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Bretterkrippe#

Bretterkrippe

Neben Kirchenkrippen mit plastischen Figuren waren Ende des 18. Jahrhunderts in Bayern und Westösterreich Bretterkrippen beliebt. Es handelt sich um meist große, auf Holztafeln gemalte Figuren und Figurengruppen mit ausgeschnittenen Konturen. Die Flachkrippen konnten als "heiliges Theater" kulissenartig erweitert werden, ohne viel Platz zu beanspruchen. Durch künstlerische Beherrschung der Perspektive erzielte die barocke Illusionskunst dreidimensionale Effekte. Etliche Bretterkrippen sind in Franziskanerklöstern in Tirol anzutreffen, wobei jene in Hall und Reutte (beide vom Kunstmaler Franz Hueber 1738 angefertigt) die ältesten sein dürften. Da nach der Überlieferung Franz von Assisi als Vater der Krippen gilt - er veranstaltete 1223 ein Krippenspiel im Wald von Greccio - hatte sein Orden eine besondere Beziehung zur Darstellung des Weihnachtsgeschehens. Für die Franziskanerkirche in Schwaz (Tirol) schuf der bekannte Schwazer Barockmaler Christoph Anton Mayr (1720–1751) eine lebensgroße Bretterkrippe und eine Ganzjahreskrippe aus Karton. Der selbe Künstler fertigte auch eine Wechselkrippe mit drei Darstellungen für die Peter-und-Paul-Kirche in Telfs an. Die Krippe im Kapuzinerkloster Imst stammt vom akad. Maler Franz Seelos (+ 1962). 

Historische Stücke in Wien sind die Weihnachts-Bretterkrippe in der Pfarrkirche Lichtental, Wien 9, und jene der Pfarrkirche Mariabrunn, Wien 14. Die Lichtentaler Pfarrchronik des Jahres 1745 schreibt, dass "ein schönes Krippel verfertigt und über dem Tabernakel des Hochaltares aufgestellt" wurde. Die drei Figurengruppen "Anbetung der Hirten", "Beschneidung" und "Anbetung der Könige" wurden vom bürgerlichen Maler Gottfried Straß aus der Leopoldstadt gemalt und vom Lichtentaler Tischler Peter Ramsperger ausgeschnitten. Die Kosten betrugen 26 Gulden (Zum Vergleich: Der Jahreslohn eines Kirchendieners betrug damals 20 Gulden). Das Kunstwerk galt als verschollen und wurde anlässlich der Ausstellung zum 250-Jahr-Jubiläum der Pfarre 1973 von Prof. Alfred Wolf entdeckt. Seither in der Weihnachtszeit wieder aufgestellt, wurde es 2007 restauriert. 

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Die Lichtentaler Bretterkrippe nach ihrer Restaurierung. Fotos: Doris Wolf 2012

In Mariabrunn gab es eine Wechselkrippe, von der die barocken Darstellungen der Fastenzeit - Abendmahl, Judaskuss, Jesus am Ölberg - erhalten blieben. In Anlehnung an die Darstellungen aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden 1997 die Weihnachtsszenen rekonstruiert. Der böhmische Künstler Ferenc Borsodi fertigte ein Konturensägebild in Öltechnik mit Maria, Jesus und einem Engel, ein zweites mit Josef. Hirten, Schafe und die heiligen drei Könige sind Versatzstücke. Die Tafeln werden dem Kirchenjahr entsprechend im Heiligen Theater in der Wies-Kapelle der Wallfahrtskirche eingebaut. 

In jüngster Zeit erfreuen sich Bretterkrippen als "Krippen für alle", die auf öffentlichen Plätzen zu sehen sind, großer Beliebtheit. So schuf der Krippenbauer Josef Seidl 2002 für Steyr ein lebensgroßes Exemplar für den Rathaushof und 2004 eine "Flößerkrippe". Deren Figuren sind beidseitig bemalt, die Flöße, auf denen sie stehen, beleuchtet. Auf dem ersten sind das Hirtenfeld mit dem Verkündigungsengel, Hirten und Schafen, auf dem zweiten die heilige Familie und auf dem dritten Floß die heiligen Drei Könige und ein Flößer dargestellt. In Hinterbrand-Rosenberg (Bayern) entstand eine Kirchenkrippe mit Brettfiguren und Kulissen nach Entwurf des Priesterkünstlers Sieger Köder (* 1925). Auf dem Hauptlatz von Leoben (Steiermark) steht eine Bretterkrippe für alle. Nachdem vor einigen Jahren der Esel gestohlen - und durch ein Double - ersetzt worden war, verschwand 2015 das 200 kg schwere Kamel. Fünf Tage später wurde es auf einem Parkplatz entdeckt.

Bei Wegkreuzen findet man häufig die Christusfigur auf Metall gemalt und mit ausgeschnittenen Konturen (Blechschnitt, Blechscheibencorpus).

Die einfache und effektvolle Art der Brettfiguren wird auch für die Werbung genutzt, früher bei Restaurants (Koch mit Speisentafel), neuerdings in Einkaufszentren (Bild: Westbahnhof, Foto Doris Wolf 2012)

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Quellen: Informationen der Pfarren Lichtental und Mariabrunn
Leoben Publiziert 15.12.2015

Bild:  "Anbetung der Hirten" der Lichtentaler Bretterkrippe, 1745, vor der Restaurierung