht zu finden.

Im „Großen Wörterbuch der deutschen Sprache“ ist hingegen die Wendung „etwas mit Fleiß machen“ dokumentiert, und zwar mit der Bedeutung „etwas vorsätzlich, absichtlich tun“. Der Beispielsatz lautet: „Ich habe das mit Fleiß getan bzw. nicht getan.“ Die Wendung ist mit der Bemerkung „veraltend, noch landschaftlich“ versehen. Ein Dativ der Person hat in dieser Wendung offensichtlich keinen Platz.

Das „Österreichische Wörterbuch“ hat die Eintragung „jemandem etwas zu Fleiß/mit Fleiß tun“ (es mit der Absicht tun, jemanden zu ärgern oder zu schädigen). Hier scheinen beide Wendungen miteinander vermischt zu werden. Es kann natürlich auch sein, dass viele Sprecher diese beiden Wendungen nicht sauber auseinanderhalten.

Jakob Ebner hat in seinem wertvollen Buch „Wie sagt man in Österreich?“ folgende Eintragung: „etwas mit Fleiß tun“ (etwas absichtlich tun); die Wendung hat den Vermerk „umgangssprachlich, auch regional in Deutschland“. Demnach wäre „etwas mit Fleiß tun“ ein Austriazismus, der auch in einigen Gebieten Deutschlands in Gebrauch ist. Das überrascht. Anschließend wird „jemandem etwas zu Fleiß tun/machen“ vermerkt, mit der Bedeutung „etwas mit der Absicht tun, um jemanden zu ärgern“.

Folgt man Ebners Verweis zur zusammengeschriebenen Form „zufleiß“, findet man allerdings eine merkwürdige Eintragung. Hier wird dem Wort „zufleiß“ die Bedeutung „absichtlich“ gegeben. Das nachfolgend vermerkte Beispiel aus Glattauers „Nordwind“ beweist, dass das nicht stimmen kann: „Und haben sie sich, mir zufleiß, ineinander verliebt.“ Hier ist eindeutig gemeint: „Sie haben sich ineinander verliebt, um mich zu ärgern“. Es ist wohl evident, dass es hier nicht um die Bedeutung „absichtlich“ geht, sondern um die Bedeutung „etwas tun, um jemanden zu ärgern, jemandem etwas böswillig antun“.

Vielleicht können die Leserinnen und Leser dieses Blogs etwas Licht ins Dunkel bringen.