Asyl #

Asyl
Das Schottenkloster auf der Freyung, Wien 1, im 16. Jahrhundert. Aus: Wilhelm Kisch: Die alten Straßen und Plätze Wiens. Wiens 1883. S. 202

Zufluchtsorte für Verfolgte bestanden schon in der Antike z.B. in Assyrien und Ägypten in Tempeln und bei Statuen. Das Tempelasyl in Griechenland (Asylos topos) bot sakral-magischen Schutz. Dahinter standen aber auch die humanitären Ideale des Mitleids und der Gastfreundschaft. Verfolgte konnten sich im Heiligtum für eine bestimmte Zeit der Lynchjustiz entziehen. Im Alten Testament findet sich schon 1000 v. Chr. eine Reihe von Zitaten und Regelungen zum Asylrecht. (z.B. Jes. 16,3; Ex. 21,13; Num. 35, 6.15.22, 2 Kön 11.3; Jos. 20,4) Hier schien vor allem der Schutz vor der Blutrache wichtig, zu der die Angehörigen des Opfers verpflichtet waren. Im Fränkischen Reich war jemand, der in einer Kirche Zuflucht gefunden hatte, für die Staatsgewalt unangreifbar. Dieses Recht wurde in der Karolingerzeit (751-911) nicht mehr toleriert. Von der Todesstrafe Bedrohte mussten ausgeliefert werden. Mit der Zeit gewährten die Kirchen nur noch so lange Schutz, bis der Täter vor den ordentlichen Richter treten konnte. Auch weltlichen Freihöfen und Städten wurde Asylgerechtigkeit verliehen. In manchen Herbergen gab es Freibänke und Freitische. Die ersten Habsburger bezogen auch Bürgerhäuser in das Recht ein. 

Die Freyung in Wien verdankt dem Asylrecht ihren Namen. Das vor der Stadtmauer gelegene Kloster der irischen Mönche (Schottenkloster) dürfte es seit seiner Gründung 1161 ausgeübt haben. Verbrieft wurde es für alle Wiener Kirchen durch den Babenbergerherzog Leopold VI.(1176-1230). Die Erinnerung daran hat sich lange Zeit im Kinderspiel erhalten: Wer den schützenden Zufluchtsort erreicht, ruft "Leo". Während den anderen Kirchen Anfang des 18. Jahrhunderts das Asylrecht abgesprochen wurde, verblieb es den Schotten als einzigen bis 1775. 

In Magie und Zauberglauben galten Haus, Herd oder Bett als Asyl gegen böse Mächte. Man hoffte, sich auch durch einen Zauberkreis oder Kreuzzeichen vor diesen zu schützen.


Quellen: 
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 1/Sp. 645 f.
Rudolf Hoke: Österreichische und deutsche Rechtsgeschichte.Wien 1992. S. 26
Matthias Morgenroth: Kirchenasyl in der Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden 2003
Hertha Wohlrab: Die Freyung. Wien 1971. S. 18 f.
Wikipedia: Kirchenasyl (Stand: 23.4.2009)