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Armenier
Katalog der Mechitaristen-Bibliothek, in armenischer Schrift

Armenien liegt in Kleinasien am Fuß des Berges Ararat und hat ca. 8 Millionen Einwohner. Seit der Antike war das Land, das sich "Schlüssel Asiens" nennt, Zankapfel verschiedener Mächte. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Wien zu einem wichtigen Siedlungsplatz für Armenier. Sie waren hier die ersten Kaffeesieder - Johannes Diodato (um 1640 - 1725) und Isac de Luca (+ 1729) . Andere betätigten sich als Händler, Dolmetscher, Ärzte und Handwerker oder standen im Dienst des Hofkriegsrates. Kaiser Leopold I. (1640-1705) zeigte infolge der Türkenkriege besondere Sympathie für die Armenier. Die Wiener Kaufleute hingegen klagten über die Konkurrenz der Ansiedler, deren Herkunftsland am Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen lag. 

Die meisten waren armenisch-katholisch. Seit 1810 besteht das Mechitaristenkloster im 7. Bezirk, Mechitaristengasse 4. Schon 1775 hatte Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) die Ordensniederlassung in Triest gefördert, die 1810 unter Kaiser Franz I. nach Wien übersiedelte. Von Anfang an widmeten sich die Mönche der Pflege ihrer Sprache, Geschichte und Literatur und gründeten eine polyglotte Buchdruckerei. Sie ist bis heute für den hohen Standard im Fremdsprachensatz (mit armenischen, griechischen, hebräischen, cyrillischen und arabischen Lettern) bekannt. Die Bibliothek der Wiener Mechitaristen - mit 170.000 Bänden, davon 2.600 armenischen Handschriften - zählt zu den bedeutendsten der Welt. Dazu kommt das Museum, das eine wertvolle Münzkollektion enthält. An der Gestaltung der 1874 von Camillo Sitte (1843-1903)umgebauten Klosterkirche arbeiteten bekannte Künstler des Historismus wie Theophil Hansen (1813-1891), Heinrich Ferstel (1828-1883, Hochaltar) und Ludwig Schnorr von Carolsfeld (1788-1853). 2011 wurde die Kirche in ihrer originalen Farbigkeit restauriert.


Quellen:
Mari Kristin Arat: Die Wiener Mechitaristen. Wien 1990
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 1/S. 158
Informationen des Mecharistenklosters