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Hirte#

Hirtengruppe einer geschnitzten Weihnachtskrippe. Foto: Doris Wolf
Die ältere Volkskunde sah den Berufsstand als so wichtig an, dass sie von einer eigenen Hirtenkunst (z.B. Schnitzereien, Flöte, Peitsche) und Hirtenkultur sprach. Dazu zählten Heischebräuche zu Neujahr, im Fasching oder zum Beginn der Weidesaison. Es gab spezielle Patrone wie Jakobus, Wendelin, Wolfgang, Georg, Leonhard und Martin. Da sich die Hüter oft außerhalb des Dorfes aufhielten, sagte man ihnen zauberische Fähigkeiten nach, was wohl mit Kräuterkenntnis und Erfahrung zu tun hatte.

Zahlreich sind die Erwähnungen des Hirten mit einer Herde von Nutztieren in Literatur und Mythos: Im alten Ägypten, in der antiken Dichtung, in der romantischen Schäferlyrik bis zur modernen Cowboyromantik. Die Bibel verwendet die Gestalt als Metapher für Gott: "Der Herr ist mein Hirte; nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser" (Psalm 23). Der Fürsorge und Zuwendung der ihm Anvertrauten entspricht die Berufsbezeichnung "Pastor" für Geistliche. Darstellungen des Gleichnisses vom guten Hirten haben Vorbilder in der nichtchristlichen antiken Welt. In der Weihnachtsgeschichte erfahren Hirten als erste von der Geburt des Erlösers. Die österreichische Internet-Sagensammlung "sagen.at" enthält mehr als 600 Geschichten über Hirten, Schäfer und Sennerinnen.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 372 f.
Wikipedia: Hirte (Stand 3.3.2024)

Bild:
Hirtengruppe einer geschnitzten Weihnachtskrippe, 20. Jh., Foto: Doris Wolf


Siehe auch:
Hirtenbräuche in: Verschwundene BräucheDas Buch der untergegangenen RitualeHelga Maria WolfBrandstätter VerlagWien2015jetzt im Buch blättern