Bett#

Bett

Die ursprüngliche Wortbedeutung war "Schlafgrube", anfangs schlief man in Europa auf dem Boden oder auf einer Bank. In den alten Hochkulturen wie Babylonien oder Ägypten wurden Betten benutzt. Bilder aus dem 12. Jahrhundert zeigen das Bettgestell als Pfostenkonstruktion mit einem Baldachin als Raumabgrenzung und Wärmeschutz. Im 15. Jahrhundert erscheint der Baldachin aus Holz. Solche Betten waren weniger "Möbel" als wandfeste Verschläge (Schlafhäuser). Sie befanden sich in ungeheizten Räumen, Strohsäcke ersetzten die Matratzen. Der Bettstaffel diente als Einstiegshilfe in die hohe Liegestatt und Gewandtruhe. Bis ins 19. Jahrhundert waren im bäuerlichen Bereich kurze (weil man mehr saß als lag) "Himmelbetten" im Gebrauch. Sie wurden teilweise von Aufsatzbetten abgelöst, deren Kopfbrett in reichen Häusern bemalt oder geschnitzt war. Mit der Aussteuer wurde das Ehebett als erstes in die Wohnung geführt. Hersteller waren Tischler, Drechsler oder Zimmerleute und - seit dem 16. Jahrhundert - handwerkliche Maler. Die Volkskundemuseen bewahren prächtige Exemplare z.B. vom Typus der Alpbacher Möbel (1624-1810) oder Florianer Betten aus dem Umkreis des Stiftes St. Florian (Oberösterreich) auf. 

Christliche Motive betonten die Segnung der Liegestatt. Auch magisches Denken war dabei nicht selten: Das Fußende sollte nicht zur Tür zeigen (um nicht als Toter hinausgetragen zu werden). Das Bett der Wöchnerin durfte nicht verschoben werden (weil das Kind sonst unruhig würde). Man fürchtete Geister wie den Alp, der böse Träume verursachte. Das Rütteln des Bettstaffels wurde als Heiratsorakel in der Andreasnacht geübt. 

Es war nicht selbstverständlich, dass jeder sein eigenes Bett hatte. Knechte mussten mit einer Pritsche im Stall Vorlieb nehmen. Für Kinder gab es oft Tafel- oder Kastenbetten, die im geschlossenen Zustand als Tisch verwendet werden konnten. Zum Schlafen hob man die Platte weg. Neben dem Kachelofen stand das Ausziehbett, die Ofenbank, als Vorläufer des Sofas (Kanapee, Ottoman). Es diente als Tagesliege des Hausherrn. 

Im städtischen Proletariat gab es die Einrichtung der "Bettgeher". Ihr Status war noch geringer als jener der Untermieter, da sie nur die Schlafgelegenheit gemietet hatten. Dienstboten mussten oft mit Tafelbetten vorlieb nehmen.


Quellen: 
Klaus Beitl: Landmöbel. Salzburg 1976
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd. 1/Sp. 1184 f.
Leopold Schmidt: Volkskunst in Österreich. Wien 1966. S. 109 f.

Bild: Bemaltes Himmelbett, ehem. Niederösterreichisches Museum für Volkskultur, Groß-Schweinbarth. Foto: Helga Maria Wolf, 2009