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Agnus Dei #

Agnus Dei
"O Jesu, wahres Osterlamm…". Kleines Andachtsbild, 19. Jahrhundert. Gemeinfrei

Die dreifache Akklamation zur Brotbrechung in der Messe wurde vom syrischen Papst Sergius I. (+ 701) eingeführt. Sie erinnert an mehrere Bibelstellen. Johannes der Täufer sprach, als Jesus zu ihm kam: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt" (Joh 1,29). Schon im vierten Lied vom Gottesknecht bei Deuterojesaja (Jes 53,7) ist die Rede vom Opferlamm, zitiert in der Apostelgeschichte (Apg 8, 32-35) und in der Apokalypse (Offb 5). 

Agnus Dei heißen auch Devotionalien, die - seit dem 8. Jahrhundert in Rom - aus dem Wachs der Osterkerze geformt und am Weißen Sonntag an die Gläubigen verteilt wurden. Sie trugen das Bild des Osterlamms und wurden im 15. Jahrhundert nur alle sieben Jahre von den Päpsten in einem langen Ritual geweiht. Das steigerte die Wertschätzung der Sakramentalien, die bis zum Verbot 1572 in Form der Klosterarbeiten künstlerisch gestaltet wurden. Als Anhänger um den Hals getragen, versprach man sich davon Segen für die eigene Person, bzw. in Haus und Hof angebracht, Wettersegen und Unheil abwehrende Wirkung. In dieser Funktion waren sie noch in den 1920er-Jahren in Deutschland üblich.


Quellen: Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 9
Rupert Berger: Neues Pastoralliturgisches Handlexikon. Freiburg/Br. 1999. S. 8
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 1/Sp. 215 f.