Ablass#

Ablass
Ablass-Gebet, 19. Jh. Gemeinfrei

Der Ablass (Indulgentia) wurzelt in der frühmittelalterlichen Bußpraxis. An Stelle der einmaligen sakramentalen Buße (oft am Lebensende) wurde es nun möglich, das Bußsakrament mehrmals zu empfangen. Für die einzelnen Sünden gab es bestimmte Tarife der Bußwerke. Diese konnten auch durch Spenden abgegolten, von anderen Personen übernommen oder von der Kirche unter bestimmten Bedingungen "abgelassen" werden. Aufgrund der Annahme, dass die Gemeinschaft der Kirche Lebende und Tote umfasst, durfte man den Verstorbenen Ablässe zuwenden. 

Im 16. Jahrhundert waren Missbräuche des Ablasswesens ein Auslöser der Kirchenspaltung. Hingegen lehrte das Konzil von Trient (1545-1563), Ablässe seien segensvoll und beizubehalten. Zugrunde lag die offzielle katholische Lehre von den "Sündenstrafen". Demnach führen Sünden einen Schuldzustand im Menschen herbei und werden überdies von Gott bestraft, allerdings wird nicht gesagt, in welcher Art. Auch wenn die Schuld durch Reue und Vergebung getilgt ist, können die Sündenstrafen weiter bestehen. Schon bei den Kirchenvätern des 3. Jahrhunderts findet sich die Auffassung, ein "schwerer Sünder" müsse, auch wenn er im Bußsakrament Versöhnung mit Gott und der Kirche erlangt habe, durch Bußleistungen die seine Umkehr dokumentieren. Habe er diese Leistungen im Diesseits nicht erbracht, müsse er sie im Jenseits nachholen. Als Ort dafür wurde das Fegfeuer (Purgatorium) angenommen. 

Die reformatorische Theologie lehnte das Fegfeuer, ebenso wie Gebete und Ablässe für Verstorbene, mangels biblischer Begründung ab. Das Konzil von Trient hielt an der Lehre vom Purgatorium fest, und dass den dort festgehaltenen "Seelen" durch Messopfer und Fürbitten geholfen werden könne. 

Zu Ostern 1782 besuchte Papst Pius VI. (1717-1799) Wien, um Kaiser Joseph II. von seinen Reformen abzubringen. Nach einem Gottesdienst im Stephansdom spendete er vom Balkon der Kirche Am Hof den Segen, 30.000 Gläubige waren gekommen. Bei der Zeremonie trugen die Kardinäle Roben mit Schleppen, der Papst die Tiara. "Und so bestieg er unter Begleitung der genannten drei Kardinäle, der beiden anwesenden Bischöfe in ihrer blauen Kleidung und unter Vortragung des päpstlichen Kreuzes durch den Subdiakon in blauer Kappe, zwischen zwei silbernen Leuchtern mit aufgesteckten brennenden Wachskerzen … den Balkon." Begleitet von der Hofmusikkapelle erteilte Pius VI. die Absolution und segnete die Gläubigen dreimal. Gleichzeitig ertönten Kanonenschüsse von den Stadtmauern, "um alle Gläubigen zum vorgeschriebenen Gebet zur Erlangung des verheißenen vollkommenen Ablasses zu ermahnen."

Aktuell wird Ablass definiert als "Nachlass zeitlicher Strafen vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist". (CIC von 1983, can. 992). Es kann je nach der erbrachten Voraussetzung ein "vollkommener" oder ein Teilablass sein. Im "Heiligen Jahr 2000" konnte man einen Jubiläumsablass erlangen. Pilgern, die im Paulusjahr (2008/09) das Grab des Völkerapostels in St. Paul vor den Mauern in Rom besuchen, wurde ein vollkommener Ablass gewährt. Er konnte auch in von den Bischöfen dafür festgelegten Kirchen erlangt werden. Für den Empfang des Jubiläumsablasses waren die sakramentale Beichte, die Teilnahme an der Eucharistie, ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters und "Handlungen der Nächstenliebe, die eine echte Umkehr des Herzens zum Ausdruck bringen", Voraussetzung.


Quellen:
Gerhard Robert Coeckhelberge zu Dützele ("Realis") Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Wien 1846. I/182
Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch. Freiburg/Br. 2000. S. 18 f., 189 f., 601
Informationsblatt zum Jubeljahr 2000, Hg. Pastoralamt der Erzdiözese Wien
Paulusjahr