Baum #

Maria Dreieichen

Bäume spielen im Alltag eine ebenso wichtige Rolle wie in Brauch und Kultur. Die Landgüterverordnung (Capitulare de villis vel curtis imperii) Karls des Großen (747-814) nennt unter den Nutzpflanzen, die in allen kaiserlichen Gütern angepflanzt werden sollten, 16 Obstbäume. Darunter sind bekannte wie Apfel, Nuss oder Kirsche (aber keine Birne) und selten gewordene wie Maulbeere, Quitte oder Esskastanie. Holz war und ist ein wertvolles Material zur Herstellung von Gegenständen, zum Bauen oder als Brennstoff. 

Bäume gelten als Symbol des Lebens, deshalb ist es bei Geburten oder Hochzeiten Brauch, ein Bäumchen zu setzen. Auch gefällte Bäume oder Teile davon spielen eine Rolle. Leopold Schmidt (1912-1981) nennt Maibaum, Sonnwendbaum, Hüterbaum und Kirtagbaum als Festbäume. Dazu kommen temporäre Zeichen wie der Christbaum, der Firstbaum bei der Gleichenfeier und Palmbuschen oder Fronleichnamsgrün, die nach der kirchlichen Feier als Segen bringend mit nach Hause genommen werden. Am Matthiastag (24. Februar) war es Brauch, die Obstbäume zu schütteln, damit sie reiche Frucht tragen. 

In vielen Kulturen genießen Bäume religiöse Verehrung und fanden magische Verwendung. Man dachte sie als Sitz der (Lebens-)geister oder Seelen, oder selbst als beseelt. Schädigungen von Bäumen galten als Frevel, zum Fällen bestimmte Bäume sollte man um Verzeihung bitten. Sie dienten als Orakel (in der Andreasnacht geschüttelt, sollten sie den Zukünftigen erkennen lassen). Gutes Gedeihen eines Baumes bedeutete Glück und Vitalität für die Familienmitglieder, aus ungewöhnlichem Blühen oder Geräuschen schloss man auf Unglück. Im Heilzauber wurden Krankheiten übertragen, Kranke mussten durch gespaltene Bäume (wie auch durch ungewöhnliche Steinformationen) kriechen, um das Leiden dort abzustreifen. An Bäumen angebrachte Bilder (Bildereiche, Waldandacht) führten zur Entstehung von Wallfahrtsorten (z.B. Maria Dreieichen). 

Redensarten reichem vom optimistischen Zitat "Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen," das Martin Luther (1483-1546) zugeschrieben wird, aber aus dem Jahr 1944 stammen soll, bis zum pessimistischen Spruch der Umweltbewegung "Erst stirbt der Baum, dann stirbt der Mensch".


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 69.
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 1/Sp. 954 f.
Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich,Horn 1972. Bd. 2/S. 218
Wikipedia: Capitulare de villis(Stand: 5.5.09)
Wikipedia: Martin Luther (Stand: 5.5.09)

Bild: Wallfahrtsandenken aus Maria Dreieichen (Niederösterreich). Kleines Andachtsbild, 19. Jahrhundert. Gemeinfrei