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Allerseelen #

Einblattdruck, um 1860. Gemeinfrei
Einblattdruck, um 1860. Gemeinfrei

Seit dem 2. Jahrhundert gibt es Zeugnisse, dass Gebete für Verstorbene an bestimmten Tagen (am 3., 7., 30., 40. Tag nach dem Begräbnis oder am Jahrestag) mit der Messfeier verbunden wurden. Später widmeten die Klöster einen Tag dem Gedenken ihrer verstorbenen Mitglieder. Kurz vor der Jahrtausendwende rief Abt Odilo von Cluny (994-1048) in seinen Gemeinschaften zum festlichen Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen am 2. November auf. 1006 ordnete Papst Johannes XVIII. (+ 1009) die allgemeine Feier des Allerseelenfestes an.
Allerheiligen und Allerseelen sind die bevorzugten Tage für Friedhofsandachten und Gräberbesuche. Es ist Brauch, die Grabstätten mit Kerzen, Kränzen und Blumen zu schmücken. In den Städten werden diese an eigenen Ständen vor den Friedhofstoren verkauft. 1908 hieß es: "Noch vor etwa einem Menschenalter (d.h. vor der Eröffnung des Zentralfriedhofs, 1874) hielten sehr viele Wiener wenig auf die Gräberausschmückung und es war hauptsächlich ein Verdienst mehrerer Pfarrer…, dass man in weiteren Kreisen begann, den Grabstätten der dahingeschiedenen Verwandten mehr Sorgfalt zuzuwenden." Leopold Schmidt schrieb 1940: "Im allgemeinen ist der Brauch des Gräberschmuckes nicht sehr fest umrissen. Blumen und Kränze gehören hier erwähnt; außer ihnen kommen Wachslichter auf das Grab, welche man herabbrennen läßt."

Die Wiener Theater hatten am 1. und 2. November besondere Allerseelenstücke auf dem Programm. 1717 spielte erstmals das Kärntnertortheater "Don Juan oder Das steinerne Gastmahl". Neben klassischen Themen wie "Macbeth"-Bearbeitungen führte man Gruselstücke auf, bei denen sich das Publikum dennoch amüsierte. 1792-1800 gab das Kärtnertortheater "Rudolf von Felseck oder Die Schwarzthaler Mühle". Emanuel Schikaneder schrieb für das Freihaustheater "Schwert der Gerechtigkeit" (1792-1795 aufgeführt), 1830 entstand das in diesem Genre klassische Stück "Der Müller und sein Kind".

Auf dem Lande war ein Heischebrauch mit Allerseelen verbunden. Kinder gingen mit einem Spruch zu den Bauernhäusern und baten um Striezel, Brot oder Wecken. In Oberösterreich war das "Seelbrotgehen" im Inn- und Mühlviertel üblich, bis zu 600 Stück Gebäck sollen von einem Bauern verschenkt worden sein. In Salzburg konzentrierte sich der Brauch auf Lofer und Lamprechtshausen und bestand bis in die 1930er- Jahre.

An den Toren der Friedhöfe sammeln Angehörige des Österreichischen Bundesheeres für die Kriegsgräberforsorge "Schwarzes Kreuz". Diese sorgt für die Erhaltung der Gräber von in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten. Zur Erinnerung an die Verkehrstoten stehen zahlreiche weiße Kreuze an den Straßen.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 1/S. 52 f.
Reinhard E. Petermann: Wien im Zeitalter Kaiser Franz Josephs I. Wien 1908. S. 395
Leopold Schmidt: Wiener Volkskunde. Wien 1940. S. 55
Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003. S. 166
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 213
Karl Zinnburg: Salzburger Volksbräuche. Salzburg 1972
24 Stunden Wien. Oktober 2011
Weiße Kreuze

Bild 'Feste'

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