Brief#

Brief

Brief (lat. brevis libellus) bezeichnete anfangs eine Urkunde, diese Bedeutung ist z.B. in "Kaufbrief" erhalten. Ein Briefsteller war jemand, der Briefe für andere Personen abfasste, oder eine Sammlung von Musterbriefen und Urkunden-Formulierungen. Solche Formelbücher sind schon aus dem 6. Jahrhundert ("Variae", 538) bekannt, sie bewahrten ihre Bedeutung durch das ganze Mittelalter und bis in die Neuzeit. 

Auch beim Schreiben sehr persönlicher Briefe bediente man sich professioneller Hilfe. Briefmaler oder Illuminierer stellten Liebes- und Heiratsbriefe ebenso wie Glückwünsche her. Häufig wurden die Illustrationen mit Schablonen aufgebracht und handkoloriert. Herzen und Glückssymbole waren die beliebtesten Motive. Taufbriefe enthielten das Patengeschenk. "Himmelsbriefe" sollten vor allem Unheil schützen. An Wallfahrtsorten wurden Bittbriefe deponiert, später legten die Kirchen Anliegenbücher auf, in die man Wünsche für Fürbitten und Gebete schreiben kann.

Glücks- und Kettenbriefe - früher mit der Hand abgeschrieben oder mit Durchschlägen auf der Schreibmaschine getippt - erfuhren durch das Internet neuen Aufschwung. Um Glück zu haben, soll man sie an mehrere Empfänger weiterleiten, tut man es nicht, wird mit Unheil gedroht. In ähnlicher Weise zirkulieren Bildschirmpräsentationen (oft mit esoterischen Texten).


Quelle: Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 109

Bild: Die aufwändig gestaltete Grußkarte aus Wien zeigt eine Brieftaube mit einem kleinen Kuvert aus Goldkarton im Schnabel. Dieses enthält als Leporello zehn briefmarkengroße Fotos von Sehenswürdigkeiten. Gemeinfrei