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Bestattung#

Friedhof in Wien, Foto: Doris Wolf, 2013
Friedhof in Wien, Foto: Doris Wolf, 2013

Beim Bestatten gab es aus vielen Gründen - Fürsorge für den Verstorbenen, Angst vor dem Toten, Trost für die Hinterbliebenen - eine Fülle von Bräuchen und Ritualen. Sie wurden von der Familie, Freunden, Helfern aus religiösen oder sozialen Gemeinschaften bzw. professionellen Bestattern vollzogen. In ländlichen Gemeinden war bis in die jüngste Vergangenheit die Hausaufbahrung und die Totenwache üblich, bei der von den Dorfbewohnern für das Seelenheil des Verstorbenen gebetet und spezielle Lieder gesungen wurden. Der Trauerzug führte dann zum Requiem in die Kirche und auf den Friedhof.

Eleonore von Mantua (1598-1655), die Witwe Kaiser Ferdinand III., begründete in Wien eine Totenbruderschaft, die 1643 vom Papst bestätigt und 1783 aufgehoben wurde. Ihr Sitz war in der Georgskapelle der Augustinerkirche. Die Mitglieder, darunter viele Adelige, hatten es sich zur Aufgabe gemacht, Hingerichtete auf einem geweihten Friedhof zu begraben. Der Armensünder-Gottesacker befand sich in der Gegend des Karlplatzes (Wien 1). Sie erschienen in langen, schwarzen Kapuzenmänteln mit dem Bruderschaftszeichen (Totenkopf und gekreuzten Knochen) in Prozession.

Den Wienern wird eine besondere Vorliebe für die "schöne Leich" (prunkvolle Bestattung) nachgesagt, wobei es sich wohl nur um ein Vorurteil handelt. Auch aus anderen Ländern sind aus dem Mittelalter obrigkeitliche Bestimmungen bekannt, die übermäßigen Luxus bei den Begräbnissen und Totenmählern verbieten. 1310 verbot ein Provinzialkonzil in Trier Übertreibungen bei Androhung der Exkommunikation. 1573 rügte ein deutscher Prediger, dass er oft weit mehr als 100 alkoholisierte Gäste antraf und "Sackpfeifer, Leierer und Trommelschläger geholt wurden, um der Seele, wie man gesagt hatte, aufzuspielen und sie in den Himmel zu geleiten." Zu den Totenfeiern ließen Bürger im 16. bis 18. Jahrhundert durch die weiß gekleidete "Bittfrau" oder den "Leichenbitter" einladen. Seit Maria Theresias Zeiten (Stolpatent 1751) standen die Konduktansager im Dienst der Kirche und waren für alle Leichenbegängnisse einer Pfarre verantwortlich, auch Mesner übten diese Arbeit aus. An die Pfarre waren, je nach sozialem Stand, Stolgebühren zu entrichten.

Zu den Reformen Kaiser Joseph II. zählte die Auflassung von Friedhöfen in den Vorstädten Wiens und die Anlage von neuen außerhalb des Linienwalls: Gottesacker vor der St. Marxer Linie, vor der Matzleinsdorfer Linie, vor der Hundsturmer Linie, vor der Währinger Linie, vor der Mariahilfer Linie und der Evangelische Friedhof. Zugleich wurde verordnet, dass die Toten nicht in Särgen, sondern in Leinensäcken beerdigt und Särge mit ausklappbarem Boden verwendet werden sollten. Der Widerstand gegen die Begräbnisordnung war aber so beachtlich, dass der Kaiser diese Bestimmung bald zurücknahm. Er verfügte, "… dass ich keinen Menschen, der nicht davon überzeugt ist, zwingen will, vernünftig zu sein und dass also ein Jeder, was die Truhen anbelangt, tun kann, was er für seinen toten Körper zum voraus für das angenehmste hält."

Bis zum Ersten Weltkrieg war auch in Wien die Hausaufbahrung üblich. Dabei gab es sieben Klassen der Ausstattungsmöglichkeiten mit Draperien, Leuchten und Kerzen. Als Farbe der Trauer galt traditionell Schwarz. Bei Verstorbenen ledigen Standes war die Dekoration bei der Aufbahrung blau, auf einem weißen Atlaskissen lag ein Myrthenkranz. Verschwenderisch erschien die Pracht bei Totenfeiern und Begräbnissen für Mitglieder des Kaiserhauses und Adels. Einen Eindruck davon konnte man am 16. Juli 2011 beim Begräbnis Otto von Habsburgs bekommen.

Dem Trend zur Naturbestattung tragen private Unternehmen zunehmend Rechnung. Im "Wald der Ewigkeit" in Penzing wird die Asche eines Verstorbenen rund um die Wurzeln eines von zwölf Bäumen beigesetzt. Sehr beliebt sind auch Wasserbestattungen auf der Donau (Kosten: 2.000 Euro). Bei der Abschieds-Zeremonie auf einem Schiff wird die Asche in der Mitte des Stroms auf einem Teppich aus Rosenblüten beigesetzt. Schließlich besteht die Möglichkeit eines "Erinnerungsdiamanten", der auch der Asche hergestellt wird. (Kosten: ab 4.000 Euro).


Quellen:
Der Weg in die Stille, Wien 1967
Zur Geschichte des Bestattungswesens in Wien, Wien 1982
Gerhard Robert Coeckhelberge zu Dützele ("Realis") Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien. Wien 1846. I/167
"Weekend" Nr. 19/2011
Kathpress
Trends


Siehe auch
--> Bestattungsmuseum