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Ö: Sauce
D: Tunke, Soße

Das Wort „Tunke“ ist ein Kennwort des deutschen Deutsch, das für öster¬rei¬chi¬sche Ohren fremd klingt. Gemeint ist eine kalte oder warme Sauce. Der Aus¬druck „Heringsfilets in pikanter Tunke“ ist also genau so gut vorstellbar wie „Rin¬der¬braten mit Tunke“.

Allerdings ist „Tunke“ in Deutschland weit weniger gebräuchlich, als in Österreich angenommen wird. Über weite Strecken dominiert der Begriff „Soße“, eine eingedeutsche Variante von „Sauce“. Friedrich Torberg setzte sich vehement für die Schreibung „Sauce“ (und nicht „Soße“) ein, „schon weil es ihnen (den Österreichern) erspart, das unnatürliche und dem österreichischen Sprachgefühl höchst unwillkommene Schluss-e auszusprechen, welches ein echtes Anliegen der Soße ist“.

„Sauce“ ist aus französisch sauce entlehnt, das auf lateinisch salsa (= gesalzene, gewürzte Suppe) zurückgeht. „Tunke“ ist hingegen deutschen Ursprungs. Das Zeitwort „tunken“ ist schon im Althochdeutschen als duncôn, thuncôn belegt.

Thomas Bernhard lässt in seinem Dramolett „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen“ den von Bochum nach Wien übersiedelten Theaterdirektor mit den einleitenden Worten „... dann noch ne Mehlspeise ...“ einen „Millirahmstrudel mit Tunke“ bestellen – „Millirahmstrudel“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für „Milchrahmstrudel“, allerdings wird er – wie wir alle wissen – nicht mit „Tunke“ sondern mit „Vanillesauce“ angerichtet.