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Bilderbogen#

Drucke mit farbigen Bilderreihen und kurzen Texten wurden im deutschsprachigen Raum auf Jahrmärkten und durch Hausierer vertrieben. Inhalt waren Geschichten, Legenden und Moritaten. Reformatoren und Gegenreformatoren setzten die Druckerzeugnisse als Massenmedien für ihre Zwecke ein. Im 16. Jahrhundert war Nürnberg ein Zentrum der Produktion. Die illustrierten, billigen Drucke sollten der "Unterhaltung und Belehrung" dienen. Da Mehrfarbendrucke noch nicht möglich waren, wurden die Bilder mit Schablonen ("Patronen") von Frauen und Kindern handkoloriert. Mehrere ähnliche Motive befanden sich wie auf einem Ausschneidebogen auf einem Blatt: Blumen, Tiere, Veduten, Landschaften, pädagogische Inhalte, Papiertheater... 

Am bekanntesten waren die in Auflagen von mehreren 10.000 Exemplaren verbreiteten "Neuruppiner Bilderbogen". Vor 1800 stellte dort der Buchdrucker Johann Bernhard Kühn (1750 -1826) Bilderbogen von Holzschnitten her. Gustav Kühn (1794-1868) führte in der väterlichen Firma die Techniken des Stahl- und Kupferstiches ein. Viele Bilder und Geschichten stammten von ihm selbst. 1825 erhöhte eine lithographische Schnellpresse die Produktion. Der Verlag bestand rund 120 Jahre lang, bis 1939 produzierte er mehr als 10.000 verschiedene Muster. 

In Wien ist "die kleine Welt des Bilderbogens" untrennbar mit dem Verlag Trentsensky verbunden. Matthäus Trentsensky (1790-1868) gründete 1819 die Lithographische Anstalt auf der Landstraße mit einem Verkaufslokal auf dem Stephansplatz. Seine "Mandlbogen" waren vor allem für Bürgerkinder gedacht. Später bekannte Maler wie Moritz Schwind (1804-1871) oder Josef Kriehuber (1800-1876) begannen hier ihre künstlerische Karriere. Vielfältig war die Thematik der Bilderbogen für Kinder und Erwachsene: Landleben, Tiere, Papiertheater, Schattenspielfiguren, "Wiener Bilder" (Berufe), Ritter, Soldaten, Genrebilder, satirische Bilder, Spiele, Bräuche, fremde Länder, Eisenbahnen, Aktuelles und Historisches.

Aus der Tradition der Münchener Bilderbogen entstand 1903 der Adventkalender des Verlegers Gerhard Lang. 


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde, Stuttgart 1974. S. 88 f.
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 5/S. 475
Ausstellungskatalog "Die kleine Welt des Bilderbogens". Historisches Museum der Stadt Wien 1977
Wikipedia: Bilderbogen (Stand: 5.5.09)