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Ö: am
D: auf dem

In Österreich wird die Präposition „auf“ und der Artikel „dem“ recht oft zu „am“ verschmolzen. Bei uns heißt es also: „Sie wohnen lieber auf dem Land als in der Stadt“ und „Wir machen nächstes Jahr Urlaub am Bauernhof“.

Im Norden des Sprachraums wird „am“ nur mit der Bedeutung „an dem“ verwendet. Das kennen wir auch: „Das Fahrrad lehnt am Haus.“ Im Norden darf also „am“ nicht mit der Bedeutung „auf dem“ gebraucht werden.
Seit sich bei uns ein stärkeres Nationalbewusstsein herausgebildet hat, d. h. eine österreichische Identität jenseits der Identität aller Deutschsprechenden, sehen viele die Verwendung von „am“ im Sinn von „auf dem“ nicht mehr als Fehler an, sondern als österreichische Eigenheit. Auch das „Österreichische Wörterbuch“ sieht darin keinen Fehler mehr.

Und dennoch: Wenn ich in meiner Kolumne in der „Wiener Zeitung“ eine Wendung wie „der erste Mann am Mond“ gebrauche, dann bekomme ich eine größere Zahl von Leserbriefen. Grundtenor: „Wir haben doch in der Schule gelernt, dass das falsches Deutsch ist! Es muss heißen: ,Der erste Mann auf dem Mond‘!“

Und was meinen Sie? Sollen wir „am“ im Sinn von „auf dem“ bei uns als standardsprachlich korrekt einstufen?

Kleine Nachbemerkung: In der Umgangssprache des Südens wird „am“ auch anstelle von „auf den“ verwendet. „Was am Tisch kommt, wird gegessen!“ (statt: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen!) oder „Wer möchte gern am Turm ’naufssteign? (Wer möchte gerne auf den Turm hinaufsteigen?). In diesem Fall bin ich der Meinung, dass bei uns in der Schriftsprache „am“ nicht anstelle von „auf den“ verwendet werden darf.