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Barbarazweige#

Barbarazweige. Foto: Doris Wolf
Barbarazweige. Foto: Doris Wolf

Am 4. Dezember, dem Tag der hl.Barbara, von Kirschen oder anderen Obstbäumen geschnittene Zweige waren ein beliebtes Ernte- und Liebes-Orakel. Auch heute freut man sich, wenn sie daheim bis Weihnachten aufblühen. Um dies zu erreichen, sollte man sie unter besonderen Bedingungen schneiden (vor Sonnenaufgang oder beim Vesperläuten), oft wässern und zum Ofen stellen. Je reicher dieBlüten am Christtag erschienen, umso üppiger falle die Ernte aus, glaubte man. Manche versahen die Zweige mit Namenskärtchen, um daraus das persönliche Schicksal zu ergründen. In Wien trugen die Zweige Kärtchen mit Nummern, zeigte sich eine Blüte, wurde die entsprechende Zahl in der Lotterie gesetzt. Da man den Barbarazweigen magische Wirkungen nachsagte, sollten sie Verborgenes sichtbar machen, wenn man sie in die Christmette mitnahm.

Eine erklärende Legende will wissen, dass sich ein Kirschzweig im Kleid der Märtyrerin Barbara verfing, als man sie in den Kerker führte. Sie wässerte den Zweig ein, der an ihrem Todestag aufblühte. Die mittelalterliche Legendenliteratur stellte eine Analogie zum grünenden Stab Aarons her.

Bei der im Frühjahr 2016 durchgeführten IMAS-Umfrage "Traditionen und Bräuche" (Archiv Nr. 016041) gaben 51% an, das Aufstellen von Barbarazweigen zu kennen und 24%, selbst zu begehen.


Quelle: Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur & Geschichte. Wien 2005. S. 35