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Brauchgebäcke #

Brauch-Gebäcke (c) Doris Wolf, 2012

Bräuche sind untrennbar mit gutem Essen verbunden. Das Zeitwort brauchen ist mit dem lateinischen Ausdruck für genießen (lat. frui) verwandt. Bei den großen Jahresfesten spielen Brauchgebäcke eine wichtige Rolle. Sie werden - meist aus Germteig - frei mit der Hand geformt (gebildet) und nicht in einem Model oder in einer Backform.Daher nannte man sie früher "Gebildbrot".

Den Begriff Gebildbrot prägte der deutsche Historiker und Volkskundler Ernst Ludwig Rochholz (1809-1892) im Sinne seiner Zeit, die geneigt war, hinter harmlosen Backwerken "kultische" Ursachen zu sehen. So sollten die Formen angeblich aus vorchristlicher Zeit stammen. Das wurde auch in der NS-Zeit progagiert ("Germanische Sonnensymbole"), ist jedoch durch neuere Forschungen eindeutig widerlegt. Auch die Bezeichnung Gebildbrot wird wissenschaftlich nicht mehr verwendet und sollte vermieden werden.

Wie allgemein bei Bräuchen geht es nicht um die - unbeantwortbare - Urprungsfrage. Vielmehr ist die persönliche Phantasie gefragt, wie das Beispiel "Lenkrad" zum Führerscheinerhalt aus den 1980er Jahren zeigt. Kreative Bäckermeister haben oft regionale Spezialitäten erfunden, wie z.B. die "Himmelsleiter" im Bezirk Kirchdorf im südöstlichen OÖ. Das Spiralgebäck schenken Eltern ihren Kindern zu Allerheiligen statt der traditionellen Striezel. Ähnliches gibt es auch auf Niederösterreichischen Kirtagen, dann heißt es Kirtagsschlangerl.

Die meisten Brauchgebäcke bestehen aus Germteig, der seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar ist. Um 1700 gab es Hefezüchtungen, die aber in erster Linie aber auf die Erfordernisse der Bierbrauer und Schnapsbrenner zielten und für die Bäcker wenig geeignet waren. Erst im 19. Jahrhundert stand durch neue Brauerei-Technologien ausreichend Backhefe zur Verfügung. Allein daraus führen sich die vorchristlich-kultischen Theorien ad absurdum.

Rezept#

Germteig für Brauchgebäcke:
½ kg Mehl, 1 Säckchen Trockengerm, 1 Kaffeelöffel Salz, 4 Esslöffel Zucker, 10 dkg Butter, ¼ l Milch, 1 ½ Eier

Brauchgebäck
Brauchgebäck
Brauchgebäck
Brauchgebäck
Dreikönigskuchen
Dreikönigskuchen
Faschingskrapfen
Faschingskrapfen
Klemensweckerl
Klemensweckerl
Brezel
Brezel
Kalvarienbergkipfel
Kalvarienbergkipfel
Osterpinzen
Osterpinzen
Kränzchen mit Osterei
Kränzchen mit Osterei
Herz
Herz
Brauchgebäck zur Sonnenwende
Brauchgebäck zur Sonnenwende
Allerheiligenstriezel
Allerheiligenstriezel
Himmelsleiter zu Allerheiligen
Himmelsleiter zu Allerheiligen
Luzienkater
Luzienkater
Martinskipfel
Martinskipfel

Fotos: Doris Wolf, 2012/2013