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Alraune, Alraun#

'Alräunchen. Aus: Realis: Curiositäten-Lexikon, 1846
"Alräunchen. Aus: Realis: Curiositäten-Lexikon, 1846

Als Alraunpflanze, die schon in der Antike bekannt war, gilt Mandragora offizinarum L., ein Nachtschattengewächs mit grüngelber Blüte und kugeligen Beeren. Die Wurzel, in der man menschliche Gestalten zu erkennen glaubte, und die Giftstoffe (Alkaloide) führten zum magischen Gebrauch. Alraunen fanden vor allem im Liebeszauber und als Betäubungsmittel Verwendung. Sie waren schon im alten Ägypten bekannt. Der Geschichtsschreiber Josephus Flavius (37-100) berichtete von ihrer komplizierten Gewinnung - mithilfe eines schwarzen Hundes -, Gefahren und Zauberkraft. Ähnliches glaubte ein Jahrtausend später Hildegard von Bingen (1098-1179) die sie, nach entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen, als Heilmittel empfahl. Da die Mandragora nur im Mittelmeerraum vorkommt, behalf man sich in nördlicheren Regionen mit Wurzeln einheimischer Gewächse, wie Rübe, Enzian oder Iris. 

Bis ins 20. Jahrhundert wurde schwunghafter Handel mit Alraunen getrieben. Man sagte ihnen vielerlei Wirkung nach: Reichtum, Gesundheit oder die Liebe einer bestimmten Person erwerben, Schätze finden, Prozesse gewinnen, Hexen vertreiben. Auch in Hexenprozessen spielte die Wurzel eine Rolle. 

In Literatur und Redensarten kommt die Alraune oft vor: Der Spruchdichter Hans Sachs (1494-1576) weiß von gefälschten Alraunen. Der englische Dramatiker William Shakespeare (1564-1616) kennt die "Mandrake" (Mandragora). Der Autor Hans Jakob Grimmelshausen (1622-1676) schreibt mehrfach über das "Galgenmännlein". Die Dichter der deutschen Romantik verfassen Novellen darüber und Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) lässt in seinem "Faust" den Mephisto von Alraunen und schwarzen Hunden sprechen. 

In Wien sagte man, wenn jemand Glück im Spiel hatte: "Der muß ein Alraunl im Sack haben". Kaiser Rudolf II. (1552-1612), besaß ein in Samt gekleidetes "Männchen" bzw. "Weibchen". Sie trugen die Namen Thridacias und Marion. Auch eine Alraune in Form eines Kruzifixes zählte zu seiner Kunst- und Wundersammlung, der größten jener Zeit.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 17
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd.1/Sp. 312 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd. 1/S. 76