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Ö: Schnalle (im Sinn von Türschnalle)

D: Klinke, Drücker

Der Griff am Tür- oder Fensterverschluss heißt in Österreich, Baden-Württemberg und Bayern (nicht im Osten) „Schnalle“, ansonsten meist „Klinke“. In der Mitte Deutschlands und ganz im Norden sagt man auch „Drücker“. Wie der Wortatlas der deutschen Umgangssprachen zeigt, strahlt „Klinke“ nur nach Oberösterreich und Salzburg hinein, nicht in den Westen Österreichs. Dies hängt damit zusammen, dass nördlich von Tirol und Vorarlberg ebenfalls „Schnalle“ gebräuchlich ist. In der Bedeutung „Schuhschnalle“ und „Gürtelschnalle“ ist das Wort in Österreich und Deutschland in gleicher Weise gebräuchlich.

Im Mittelhochdeutschen hat snal so viel wie „schnelle Bewegung, das Schnalzen mit den Fingern, das Zuklappen einer Falle etc.“ bedeutet. Danach war snalle die Bezeichnung für einen Mechanismus, der so eine Bewegung voraussetzt, z. B. eine Schuhschnalle. „Schnalle“ ist auch ein mundartlicher Ausdruck für die weiblichen Genitalien, ursprünglich in der Jägersprache nur für das Geschlechtsteil der Wölfin und Füchsin (nach der Form eines bestimmten Typs von Schnallen). Die österreichische Redensart „Schnallendrücken sein“ bedeutet „an vielen Stellen vorsprechen, um etwas durchzusetzen“, das Gegenstück im deutschen Deutsch heißt „Klinken putzen“. Mit einem französierenden Ausdruck sagt man in Österreich „antichambrieren“ (= im Vorzimmer einer hochgestellten Persönlichkeit warten; durch beharrliches Vorsprechen bei einer Behörde etwas erreichen wollen); der Ausdruck veraltet allmählich.

Das Wort „Klinke“ ist schon im Mittelhochdeutschen und im Niederländischen als klinke zu finden, es leitet sich vermutlich von einem Zeitwort ab, das „festsitzen“, „gepackt sein“ bedeutet hat. Ein „Klinkenputzer“ ist ein Vertreter, der von Tür zu Tür geht und damit, ohne dass er es will, die Klinken putzt (= sauber macht, reinigt).