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Beuschel#

Als Beuschel bezeichnet man in Wien eine österreichische Spezialität, die in Oberösterreich Lingerl genannt wird. Es handelt sich um die Lungenflügel und das Herz eines Kalbes, die geröstet und gekocht, meist mit Knödel als Beilage serviert werden. Die Würze ("Beuschelkräutl") besteht aus Salzgurken, Kapern, Sardellenfilet, Zwiebel, Petersilie und Knoblauch. Die Zubereitung des etwas säuerlichen Gerichts aus Innereien gilt als "Prüfstein" für ein Beisl. In Suppen findet man Lungenstrudel und Fischbeuschel (Rogen). 

Eine Mischung aus Innereien des Rindes wird Bruckfleisch genannt. Der Name weist darauf hin, dass es frisch - direkt von der Schlagbrücke weg - verarbeitet werden soll. Die heutige Schwedenbrücke über den Donaukanal - bis 1782 die einzige Verbindung zwischen der Innenstadt und Leopoldstadt - hieß früher Schlagbrücke. Mitte des 15. Jahrhunderts mussten die für die nahen Fleischbänke bestimmten Rinder dort ("auf der Schlachtpruckh bei dem rothen Turm") geschlachtet werden.

Beuschel und andere Innereien zählen zum Kulinarischen Erbe Österreich.

Redensarten: Beuschelreißer heißt im Wienerischen eine starke Zigarette, ein starker Schnaps oder ein Betrüger. "Da haut’s dir’s Beuschel ausse" beschreibt treffend einen Hustenanfall. Die Redewendung "sich das Beuschel aus dem Leib reden" bedeutet so viel wie "sich den Mund fusselig reden".


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5/S.92
Franz Maier-Bruck: Das Große Sacher Kochbuch. München 1975. S. 318 f., 321
Kulinarisches Erbe