Bohne #

Die Saubohne (Vitia faba) war schon in vorgeschichtlicher Zeit eine Feldfrucht. Die Gemüsebohne (Phaseolus vulgaris) kam im 16. Jahrhundert nach Europa. In Amerika zählt sie mit dem Kürbis zu den ältesten Kulturpflanzen. Nach der Volksetymologie soll man Bohnen am Tag des hl. Bonifatius (Märtyrer, 13. Mai) oder Winfried-Bonifatius (Mainzer Bischof, 5. Juni) zu Mittag legen, damit sie gut gedeihen. Wegen des Aussehens verwendete man sie zum magischen Heilen von Hautkrankheiten. 

Das im 15. Jahrhundert in Fastnachtspielen erwähnte, vielstrophige Bohnenlied schilderte Narreteien und gering Geschätztes. In der Reformationszeit wurde es z.B. verwendet, um das Ablasswesen lächerlich zu machen. Andererseits veröffentlichte der katholische Humanist Sebastian Brant 1494 in Basel sein "Narrenschiff", in dem er verschiedene Narreteien in Holzschnitten und Versen kritisiert, so auch der Narr, der unflätige Reden führt (wie das Bohnenlied). Entsprechend alt ist die Redensart "das geht noch über das Bohnenlied" für Ungehöriges.

Seit dem späten Mittelalter war es Brauch, am Dreikönigstag einen "Bohnenkönig" als Regent für einen Tag zu bestimmen. Die Wahl fiel auf denjenigen, der in seinem Stück des Königskuchens die eingebackene Bohne fand.


Quellen: 
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 100
Dominik Fugger: Das Königreich am Dreikönigstag. Paderborn 2000 (Rezension in Österr. Zeitschrift für Volkskunde, Wien 2008, S. 80 f.)
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin 1927/1987. Bd 1/ Sp. 1470 f.
Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Freiburg/Br. 1991. Bd 1 / S. 235 f.