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Ö: Schuhpasta
D: Schuhpaste, Schuhwichse
Jene weiche Masse, die dünn auf das Oberleder von Schuhen aufgetragen wird, nennt man heute hochsprachlich/schriftsprachlich „Schuhcreme“. In Österreich sagt man umgangssprachlich „Schuhpasta“, in Deutschland „Schuhpaste“. Der Begriff „Schuhwichse“ war früher auch einmal in Österreich gebräuchlich, inzwischen ist er nicht mehr in Verwendung. In Deutschland veraltet „Schuhwichse“ wesentlich langsamer.

Das Wort „Pasta“ ist aus italienisch pasta entlehnt. In Österreich bleibt die italienische Endung meist erhalten, in Deutschland wird die Endung mit der Form „Paste“ eingedeutscht (außer bei „Zahnpasta“). So wie „Pasta“ und „Paste“ verhalten sich „Kassa“ und „Kasse“. Italienische Teigwaren heißen allerdings in Österreich wie in Deutschland „Pasta“.

Das Zeitwort „wichsen“ ist eine Variante zu „wächsen“, also „Wachs auftragen“, dann „blank reiben, putzen“ (vgl. wachseln). Im Mittelhochdeutschen bedeutet wihsen so viel wie „mit Wachs bestreichen“, d. h. „glänzend machen“. Das dazugehörende Hauptwort zu „wichsen“ ist „Wichs“. Die Redensart „sich in Wichs werfen/schmeißen“ (= sich fein anziehen) stammt aus der Studentensprache.

Die Vorstellung vom kräftigen, schnellen und wiederholten Streichen und Reiben beim Stiefelputzen hat zur Umdeutung von „wichsen“ auf „schlagen, prügeln“ geführt. Aus demselben Grund ist „wichsen“ auch ein Ausdruck für „masturbieren“ (bei männlichen Personen). Diese beiden Bedeutungsfelder sind auch in Österreich bekannt und gebräuchlich, vor allem umgangssprachlich und mundartlich. So singt Georg Danzer im „Legendären Wixerblues vom 7. Oktober 1976“: „I hob ka Freindin, / I hob ka Frau. / Hob bei de Weiba, / den Dauerhau. / Auf mi steht kane, / ja kruzifix! / Wos soll i mochn? / I wix, sunst nix.“

© Robert Sedlaczek


Macht den Unterschied zwischen österreichischem und deutschen Deutsch durch Erläuterung der Suffix-Abschwächung von "a" auf "e", der ein grundlegendes Differenzierungs-Merkmal zwischen beiden Sprachformen zu sein scheint, sehr gut deutlich.

--glaubauf karl, Montag, 8. Februar 2010, 11:50