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Ährenkleidmadonna #

Darstellungen der "Maria im Ährenkleid" sind seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Sie zeigen eine jugendliche, stehende Madonna mit langem, blondem Haar und gefalteten Händen. Maria trägt ein langes Kleid mit einem bis zum Boden reichenden goldenen Gürtel. Der dunkelblaue Kleiderstoff ist mit goldenen Ähren gemustert, die Bordüren am Halsausschnitt und bei den Ärmeln erinnern an Strahlenkränze. Die (manchmal schwanger gezeigte) Maria steht meist auf einer Blumenwiese, den Hintergrund bildet oft ein gestirnter Himmel, auch Engel können zu sehen sein. 

Bekannte Gnadenbilder dieser Art befinden sich in Straßengel bei Graz (Steiermark), Imbach und Zwettl (Niederösterreich), Ehrenburg in Südtirol (Italien), Budweis und Karlsbad (Tschechische Republik). Das durch Holzschnitte vermittelte Vorbild war eine Silberstatue im Mailänder Dom, die besonders von den Deutschen verehrt wurde. Nachdem die Figur beim Neubau (ab 1387) verloren ging, wurde sie nach einem Jahrhundert durch Förderung von Katharina Visconti ersetzt. Die Herzogin soll den gemusterten Stoff (ihr eigenes Brautkleid) zur Bekleidung des Gnadenbildes gespendet haben. Eine andere Deutung bezieht sich auf ein Zitat des Kirchenlehrers Albertus Magnus (um 1200-1280). Er bezeichnete Maria als "Feld, auf dem das Korn des Heiles wächst". Die Verbreitung des Bildtypus erfolgte von der Lombardei nach Süddeutschland. Viele Ährenkleidmadonnen wurden Wallfahrtsziele, das Gnadenbild sollte werdenden Müttern und Gefangenen helfen.


Quellen:
Hans Aurenhammer: Marianische Gnadenbilder in Niederösterreich. Wien 1956. S. 137 f.
Handbuch der Marienkunde (Hg. Wolfgang Beinert und Heinrich Petri). Regensburg 1984. S. 871